Erhöhte Fehlbildungen nach künstlicher Befruchtung?

Gesundheitsrisiko für das Kind muss stärker berücksichtigt werden

Durch sinkende Zeugungsfähigkeit im zunehmenden Alter entscheiden sich immer mehr Paare über 30 für eine künstliche Befruchtung. Neben dem Wunsch nach einer erfolgreichen Befruchtung darf aber auch das erhöhte Risiko einer Fehlbildung keinesfalls vernachlässigt werden.

Immer mehr Paare entscheiden sich erst nach Vollendung des 30. Lebensjahres für die Erfüllung ihres Kinderwunschs. Da bei zunehmendem Alter die Zeugungsfähigkeit nachweislich eingeschränkt ist, nimmt die Nachfrage nach der künstlichen Befruchtungen entsprechend zu. Meist drehen sich von diesem Zeitpunkt an sämtliche Sorgen um Erfolg bzw. Misserfolg einer ärztlichen Behandlung. Dabei sollte aber auch zukünftig mehr das Wohl des Kindes berücksichtigt werden. Kinder die durch eine künstliche Befruchtung entstehen, haben ein um den Faktor 1,3 erhöhtes Risiko, gesundheitliche Schäden davonzutragen. Ein Bericht in der Springer-Fachzeitschrift Gynäkologische Endokrinologie geht der gesundheitlichen Entwicklung nach einer IVF oder ICSI Befruchtung nach.

Häufig entscheiden sich Paare beim Wunsch einer künstlichen Befruchtung zwischen den zwei gängigen Methoden In-Vitro-Fertilisation (IVF) und intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Bei beiden Methoden werden Eizellen durch Hormonbehandlung gewonnen und außerhalb des Körpers befruchtet. Bei der IVF spontan durch Zugabe von Spermien im Reagenzglas, bei der ICSI durch Injektion der Spermien in die Zelle, verbunden mit einer höheren Erfolgsquote. Entstandene Embryos werden in den Uterus transferiert. Sämtliche Arbeitsschritte bei beiden Verfahren können die Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen.

Wie sieht es aber mit der Entwicklung des Kindes aus, obwohl die künstliche Befruchtung an sich komplikationslos verlaufen ist? Auf jeden Fall beeinflussen die hier häufiger auftretenden Mehrlingsschwanger- schaften die Gesundheit des Kindes erheblich. Auch die eingeschränkte Zeugungsfähigkeit der Eltern könnte eine Rolle spielen. Betroffene Männer weisen gehäuft Chromosomenanomalien auf. In diesem Zusammenhang sind wohl Berichte über ein erhöhtes Risiko genitaler Fehlbildungen bei Jungen zu sehen. Maßgeblich sind aber eher Umwelteinflüsse, die sich auf die Aktivität der Gene auswirken. So treten zum Beispiel das Angelmanund das Beckwith-Wiedemann-Syndrom häufiger auf als nach spontaner Empfängnis. Das absolute Risiko einer solchen Störung bleibt mit einem Fall auf mehrere tausend Kinder weiterhin niedrig. Laut einer ICSI-Follow-up-Studie ist die Gefahr von Fehlbildungen im Verdauungstrakt sowie in Nieren und harnableitendem System am höchsten. Hypospadien – eine falsch mündendeHarnröhre – treten nach ICSI bei 0,4 Prozent, in einer Kontrollgruppe bei 0,2 Prozent der Kinder auf. Das Muster der Fehlbildungen scheint nach heutigem Stand keinem erkennbaren Schema zu folgen.

Vergleicht man die Entwicklung von künstlich gezeugten mit spontan gezeugten Kindern nach der Geburt so sind keine signifikanten Unterschiede festzustellen, sowohl in der psychischen wie physischen Entwicklung. Einschränkend ist allerdings die Tatsache, dass es kaum Daten gibt für Kinder über 8 Jahre. Eine Studie berichtet über häufigere Klinikaufenthalte – möglicherweise, weil die Eltern sich größere Sorgen um ihre Kinder machen. Die Datenlage zu chirurgischen Eingriffen ist widersprüchlich. Berichten über mehr operative Eingriffe bei Kindern nach IVF und ICSI stehen Studien gegenüber, die keine Unterschiede fanden.


Quelle: Gynäkologische Endokrinologie 4/2007
Autor: M. und A.K. Ludwig
Stand: Feb 1, 2008


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