Online-Studie
Internet beeinflusst die Impfbereitschaft
Eltern, die sich online über das Thema Impfen informieren wollen und im Internet auf negative Einzelfallberichte stoßen, lassen ihre Kinder weniger häufig impfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung.
Viele Eltern informieren sich im Internet über Gesundheitsthemen, so auch den Nutzen und die Risiken von Impfungen. Dr. Cornelia Betsch, Diplom-Psychologin an der Universität Erfurt, beschäftigt sich intensiv mit der Frage, inwiefern das Internet die Impfintention von Eltern beeinflusst. Als Expertin zum Thema berichtete sie auf dem Präventionstag Pädiatrie in Mainz und dem 16. Sächsischen Impftag in Leipzig von den Ergebnissen ihrer Untersuchung.
In einer Reihe von Online-Studien hat Dr. Cornelia Betsch zeigen können, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Lesen impfkritischer Seiten und einer sinkenden Impfbereitschaft gibt. "Eltern informieren sich zum Thema Impfen häufig im Internet. Schon eine einfache Google-Suche nach dem Stichwort 'impfen' führt neben Seiten von Pharmafirmen und der öffentlichen Hand schnell auf Internetangebote dezidierter Impfkritiker und -gegner. Dort finden Eltern neben impfkritischen Argumenten häufig emotionale und persönliche Berichte, die von negativen Erlebnissen nach der Impfung berichten", erläutert die Psychologin.
Emotionale Einzelfallberichte scheinen eine wesentliche Rolle bei der unmittelbaren Wahrnehmung von Impfrisiken zu haben. Doch auch auf lange Sicht kann sich die Bereitschaft verringern, die Kinder impfen zu lassen. So ließen Eltern, die von einem hohen Risiko ausgehen, ihre Kinder in einem Untersuchungszeitraum von fünf Monaten seltener impfen. In weiteren Studien konnte Betsch zeigen, dass sich auch das totale Dementieren von Risiken nachteilig auf die Impfintention auswirken kann. „Die Impfintentionen waren - wie wir feststellen konnten - höher, wenn ein Risiko als minimal dargestellt wurde, als wenn es als null dargestellt wurde“, erläutert die Psychologin. Praktischen Ärzten rät sie, Eltern über mögliche Risiken aufzuklären und vor allem sich klar zu machen, wie sich Einzelfallberichte auf die Eltern auswirken können.




