Fehlgeburten verkraften
Wenn die gute Hoffnung ein jähes Ende findet
Eine Fehlgeburt ist ein Schock, der viele Gefühle entfacht und Fragen aufwirft. Zum Verarbeiten brauchen Paare Zeit, manchmal auch versierten Beistand.
Quälende Schuldgefühle
Schock, Verzweiflung, Trauer, Schuld oder Wut eine Fehlgeburt steckt kein Paar ohne Weiteres weg. Sandra fühlte sich beispielsweise so leer, als hätte ihr jemand ein Stück Herz herausgerissen, beschreibt sie in einem Internetforum. Sie kam mit der Situation überhaupt nicht klar, fragte sich den ganzen Tag, ob und warum sie Schuld daran sei. Als besonders schlimm empfand sie, "dass ich eigentlich schon vor ein paar Jahren ein Kind wollte, nur mein Mann nicht und wir deshalb noch gewartet haben." Quälende Gedanken, aber auch ganz normale. Wichtig ist jedoch, Schuldgefühle nicht siegen zu lassen und sich zu vergeben. Eine Fehlgeburt kann jede Frau treffen. Etwa 15 % der natürlich entstandenen Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt, bei einer Kinderwunschbehandlung beträgt die Rate sogar 20-25 %.
Zeit zum Trauern nehmen
Oft dauert es Wochen oder sogar Monate, bis ein Paar eine Fehlgeburt verkraftet hat. In jedem Fall bewältigen die Partner den Verlust zusammen besser, als wenn sich jeder mit seinem Schmerz verkriecht, und auch noch die Beziehung in eine Krise gerät. Psychologen raten Paaren, bewusst miteinander zu sprechen und sich dabei den aufkommenden Gefühlen zu stellen. Dazu gehört nicht selten der Gedanke, etwas falsch gemacht oder versagt zu haben, aber auch Wut, Mutlosigkeit oder Einsamkeit. Vor allem Frauen werden leichter mit der Situation fertig, wenn sie ihre Gefühle durchleben und so verarbeiten können. Männer reagieren meist nicht so emotional. Das heißt aber nicht, dass sie weniger traurig sind. Für seine Trauer sollte sich jeder alle Zeit nehmen, die er braucht. Viele müssen noch Monate nach einer Fehlgeburt plötzlich weinen. Kein Grund zur Besorgnis. Tränen lindern sogar den Schmerz und stimulieren ein Wohlgefühl, indem sie bestimmte Hormone ins Gehirn gelangen lassen.
Professionellen Beistand suchen
Wer fürchtet, seinen Kummer nicht allein oder mit dem Partner bewältigen zu können, sollte sich aber nicht scheuen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Hierfür stehen z.B. Hebammen zur Verfügung. Viele haben sogar eine spezielle Fortbildung zur Trauerbegleiterin absolviert. Nach einer Fehlgeburt steht der Frau nämlich Hebammenhilfe zu; die Kosten tragen die Krankenkassen. In vielen Orten und im Internet finden sich Selbsthilfegruppen wie die "Initiative Regenbogen" oder "Verwaiste Eltern". Hebammen und Ärzte wissen in der Regel, welche Gruppen es in Wohnortnähe gibt und kennen die Adressen. Schließlich bleibt auch die Möglichkeit, sich an einen Psychologen oder Therapeuten zu wenden, um die Trauer zu verarbeiten.
Schwanger nach Fehlgeburt
Eine große Sorge nach einer Fehlgeburt ist, ob es nun schwerer wird, schwanger zu werden. Dies ist in der Regel nicht der Fall. Eine Fehlgeburt ist nicht zwangsweise Ausdruck einer Fruchtbarkeitsstörung. Untersuchungen haben gezeigt, dass bis zu drei Viertel der Frauen mit drei oder mehr Fehlgeburten später gesunde Kinder zur Welt bringen ohne besondere medizinische Hilfe zu benötigen. Bei mehreren Fehlgeburten kann jedoch eine genetische Beratung sinnvoll sein, um versteckte Ursachen aufzuspüren. Paare sollten dies mit dem behandelnden Frauenarzt besprechen.
Bundesweit tätige Selbsthilfegruppen für trauernde Eltern finden Sie unten in unseren Linktipps. (mj)




