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Künstliche Befruchtung

Ein Kind aus der Petrischale

Eine Befruchtung im Labor ist für viele Paare die letzte Hoffnung auf ihr Wunschkind. Doch die Verfahren sind aufwändig, zeitintensiv und belastend.

Letzter Versuch: In-vitro-Fertilisation

Sie versetzte Deutschland in Erstaunen und löste zahlreiche Diskussionen aus: Anfang Dezember 2007 brachte eine 64-jährige Frau in Aschaffenburg ein Kind zur Welt. Die Deutsche hatte sich im Ausland die Eizelle einer jungen Frau einsetzen lassen, die zuvor mit dem Samen ihres ebenfalls 64 Jahre alten Ehemanns befruchtet worden war. Eine solche Eizellenspende ist in Deutschland verboten (Embryonenschutzgesetz). Möglich ist aber, ein eigenes Ei außerhalb des weiblichen Körpers im Labor befruchten zu lassen. Eine sogenannte In-vitro-Fertilisation (IVF) ist für viele Paare der letzte Versuch, ein Kind zu bekommen, nachdem nichts anderes Erfolg brachte. Eine IVF wird z.B. angewandt, wenn die Eileiter verschlossen sind oder fehlen, die Frau Antikörper gegen die Spermien bildet (immunologische Sterilität) oder die Zeugungskraft des Mannes reduziert ist.

Ei- und Samenzellen verschmelzen in einem Laborglas

Für eine IVF entnimmt ein Reproduktionsmediziner Eizellen aus dem Eierstock und führt sie in einem Reagenzglas mit Samenzellen des Partners zusammen. Kommt es zur Verschmelzung und Weiterentwicklung einer Eizelle oder mehrerer, setzt der Arzt den Embryo in die Gebärmutter ein. Fast immer ist eine künstliche Befruchtung an eine Hormonbehandlung der Frau gekoppelt, um das Reifen von mehreren Eiern anzuregen. Rund eine Woche nach der Stimulierung der Eierstöcke prüft der Arzt mehrmals Größe und Reife der Eizellen. Erscheinen diese befruchtungsfähig, muss die Frau die follikelstimulierenden Hormone (FSH) absetzen, und der Arzt löst den Eisprung aus, indem er ihr das Hormon Choriongonadotropin (hCG) spritzt. 24-48 Stunden später entnimmt der Arzt die Eizellen mit einer langen feinen Nadel aus den Eierstöcken. Das geschieht meist durch die Scheide, manchmal auch per Bauchspiegelung. Die Frau erhält zuvor Beruhigungsmittel, Schmerzmedikamente oder eine Narkose. Nach dem Eingriff können leichte Blutungen und ein Wundgefühl auftreten.

Arzt transferiert befruchtete Eizelle in die Gebärmutter

Wenn der Arzt die Eizellen entnommen hat, braucht das Labor frischen Samen. Daher masturbiert der Mann meist direkt im reproduktionsmedizinischen Zentrum. Um die Qualität der Spermien zu erhöhen, bereitet das Labor die Samenflüssigkeit auf. Dann werden Ei- und Samenzellen in einem Gefäß zusammengebracht und im Brutschrank kultiviert, wo die Befruchtung stattfinden soll. Ob sie geklappt hat, lässt sich unter dem Mikroskop erkennen. Es erfolgt die Auswahl der Eizellen, die der Arzt zurückgibt; die übrigen befruchteten Eizellen werden verworfen oder eingefroren. Wenige Tage nach der Entnahme überträgt der Mediziner ein bis drei befruchtete Eizellen in den Körper der Frau. Mit einem dünnen Schlauch (Katheter) schleust er die Eizellen durch die Scheide und den Muttermund in die Gebärmutterhöhle. Das ist für die meisten Frauen wenig oder gar nicht schmerzhaft.

Warten, ob es geklappt hat

Rund zwei Wochen nach dem Transfer der Embryonen in die Gebärmutter zeigen der Hormonspiegel und Kontrolluntersuchungen, ob eine Schwangerschaft begonnen hat. Knapp vier Wochen nach dem Eingriff lässt sich auf einem Ultraschallbild erkennen, ob der Embryo lebt, und ob es sich um ein Kind oder mehrere handelt. Das kann passieren, wenn zwei oder drei befruchtete Eizellen übertragen werden. Er kommt allerdings öfters vor, dass sich der Embryo gar nicht in der Gebärmutter einnistet. Im Schnitt werden 20-25 % der Frauen nach einem Transfer schwanger. Die Geburtenquote pro IVF-Durchgang, "baby–take–home-Rate" genannt, liegt aber nur bei etwa 11-13 %.

ICSI-Methode bringt Samenzelle ins Ei

Neben der In-vitro-Fertilisation haben sich in der 30-jährigen Geschichte der künstlichen Befruchtung Varianten und ergänzende Verfahren entwickelt, die die Erfolgsquote erhöhen sollen. Dazu zählt die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), bei der ein einzelnes Spermium unter einem speziellen Mikroskop in eine dünne Pipette gezogen und direkt in die Eizelle gebracht wird. ICSI kommt vor allem zum Einsatz, wenn der Mann nur wenige oder unbewegliche Spermien produziert. Dann können die Samenzellen die Hülle der Eizelle nicht durchdringen. Die Methode ahmt diesen natürlichen Vorgang nach.

GIFT bringt Ei-Samen-Gemisch in den Eileiter

Beim Intratubarer Gametentransfer (GIFT) werden die Eizellen per Bauchspiegelung abgesaugt und direkt mit den frisch aufbereiteten Spermien in den Trichter (Tube) des Eileiters gebracht. Die Befruchtung findet also im Körper der Frau statt. Dieses Verfahren setzen Ärzte bei einer langjähriger, ungeklärten Sterilität der Frau ein, bei männlichen Fertilitätsstörungen und bei speziellen Formen der Endometriose, wenn Schleimhautzellen der Gebärmutter den Trichter verkleben. Die Erfolgsquote liegt bei etwa 20 Geburten pro 100 Transfers. Die Methode birgt ein erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft. Ein Nachteil: Für die Bauchspiegelung muss die Frau eine Vollnarkose erhalten.

IVM-Behandlung lässt Eizellen in einer Petrischale reifen

Bei der In-vitro-Maturation (IVM) entnimmt der Reproduktionsmediziner unreife Eizellen und lässt sie 1-2 Tage in einer Petrischale heranreifen, in der sich die Hormone FSH und hCG befinden. Dann werden die Eizellen befruchtet und nach zwei weiteren Tagen in die Gebärmutter eingesetzt. Bislang wird dieses neue Verfahren in Deutschland selten angewandt. Es ist strittig, ob IVM zu Chromosomenschäden führen kann. Nach den vorliegenden Studien scheint diese Befruchtungsart eine Option für Frauen mit dem PCO-Syndrom zu sein, bei dem der Eierstock viele kleine unreife Eizellen bildet. Bei anderen Frauen ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft geringer, als bei der herkömmlichen IVF. Ob IVM eine Hilfe für junge Frauen nach einer Chemotherapie sein kann, untersuchen Wissenschaftler noch.

Spermien gewinnen und Eizellen einfrieren

Für den Fall, dass im Samenerguss keine Spermien vorhanden sind, können oft welche aus den Nebenhoden (MESA) oder aus den Hoden (TESE) entnommen werden. Dafür ist eine kleine Operation nötig. In bis zu 75 % finden die Ärzte dann doch Samenzellen. Das gewonnene Gewebe lässt sich einfrieren und später verwenden. Gleiches gilt für befruchtete Eizellen, bei denen noch keine Verschmelzung der Erbanlagen stattgefunden hat (Kryokonservierung). In diesen Vorkernstadium gilt die Eizelle mit dem Spermium noch nicht als Embryo. Ein neuer, noch unerforschter Weg ist das Assisted Hatching, das das Einnisten des Embryos in die Gebärmutter fördern soll. Dazu wird die Hülle der Eizelle künstlich eingeritzt oder verdünnt, um dem Embryo das Schlüpfen zu erleichtern.

Große Belastung für das Paar, ungeklärte Risiken fürs Kind

Eine künstliche Befruchtung ist ein aufwändiges Prozedere, dass besonders den Frauen seelisch wie körperlich zusetzen kann. Der Schritt sollte daher gut überlegt sein. Das gilt auch, weil über die Folgen für die künstlich gezeugten Kinder noch wenig bekannt ist. Es gibt Anzeichen dafür, dass sie ein höheres Risiko für Fehlbildungen und Krankheiten haben. Ein Pärchen, das sich zu einer Laborbefruchtung entschließt, kann mit einer Kostenbeteiligung der Kassen rechnen, wenn es einige Voraussetzungen erfüllt. Dazu gehört, dass das Paar verheiratet und die Frau unter 40 Jahre alt ist. Gesetzliche Krankenversicherung übernehmen 50 % der Kosten für bis zu drei In-vitro-Fertilisationen und Intracytoplasmatischen Spermieninjektion. Eine Übersicht qualifizierter deutscher IVF-Zentren finden Interessierte unter http://www.deutsches-ivf-register.de. (mj)


Quelle: Nach Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: schwanger-info.de, von Pro Familia: Unerfüllter Kinderwunsch, Broschüre und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
Autor: Martina Janning
Stand: Jan 31, 2008


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