Alternativmedizinische Verfahren

Homöopathie: So wirken Globuli und Co.

Die Homöopathie gehört zu den alternativen beziehungsweise komplementären Heilverfahren. Sie basiert auf der Annahme, dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden kann.

homöopathie globuli
Bei Globuli handelt es sich um die bekannteste Darreichungsform in der Homöopathie. Es gibt aber unter anderem auch Salben, Ampullen und Tabletten mit homöopathischen Wirkstoffen.
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Der Begriff Homöopathie leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet sinngemäß "Ähnliches mit Ähnlichem heilen" (homoion = ähnlich, pathos = Leiden). Die homöopathische Lehre geht davon aus, dass genau das Mittel bei bestimmten Beschwerden hilft, das bei einem gesunden Menschen dieselben oder ähnliche Symptome auslöst.

Dass dies so ist, muss im Rahmen einer homöopathischen Arzneimittelprüfung bestätigt worden sein. Die Methode Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen (lateinisch "Similia similibus curentur") bezeichnen Homöopathen als "Ähnlichkeitsprinzip" oder "Prinzip der Ähnlichkeit".

Ein Beispiel: Bei gesunden Menschen löst Kaffee bei übermäßigem Konsum Unruhe und Nervosität aus. Wer unter innerer Unruhe und nervös bedingten Schlafstörungen leidet, sollte nach dem Ähnlichkeitsprinzip daher das homöopathisch dosierte Mittel "Coffea" (Kaffee) einnehmen, um den Symptomen entgegenzuwirken.

Bei welchen Beschwerden wird Homöopathie eingesetzt?

Anhänger der Homöopathie nutzen sie, um die unterschiedlichsten Beschwerden zu behandeln. Dazu gehören zum Beispiel:

Homöopathie: Wichtige Mittel und ihre Wirkung

Anwendung der Homöopathie

Zu Beginn der Behandlung erfasst der Therapeut die Krankengeschichte aus homöopathischer Sicht. Diese Erstanamnese dauert in der Regel ein bis zwei Stunden. Der Homöopath beziehungsweise Heilpraktiker erfragt dabei die Beschwerden und damit verbundene Befindlichkeitsstörungen sowie allgemeine Vorlieben und Abneigungen. Er möchte beispielsweise wissen, ob sich die Beschwerden durch Ruhe oder Bewegung bessern, ob Kälte und Wärme die aktuelle Befindlichkeit beeinflussen oder ob der Patient viel oder wenig Durst verspürt.

Die vorliegenden Symptome werden nicht nur nach objektiv messbaren Kriterien (wie Art und Aussehen oder Laborwerten) beurteilt, sondern auch die subjektive Wahrnehmung der Beschwerden durch den Kranken spielt eine große Rolle. Der Therapeut hält dadurch das Patientenbild, also die "individuellen Symptome" des Patienten fest. Dies kann dazu führen, dass Menschen zwar dieselbe klinische Diagnose haben können, aber mit unterschiedlichen homöopathischen Arzneimitteln behandelt werden.

Auswahl der homöopathischen Mittel

Jedes homöopathische Mittel besitzt ein Arzneiprofil, in dem alle Beschwerden zusammengefasst sind, gegen die der Wirkstoff helfen kann. Je stärker sich das Arzneiprofil mit den Beschwerden des Patienten deckt, desto besser eignet es sich für deren Behandlung. Die Wahl des richtigen homöopathischen Mittels richtet sich daher nicht nur nach einem Symptom, sondern auch nach sämtlichen Begleiterscheinungen.

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    Was sind Potenzen und Leitsymptome? Auf welchen Prinzipien homöopathische Mittel basieren und wie sie funktionieren

Homöopathische Mittel bestehen aus tierischen, pflanzlichen oder mineralischen Wirkstoffen, die als Tabletten, Tropfen oder kleine Zuckerkügelchen (Globuli) erhältlich sind. Da viele dieser Inhaltsstoffe in hoher Konzentration giftig sind, verdünnt (oder vielmehr potenziert) man die sogenannte Urtinktur so lange, bis aus der Giftwirkung der aus homöopathischer Sicht heilende Effekt entsteht.

Dabei gilt: je verdünnter, desto wirksamer! Dies widerspricht dem schulmedizinischen Prinzip der linearen Dosis-Wirkung-Beziehung, nach dem eine Substanz umso stärker wirkt, je höher ihre Konzentration ist. Manchmal kommen aber auch Urtinkturen selbst als homöopathische Arzneimittel zum Einsatz. Auch Komplexmittel weisen oft eine deutlich höhere Konzentration der jeweiligen Wirksubstanzen auf.

Potenzierung und Dosierung in der Homöopathie

Die Potenzierung ist neben dem Ähnlichkeitsprinzip eine wichtige Grundlage der Homöopathie. Sie bestimmt die Dauer und Stärke der Wirkung von homöopathischen Mitteln. Die Urtinktur wird bei der Herstellung einer Arznei in einem gewissen Verhältnis verdünnt. Die Potenzierung ist aber keine bloße Verdünnung, sondern folgt einem bestimmten, im homöopathischen Arzneibuch festgelegten Prozess.

Im Rahmen der Potenzierung werden mitunter hochgiftige Substanzen wie Tollkirsche (Atropa belladonna), Tigerlilie (Lilium tigrinum), Quecksilber, Arnica, Nux vomica (Brechnuss), Aconitum, Sepia und Okoubaka mit Wasser oder Alkohol verschüttelt oder mit Milchzucker verrieben.

Die Potenzierung erfolgt im Verdünnungsverhältnis von 1:10 (D-Potenzen oder Dezimalpotenzen) oder 1:100 (C-Potenzen oder Centesimalpotenzen). Je öfter eine Substanz verschüttelt wird, desto höher die Potenz. Bei D6 und C6 wurde das Verdünnungsverfahren sechsmal durchgeführt, bei D30 und C30 entsprechend dreißgimal.

Wie die Potenzierung genau funktioniert, lesen Sie hier.

Heilungsverlauf und Nebenwirkungen von homöopathischen Mitteln

Der Heilungsverlauf unterliegt im Verständnis der Homöopathie verschiedenen Gesetzmäßigkeiten. So ist der Körper bestrebt, krankmachende Reize möglichst weit entfernt von der Körpermitte und von den lebenswichtigen Organen (Herz, Gehirn) zu halten. Hauterscheinungen während der Behandlung werden als sich nach außen bewegende Krankheitszeichen bewertet und als positiv eingestuft. Es kann nach Behandlungsbeginn zur sogenannten Erstverschlimmerung kommen, die sich durch vorübergehende Verstärkung der Beschwerden äußert. Sie klingt in der Regel nach wenigen Tagen ab.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind bei homöopathischen Arzneien nicht bekannt. Daher eignen sich die Präparate auch zur Selbstbehandlung, in der Schwangerschaft sowie bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei Hunden, Katzen und anderen Haustieren. Ob die Anwendung im Einzelfall geeignet ist, sollte mit dem Arzt oder Heilpraktiker besprochen werden.

Grundsätzlich gilt: Bestimmte Beschwerden und Krankheitsbilder sowie akute oder lebensbedrohliche Situationen erfordern eine schulmedizinische Behandlung. In diesen Fällen ist eine alleinige, homöopathische Therapie nicht angezeigt.

Erlebte Wirksamkeit und Studien zur Homöopathie

Das Wirkprinzip der Homöopathie konnte für die meisten Indikationsbereiche mit naturwissenschaftlichen Methoden noch nicht belegt werden. Bisherige wissenschaftliche Studien (kontrollierte klinische Studien) untersuchten vor allem die Frage, ob Homöopathie über den sogenannten Placebo-Effekt hinaus eine therapeutische Wirkung entfaltet.

Die Ergebnisse hierzu sind nicht einheitlich. Dennoch kommt die Homöopathie häufig zur Anwendung, weil ihre Verträglichkeit sehr gut ist und viele Patienten von positiven Ergebnissen berichten. Daher ist die Homöopathie in der ärztlichen Weiterbildungsordnung verankert und mit einer Zusatzbezeichnung geschützt.

Bei vielen Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen spielt die Homöopathie heute eine bedeutende Rolle. 57 Prozent der Deutschen haben bereits homöopathische Arzneimittel bewusst verwendet, ergab eine repräsentative Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2009.

Homöopathische Arzneimittel: Viele Krankenkassen zahlen

Die Homöopathie ist nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) enthalten, Kassen müssen also grundsätzlich nicht für diese Therapieform aufkommen. Allerdings haben Krankenkassen die Möglichkeit, die Homöopathie in ihre kassenindividuellen Satzungsleistungen aufzunehmen – eine Möglichkeit, von der etliche Kassen Gebrauch machen. Sie übernehmen teilweise die Kosten für eine einstündige Erstanamnese, für homöopathische Arzneimittel oder andere homöopathische Leistungen. Das genaue Leistungsspektrum kann bei der eigenen Krankenkasse erfragt werden.

Homöopathie: 15 häufige Beschwerden und welches Mittel hilft!

 

Historie: kleine Geschichte der Homöopathie

Begründer der Homöopathie ist der promovierte deutsche Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843), der das Verfahren Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte. Hahnemann war ein großer Kritiker der Heilmethoden seiner Zeit. Er distanzierte sich von den Ansichten der damaligen Schulmedizin so sehr, dass er sich gezwungen sah, seine Praxis als Mediziner aufzugeben und seinen Lebensunterhalt mit Übersetzungsarbeiten zu finanzieren. Dabei stieß er auf die Arbeit des schottischen Pharmakologen William Cullens, der die Wirkung von Chinarinde auf den menschlichen Organismus beschrieb und ihr eine heilende Kraft auf das Wechselfieber (Malaria) attestierte.

Cullens Theorie wollte Hahnemann keinen Glauben schenken und so unternahm er Selbstversuche mit Chinarinde. In diesen Versuchen bemerkte Hahnemann, dass die Chinarinde bei ihm eine Schein-Malaria erzeugte. Er folgerte im Umkehrschluss, dass die Chinarinde gegen eine echte Malariaerkrankung helfen müsse. Damit legte Hahnemann den Grundstein für die Homöopathie.

Im Anschluss an diese Entdeckung führte er zahlreiche Versuche durch, in denen er Arzneien und deren toxische Wirkung untersuchte, die in homöopathischer Dosierung zugleich ihre Heilkraft ausmachen. Mit der Formulierung des Ähnlichkeitsprinzips wird 1796 als das Geburtsjahr der Homöopathie bezeichnet. Die Gesetze der Homöopathie legte Hahnemann im 1810 erschienenen "Organon der rationellen Heilkunde" fest.

Alternativmedizin: Die häufigsten Heilmethoden

 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 31. März 2016
Durch:
Quellen: Berger, M.: Homöopathie: Lohnt sich das noch? In: Der Hausarzt 12, (2004), S. 60-62 Füessl, H. S.: So wirkt Homöopathie. In: MMW-Fortschritte der Medizin 10, (2011), (153. Jg.), S. 26 Glenz, A. et al.: Homöopathie bei Kinderwunsch und im Klimakterium. In: Gynäkologische Endokrinologie 6(2), (2008), S. 109-114 Homöopathie und Kostenerstattung. Zeitschrift des Deutschen Zentralvereins Homöopathischer Ärzte (Stand: November 2010) Rostock, M. & Saller, R.: Komplementäre Therapieverfahren in der Onkologie. Homöopathie. In: Der Onkologe 15(12), (2009), S. 1243-1250 Spranger, J.: Homöopathie und Schulmedizin. Kommentar. In: Monatsschrift Kinderheilkunde 152(7), (2004), S. 758-761 Wiesenauer, M.: Rezidivierende gynäkologische Infektionen und Harnwegsinfektionen. Behandlung mit Homöopathie und Phytotherapie. In: Der Gynäkologe 33(1), (2000), S. 46-54 Brockhaus Enzyklopädie. 17. völlig neubearbeitete Auflage. 8. Band. 1969 Der Brockhaus Gesundheit. Schulmedizin und Naturheilkunde, Arzneimittel, Kinderheilkunde und Zahnmedizin. 8. aktualisierte und überarbeitete Auflage, 2010. Institut für Demoskopie Allensbach: "Homöopathische Arzneimittel in Deutschland", Studie, 2009

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