Studienergebnisse
Überstunden erhöhen das Herzinfarkt-Risiko
Zu viel Arbeit scheint Gift fürs Herz zu sein. Aktuelle Studienergebnisse belegen, dass regelmäßige Überstunden das Risiko erhöhen, einen Herzinfarkt zu erleiden.
Wer im Job zu ambitioniert ist und Tag für Tag Überstunden schiebt, tut seinem Herz nichts Gutes. Zu diesem Ergebnis kommt unter anderem eine Nachauswertung der Whitehall-II-Studie, die jüngst im European Heart Journal veröffentlicht wurde. Ziel der Whitehall-II-Studie war es, die Auswirkungen verschiedener Aspekte der Arbeitswelt auf die Gesundheit der Beschäftigten zu beleuchten. Eine erste Studie begann bereits im Jahr 1967. Mehr als zehntausend ursprünglich herzgesunde Angestellte des öffentlichen Dienstes hatten damals regelmäßig Fragen zu ihrem Lebensstil und dem gesundheitlichen Ergehen beantwortet.
Auf den Herzinfarkt folgt nicht selten eine Depression: Etwa jeder fünfte Infarktpatient erkrankt in den ersten Wochen nach dem Ereignis, und diese Patienten haben bekanntlich ein deutlich höheres Risiko, in den folgenden Monaten zu sterben, als Infarktpatienten ohne Depression.
Forscher um Marianna Virtanen vom University College London haben nun ca. 6.000 britische Staatsdiener im Alter von 39 bis 61 Jahre über durchschnittlich 11,2 Jahre hinweg nachbeobachtet. Dabei zeigte sich, dass Beamte, die durchschnittlich drei oder vier Überstunden pro Woche absolvierten, eine um 60 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit haben, an Herzinfarkt oder Angina pectoris zu erkranken.
Von diesen Patienten waren 80 nicht depressiv und dienten als Kontrollgruppe, die übrigen 160 Patienten - alle mit schweren Depressionen - erhielten entweder eine intensive antidepressive Betreuung mit Psychotherapie und/oder Arzneien. Zudem wurden sie von Psychologen, Sozialarbeitern und Psychiatern regelmäßig betreut. Die anderen 80 depressiven Patienten sowie deren Ärzte wurden nur darüber informiert, dass depressive Symptome vorliegen.
Autor Prof. Kurt Malberg, Immunologie Dresden-Loschwitz, resümiert, dass Überstunden unabhängig von geläufigen Risikofaktoren wie Bluthochdruck ein eigenständiger Risikofaktor für Herzerkrankungen sind. Er erläutert: Überstunden machen vor allem Typ-A-Persönlichkeiten, die immer unter „Dampf“ stehen und häufiger unter Bluthochdruck leiden. Wer viele Überstunden leistet, hat auch weniger Zeit, sich um gesunde Ernährung, ausgleichende Bewegung und regelmäßige Arztbesuche zu kümmern, und leidet häufiger an Schlafmangel, Angststörungen und Depressionen.“
Publikation: : M. Virtanen et al. Overtime work and incident coronary heart disease: the Whitehall II prospective cohort study. Eur Heart J. Published online May 11, 2010








