Gefährliche Impfverweigerungen
Trauriger Exportschlager aus Deutschland: Das Masernvirus
Obwohl die Masernimpfung in Europa seit über 20 Jahren Bestandteil der Routine-Impfprogramme ist, wird das WHO-Ziel der Ausrottung des Virus bis 2010 hier womöglich nicht erreicht.
Eine aktuell in der renommierten Fachzeitschrift "Lancet" veröffentlichte Untersuchung hat die Verbreitung von Masern sowie die Impfraten in Europa unter die Lupe genommen. Deutschland stellte sich dabei als eines der Länder heraus, die aufgrund der lückenhaften Durchimpfung ihrer Bevölkerung den Erfolg des Vorhabens der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gefährden, die Masern bis zum Jahr 2010 weltweit auszurotten.
Für diese Studie werteten Wissenschaftler Zahlen aus 32 Ländern aus, die die jeweiligen nationalen Einrichtungen der Gesundheitsüberwachung (in Deutschland das Robert Koch-Institut) für die Jahre 2006 und 2007 gemeldet hatten. Insgesamt war es in diesem Zeitraum zu über 12.000 Fällen von Masern gekommen. Dabei zählte Deutschland zusammen mit Rumänien, Großbritannien, Italien und der Schweiz zu den Ländern, in denen über 10.000 Infektionen (85%) registriert wurden. Zudem stellten die Forscher fest, dass es sich bei den meisten der Erkrankten um nicht oder nur unvollständig geimpfte Kinder gehandelt hatte.
Von allen registrierten Masernerkrankungen galten 210 als "importiert", das heißt, verantwortlich für die Ansteckung waren vermutlich Viren, die aus dem Ausland eingeschleppt worden waren. Dabei kamen weniger als die Hälfte der Erreger aus dem außereuropäischen, vor allem asiatischen Ausland - in 117 Fällen (56%) ging man hingegen von einem europäischen Nachbarn als Herkunftsort des krankmachenden Virus aus, beispielsweise Deutschland.
Zwar erkrankten in Deutschland im Jahr 2007 deutlich weniger Personen an Masern (571) als noch 2006 (2307), doch die aktuell veröffentlichte Zahl der Infektionen im Jahr 2008 ist wiederum besorgniserregend: Sie stieg erneut auf 916 an. Auch in den USA meldet die Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) für das erste Halbjahr 2008 eine Zunahme der Masernfälle - auf den höchsten Stand seit 10 Jahren. Dabei führt die CDC diese Erkrankungen ebenfalls zu einem Großteil auf "Virenimporte" aus Europa zurück.




