Nach dem Herzinfarkt
Wie soll ich mich als Angehöriger verhalten?
Ein Herzinfarkt lässt nicht nur die Welt des Betroffenen ins Wanken geraten: Auch für die Angehörigen ist das Ereignis belastend. Sie reagieren unsicher, müssen sich an die oft veränderte Lebenssituation gewöhnen und lernen, wie sie Vater oder Mutter oder den Lebenspartner nach dem Infarkt am besten unterstützen können. Allzu viel Fürsorglichkeit ist dabei wenig sinnvoll.
Unter einem Herzinfarkt leidet nicht nur der Patient: Der Infarkt wirkt sich auch auf dessen Familie und auf seine Freunde aus. Denn nicht selten verändert ein derart einschneidendes Ereignis den betreffenden Menschen. Dessen möglicherweise ungewohnte Verhaltensweisen aber können unter Umständen den Umgang mit ihm erschweren. Außerdem sind Familienangehörige wie auch Freunde und Bekannte oft unsicher, wie viel sie dem Betroffenen zumuten können. Das wiederum kann zur Folge haben, dass es zu einer überstarken Fürsorglichkeit kommt, die dem betreffenden Patienten nach dem Infarkt nicht gut tut. Sie kann ihn sogar bremsen, wieder ein aktives selbstbestimmtes Leben aufzunehmen, wie es für seine vollständige Genesung wichtig wäre.
„Über-Fürsorge“ vermeiden
Hinzu kommt, dass viele Patienten nach einem Herzinfarkt zwar wieder ihr früheres körperliches Leistungsniveau erreichen, dass sich bei ihnen als Folge des Infarktes aber Phasen von Selbstzweifeln und Depressionen einstellen. Das erschwert die Situation für alle Beteiligten. Angehörige versuchen dann oft, das betroffene Familienmitglied aufzumuntern oder ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen und zu erfüllen. Das aber drängt den Herzinfarkt-Patienten in eine passive Rolle, die weder ihm noch den Angehörigen gut tut.
Außerdem empfindet der Infarktpatient die übermäßige Fürsorge seiner Umgebung oft als negativ. Denn unangebrachte Schonung führt nicht selten zu dem Gefühl, nicht mehr leistungsfähig zu sein. Das kann soweit gehen, dass der Herzinfarkt-Patient zunehmend von Selbstzweifeln geplagt wird, sich nicht mehr als wertvolles Mitglied der Gesellschaft fühlt und sich mehr und mehr sozial isoliert.
Aufgaben in der Familie übernehmen
Besonders gravierend ist die Situation, wenn Infarktpatienten infolge der Herzerkrankung ihren ursprünglichen Beruf nicht mehr ausüben können und/oder nach dem Infarkt berentet werden. Sie fallen durch den Wegfall der Berufstätigkeit und den damit vorgegebenen Lebensrhythmus nicht selten in ein regelrechtes Loch. Denn sie haben ihre gewohnten Aufgaben verloren und in aller Regel noch keine neuen Aufgaben übernommen.
Neue Aufgaben im Haushalt, bei der Gartenarbeit oder auch ein neues Hobby können dann helfen, die entstandene Leere zu überwinden und dem Leben einen neuen Sinn zu geben. Bei diesem Prozess, neue Aufgaben im Leben zu finden, können Angehörige und Freunde den Infarktpatienten aktiv unterstützen.
Umfassende Informationen helfen auch den Angehörigen
Zudem hilft es der Familie und den Freunden von Infarktpatienten, wenn sie sich umfassend über die zugrunde liegende Koronare Herzkrankheit informieren. Dann verstehen sie die mit der Erkrankung verbundenen Probleme besser und verlieren ihre Unsicherheit im Umgang mit ihrem erkrankten Familienmitglied.
Sie können dann auch eher ermessen, warum die meist vom Arzt angeratene Umstellung der Lebensweise für den Betreffenden nach dem Infarkt wichtig ist. Warum er liebgewordene Gewohnheiten aufgeben muss und sich eine gesündere Lebensweise aneignen soll. Darin können die Angehörigen den Infarktpatienten unterstützen und so nebenbei auch Gutes für die eigene Gesundheit tun.
Sinnvoll: Ein Erste-Hilfe-Kurs
Nicht selten werden Familienmitglieder von Menschen, die einen Herzinfarkt hinter sich haben, aber auch selbst von Ängsten geplagt. Sie sorgen sich, dass sich ein derart bedrohliches Erlebnis erneut ereignen könnte und fühlen sich hilflos, weil sie nicht wissen, wie sie sich in einer solchen Situation verhalten sollen und wie sie helfen können.
Generell sollten Angehörige von Herzpatienten stets die Nummer der Rettungsleitstelle, also die 112 als Notrufnummer im Kopf haben. Sie sollten außerdem in der Lage sein, im Falle eines Falles aktiv helfen zu können. Dazu gehört, dass man weiß, wie Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen sind. Das lernt man unter anderem in einem „Erste-Hilfe-Kurs“. In solchen Kursen wird generell vermittelt, welche Maßnahmen im Notfall angezeigt und sinnvoll sind. Erste-Hilfe-Kurse können bei verschiedenen Organisationen wie etwa dem Deutschen Roten Kreuz, dem Malteser-Hilfsdienst und den Johannitern belegt werden. Sie tragen nicht nur zur eigenen Beruhigung und zu mehr Sicherheit im Umgang mit dem erkrankten Familienangehörigen bei, sondern sind ganz allgemein hilfreich, wenn es zum Beispiel im Alltag und speziell auch im Straßenverkehr zu einem Unfall kommen sollte.
Keinen Sinn macht es aktuellen Erhebungen zufolge, einen Heim-Defibrillator anzuschaffen, also ein Gerät, mit dem sich im Falle eines Herzstillstandes der Herzschlag wieder stimulieren lässt. Es ist schwierig, in der Aufregung der Notfallsituation solche Geräte richtig einzusetzen, zumal die Anwendung ohne genaue Einweisung der Angehörigen sinnlos ist. Die Geräte verursachen nicht unerhebliche Kosten, vermitteln aber lediglich eine „gefühlte Sicherheit“ und werden zudem in aller Regel nie zum Einsatz kommen.
Dr. H. Gross, Kardialer Risikopatient: Braucht er zu Hause einen Defibrillator?, MMW-Fortschr.Med. 2008, 20, 6-7








