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Experteninterview

"Ich empfehle meinen Patientinnen die HPV-Impfung"

Frau Dr. Ilkhanipur begegnet in ihrer frauenärztlichen Praxis täglich jungen Mädchen und ihren Müttern, die viele Fragen zur HPV-Impfung haben. Im Folgenden gibt die Expertin Antworten auf häufig gestellte Fragen.


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Frau Dr. lkhanipur, was beschäftigt Ihre Patientinnen im Zusammenhang mit dem Thema HPV-Impfung am meisten?

Frau Dr. Ilkhanipur

Viele meiner Patientinnen möchten von mir wissen, welchen Nutzen sie ganz persönlich von der Impfung haben. Gerade wenn die junge Frau bereits sexuell aktiv ist, taucht oft die Frage auf, ob die HPV-Impfung für sie noch sinnvoll ist. Wie man sich mit HPV anstecken kann und wie sicher Kondome vor einer Infektion schützen, sind weitere häufig gestellte Fragen. Und nicht zuletzt erkundigen sich die Patientinnen danach, ob die Kosten für ihre Impfung von der Krankenkasse übernommen werden und ob Nebenwirkungen auftreten können.

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Was raten Sie Ihren Patientinnen und Müttern von Mädchen, die noch unsicher sind, ob sie ihre Tochter gegen HPV impfen lassen sollen?

Frau Dr. Ilkhanipur

Ich kläre meine Patientinnen und ihre Mütter ausführlich darüber auf, welche Risiken mit einer HPV-Infektion verbunden sind, und veranschauliche das Ganze mit Zeichnungen und Bildern von Genitalwarzen. Angesichts der Tatsache, dass sich über 70% aller sexuell aktiven Erwachsenen im Laufe ihres Lebens mit HPV infiziert haben, ist diese Infektion eher die Regel als die Ausnahme. Ich halte die Impfung deshalb für sehr wichtig und teile dies in meinen Aufklärungsgesprächen auch mit. Darüber hinaus informiere ich die jungen Frauen, wie häufig durch HPV verursachte Erkrankungen sind und betone, dass eine HPV-Impfung die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt keinesfalls überflüssig macht.

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Empfehlen Sie die Impfung auch jungen Frauen, die bereits erste sexuelle Kontakte hatten?

Frau Dr. Ilkhanipur

Von der HPV-Impfung profitieren auch diejenigen Patientinnen, die bereits sexuell aktiv sind. Denn die zwei Impfstoffe, die zur Zeit erhältlich sind, schützen vor einer Infektion mit den HPV-Hochrisiko-Typen 16 und 18. Einer der beiden Impfstoffe schützt zusätzlich vor den Niedrigrisiko-Typen 6 und 11. Selbst wenn die junge Frau sich bei ihren ersten Sexualkontakten mit HPV infiziert hat, ist es extrem unwahrscheinlich, dass sie sich mit allen vier Virustypen angesteckt hat. Vor den Infektionen mit den HPV-Typen, mit denen sie noch nicht in Kontakt gekommen ist, schützt sie die Impfung.
Außerdem ist die Immunität, die der Körper durch eine HPV-Infektion erwirbt, deutlich schwächer als die, die man mit der HPV-Impfung erzielt. Wenn die erste sexuelle Erfahrung bereits einige Zeit zurückliegt, kann es sogar sein, dass der Schutzeffekt nach einem vorherigen Kontakt mit dem Erreger bereits wieder verflogen ist.Daher empfehle ich die Impfung auch Jugendlichen, die bereits erste Sexualkontakte hatten.

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Sollten sich manche Mädchen besser nicht impfen lassen, z.B. wegen einer chronischen Krankheit?

Frau Dr. Ilkhanipur

Impfen lassen können sich grundsätzlich alle. Bei bestehenden Unverträglichkeiten gegen einzelne Inhaltsstoffe des Impfstoffs ist die Frage, ob geimpft werden kann, mit dem Arzt abzuklären.
Gerade bei chronischen Erkrankungen sollte man das Augenmerk auf die Impfung richten. Häufig sind chronisch kranke Jugendliche nämlich besonders infektionsgefährdet und profitieren in hohem Maß von der Impfung. Wenn mit bestimmten Medikamenten behandelt wird, die das Immunsystem unterdrücken (sogenannte Immunsuppressiva), kann es sein, dass die Impfung nicht anschlägt. Das kann z.B. nach einer Organtransplantation der Fall sein. Auch in diesem Fall entscheidet am besten der behandelnde Arzt, ob die junge Frau geimpft werden kann.

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Wird der Impfstoff gut vertragen?

Frau Dr. Ilkhanipur

Der Impfstoff ist sehr gut verträglich. Ich impfe seit November 2006 gegen HPV und habe noch keine schwerwiegende Impfkomplikation gehabt, bisher auch noch keinen Impfzyklus abbrechen müssen. Zurzeit impfen wir in meiner Praxis etwa 20 bis 30 Mal pro Woche gegen HPV.

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Was sind die häufigsten Nebenwirkungen?

Frau Dr. Ilkhanipur

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Brennen und Schmerzen an der Einstichstelle. Diese gehen jedoch in der Regel schnell vorüber.
Meine Praxis ist im vierten Obergeschoss. Ich habe schon von Mädchen gehört, dass die Schmerzen weg waren, als sie unten aus dem Aufzug kamen. In seltenen Fällen kommt es zu vorübergehendem Krankheitsgefühl mit Frösteln und Gliederschmerzen. Dies beobachte ich nach Impfungen mit anderen Impfstoffen jedoch eher häufiger als nach HPV-Impfungen. Das bei der HPV-Impfung beobachtete Nebenwirkungsspektrum ist also gering.

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Wie häufig kommt es zu Nebenwirkungen?

Frau Dr. Ilkhanipur

Leichte Reaktionen an der Impfstelle wie eben beschrieben kommen bei der HPV-Impfung, aber auch anderen Impfungen häufiger vor. Ein Krankheitsgefühl tritt viel seltener auf, meiner Einschätzung nach bei ca. 3% der Impfungen. Allergische Reaktionen, neurologische Probleme und Ähnliches habe ich noch nie beobachtet.

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Haben Sie den Eindruck, dass die HPV-Impfung in der Bevölkerung schon ausreichend bekannt ist?

Frau Dr. Ilkhanipur

Ausreichend bekannt wäre die Impfung erst dann, wenn sie jeder kennen würde. Das ist sicherlich noch nicht der Fall. Dennoch denke ich, dass die Mädchen selbst und auch ihre Mütter mit sehr gelungenen, einprägsamen und informativen Informationskampagnen gut angesprochen werden.

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Wie könnte der Bekanntheitsgrad der Impfung weiter erhöht werden?

Frau Dr. Ilkhanipur

Mit Kampagnen in Schulen, den bekannten Jugendzeitschriften und über das Internet könnte man die Impfung sicherlich noch bekannter machen. Meiner Meinung nach sollte man auch junge Männer gezielt auf das Problem aufmerksam machen und sie dazu motivieren, ihre Freundin zum Impfen zu schicken.

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Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Ilkhanipur!


Quelle: Nach einem Gespräch mit Frau Dr. Ilkhanipur, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe
Autor: Annette Mende
Stand: Jan 13, 2009


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