Impfmüdigkeit
So organisieren Sie vollständigen Impfschutz
Beim Impfen ist Deutschland ein Entwicklungsland, sagen Experten. Junge Eltern unterschätzen Infektionskrankheiten, andere Menschen vergessen Impfungen.
Viele Deutsche mit großen Impflücken
Heute sind mehr Kinder geimpft als noch vor zehn Jahren. Das zeigen die Untersuchungen zum Schuleintritt. Beispielsweise betrugen die Impfraten der Vorschulkinder, die einen Impfausweis vorlegen konnten, im Jahr 2005 für Diphtherie 97,5%,für Tetanus 97,8%, und für Poliomyelitis (Kinderlähmung) 96,2%berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Die Impfrate fürKeuchhusten lag 1996 bundesweit bei 34,5%, im Jahr 2005 dagegen schon bei 91,9%. So weit die Zahlen für Kinder mit einem Impfausweis. Den konnten 2005 immerhin 91,2% der Schulanfänger vorlegen 3% mehr als 1996 . Allerdings sind die Impfraten in Deutschland insgesamt zu gering. Viele Menschen haben große Impfdefizite. Besonders hapert es bei den Auffrischungsimpfungen sie bekommen nur 82% der Kinder. Bei den Erwachsenen sind teilweise sogar weniger als 70% gegen Infektionskrankheiten wie Tetanus geimpft .
Deutschland beim Impfen ein Entwicklungsland
Vor allem in den alten Bundesländern ließen Eltern ihre Kinder nicht ausreichend impfen, kritisierte Professor Gerhard Gaedicke auf der Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin 2007 in Berlin. Viele hätten unbegründete Vorurteile gegenüber der aktiven Immunisierung, die dazu führten, dass sie den Impfschutz ihrer Kinder vernachlässigten. Der Mediziner bezeichnete Deutschland beim Impfen als Entwicklungsland. Bei Säuglingen läge die Impfrate lediglich bei 80-90% . Die Folge der Impfmüdigkeit sei eine höhere Kindersterblichkeit, sagte der Charité-Experte. Doch nicht Skepsis sei Schuld an fehlenden Impfungen - weniger als 2% der Deutschen seien absolute Impfgegner und nur etwa 10% der Eltern lehnten einzelne Impfungen ab, berichtet das Robert Koch-Institut . Meistens fehle das Bewusstsein über die Gefährlichkeit von Infektionskrankheiten, das Wissen um den Nutzen und die Notwendigkeit von Impfungen, als auch das Wissen um die Sicherheit von Impfstoffen. Besonders bei jungen Eltern stelle sich eine Impfmüdigkeit ein, kritisiert RKI-Präsident Reinhard Kurth. Das liege daran, dass diese Eltern früher selbst geimpft gewesen und somit ohne Infektionskrankheiten wie Masern, Röteln oder Mumps aufgewachsen seien - und damit die Gefährlichkeit der Krankheiten nicht mehr im Bewusstsein verankert ist.
Impfstatus regelmäßig überprüfen
Neben Sorglosigkeit ist Vergesslichkeit ein Hauptgrund für fehlenden Impfschutz. Viele Menschen wissen gar nicht gegen welche Infektionskrankheiten sie geimpft wurden und wann Auffrischimpfungen nötig sind. Eine Möglichkeit ist, zu jedem Arztbesuch seinen Impfausweis mitzunehmen und in der Praxis überprüfen zu lassen, ob noch ausreichender Impfschutz besteht. Um daran zu denken, das Impfausweis zum Arztbesuch einzustecken, sollte er griffbereit aufbewahrt werden z. B. zusammen mit der Versichertenkarte oder den Ausweispapieren. Wer selten zum Arzt muss, kann sich behelfen, indem er sich selbst einen jährlichen Stichtag setzt, an dem er seinen Impfstatus per Impfausweis kontrolliert und sich bei Bedarf einen Arzttermin holt. Ein Impfkalender zum Ausdrucken gibt einen Überblick, in welchen Abständen Impfungen aufgefrischt werden müssen.
Keine Praxisgebühr bei Impfungen
Manchmal werden Impfungen aus finanziellen Gründen aufgeschoben. Wer jeden Euro umdrehen muss, scheut zehn Euro Praxisgebühr. Doch Geringverdiener können sich von der Zahlung befreien lassen; die jeweils aktuelle Einkommensgrenze nennt die Krankenkasse. Bei Impfungen entsteht überdies gar keine Praxisgebühr sie gelten als Vorsorge.




