
Krankmacher
Kinderlos durch Krankheit
Chronische Erkrankungen, Störungen in der Entwicklung und Infektionen können einen Babywunsch vereiteln. Aber auch Umweltgifte setzen der Fruchtbarkeit zu.
Chlamydien die heimliche Infektion
Es gibt eine Vielzahl von Krankheiten, die die Fruchtbarkeit einschränken. Eine besondere Gefahr für Frauen stellen bakterielle Infektionen dar. Sie können unfruchtbar machen, wenn sie nicht erkannt und behandelt werden. Sehr tückisch sind Chlamydien, weil sie oftmals keine Beschwerden verursachen und daher unentdeckt bleiben. Besonders junge Mädchen sind gefährdet, sich eine Infektion mit diesen Bakterien einzufangen, da ihr Körper anfälliger ist als bei Erwachsenen. Für Frauen bis zum 25. Lebensjahr soll es daher in Deutschland künftig ein Chlamydien-Screening geben, bei dem sie jährlich zum Test eingeladen werden. Doch Sterilität in Folge von Chlamydien ist nicht nur ein Frauenproblem, die Keime können auch Männer zeugungsunfähig machen.
Gebärmutterschleimhaut auf Wanderschaft
Ein häufiger Grund für Kinderlosigkeit ist Endometriose. Bis zu 30 % der Frauen mit unerfülltem Babywunsch leiden darunter. Bei Endometriose gelangt Gebärmutterschleimhaut in den Bauchraum. Die Erkrankung stört außerdem die Funktionen von Eileiter, Eierstock und Gebärmutter. Entzündungen im Verlauf einer Endometriose haben zur Folge, dass der Eisprung unterdrückt und der Transport des Eis sowie sein Einnisten in die Gebärmutter verhindert wird. Bei der Endometriose der Eierstöcke bilden sich häufig Zysten, und die Frau hat starke Schmerzen kurz vor und während der Regelblutung. Endometriose lässt sich chirurgisch oder mit Medikamenten behandeln.
Hodenhochstand stört Spermienproduktion
Bei Männer ist Hodenhochstand eine der wichtigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit. Dabei befindet sich ein Hoden in der Leiste oder im Bauchraum und nicht im Hodensack; manchmal sind auch beide Hoden betroffen. Heutzutage achten Kinderärzte sehr auf diese Entwicklungsstörung. Um Schaden bei der Spermienproduktion zu vermeiden, sollte ein betroffener Junge vor seinem zweiten Geburtstag behandelt, und der Hoden operativ in den Hodensack verlagert werden. Eine angeborene Störung ist die Hypospadie, bei der die Harnröhre nicht an der Spitze des Penis endet, sondern an seiner Unterseite. So kann der Samenerguss gar nicht oder nur in den vorderen Teil der Vagina erfolgen und das Befruchten einer Eizelle unmöglich werden. Um das abzuwenden, ist es am besten, eine Hypospadie schon im Kindesalter zu operieren. Daneben können Entzündungen der Hoden, Nebenhoden oder der Prostata die Fruchtbarkeit reduzieren. Folge: das Herstellen und die Beweglichkeit der Samenzellen wird gestört. Auch eine Mumpsentzündung kann die Spermienbildung beeinträchtigen. Eine Krampfader im Hodensack (Varikozele) kann die Qualität des Samens mindern, muss sie aber nicht. Ohne Beschwerden sehen Urologen keinen zwingenden Grund, eine Varikozele zu entfernen.
Chroniker mit Kinderwunsch haben es schwer
Chronische Krankheiten ziehen oft die Zeugungsfähigkeit in Mitleidenschaft. So können die Basedowsche Erkrankung oder die Hashimoto Thyroiditis einen Eisprung verhindern. Ständige Lebererkrankungen und Nierenleiden bergen Unfruchtbarkeit als mögliche Folge, weil diese Krankheiten die Funktion der Hirnanhangdrüse beeinträchtigen. Auch Medikamente, die Ärzte zur Behandlung dieser Krankheiten verschreiben, können die Fertilität schwächen. Patienten mit Kinderwunsch sollten ihre Therapie daher beizeiten mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Diese Empfehlung gilt ebenso für Menschen, die sich einer Krebsbehandlung unterziehen müssen und später Kinder möchten.
Umweltgifte beeinträchtigen Fruchtbarkeit
Noch weitgehend ungeklärt ist der Einfluss von Umweltgiften auf die Fruchtbarkeit von Menschen. Bekannt ist jedoch, dass bei Tieren viele Stoffe die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen oder zu Missbildungen und Krebs beitragen. Chemikalien lassen sich nicht vollständig vermeiden, jeder kann aber versuchen, Produkte mit möglichst wenigen giftigen Inhaltsstoffen zu kaufen. Bei dem Verdacht auf eine hohe Konzentrationen von Umweltgiften in der Wohnung oder am Arbeitsplatz können spezielle Beratungsstellen weiterhelfen. Bekannt ist, dass die Schwermetalle Blei, Kadmium und Quecksilber die Fruchtbarkeit mindern. Blei gelangt vor allem über Autoabgase und alte Wasserrohre in den menschlichen Körper, Kadmium über belastete Nahrungsmittel und Zigarettenrauch. Quecksilber belastet primär bei seiner Verarbeitung, z.B. in Zahnarztpraxen. Weiter stehen Lösungsmittel im Verdacht, zu Hormonstörungen und Fehlgeburten zu führen. Also besser Farben und Klebstoffe ohne Lösungsmittel verwenden. Weichmacher, wie sie viele Kunststoffe, Kosmetika und Lacke enthalten, machen Männer möglicherweise unfruchtbar und fördern Missbildungen der Genitalien beim Kind. Tiere, die Weichmachern ausgesetzt waren, produzierten jedenfalls weniger Testosteron, ihre Hoden verkleinerten sich und sie bildeten nicht mehr so viele Spermien.





