Frau mit Kaffee und Zucker

Diabetes im Alltag

Wie können Folgeerkrankungen verhindert werden?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- und Netzhautschäden sowie Nervenleiden: Das sind nur einige Folgen von Diabetes mellitus. Doch Diabetiker sind einem solchen Schicksal nicht hoffnungslos ausgeliefert.

Diabetes mellitus ist eine heimtückische Erkrankung. Sie wirkt sich nicht nur unmittelbar auf die Befindlichkeit der Betroffenen aus, sondern kann langfristig gefährliche Folgen nach sich ziehen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, periphere arterielle Verschlusskrankheit ("Schaufensterkrankheit") und Schlaganfall, Nierenversagen, Netzhautschäden mit Sehstörungen bis hin zur Erblindung sowie Geschwüre an den Füßen sind daher unter Diabetikern keine Seltenheit.

Doch Zuckerkranke sind, wie man heute weiß, einem solchen Schicksal nicht hilflos ausgeliefert. Akzeptieren sie ihre Erkrankung und setzen sie sich aktiv damit auseinander, können sie den Folgen des Diabetes vorbeugen. Eine gute Einstellung des Blutzuckers ist dabei das A und O. Außerdem hilft es, die Lebensführung der Krankheit anzupassen, allerdings ohne diese zum alleinigen Lebensmittelpunkt zu machen.

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Medikamente bzw. Insulin nicht vergessen

Viele Diabetiker müssen, um den Blutzucker niedrig zu halten, blutzuckersenkende Medikamente einnehmen oder Insulin spritzen. Um die Einnahme der Medikamente nicht zu vergessen, hilft es, sie jeweils für einen ganzen Tag oder sogar eine ganze Woche im Voraus bereitzustellen und anschließend an einem gut sichtbaren Ort (z.B. in der Nähe des Esstisches) aufzubewahren. Dafür gibt es spezielle Medikamentenbehälter, die ein solches Vorgehen erleichtern. Leben Kinder im Haushalt, ist natürlich darauf zu achten, dass diese nicht unbeaufsichtigt an die Medikamente gelangen können.

Den Zucker regelmäßig kontrollieren

Regelmäßige Blutzuckerkontrollen, die die Betroffenen nach entsprechender Einweisung selbst vornehmen können, helfen, Blutzuckerschwankungen zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln. Auch Diabetikern, die kein Insulin spritzen, wird das Messen des Blutzuckers empfohlen. Eine Untersuchung wies nach, dass Zuckerkranke, die ihren Blutzucker regelmäßig kontrollieren, länger leben als diejenigen, die ihn nicht messen - und zwar unabhängig davon, ob sie Insulin spritzen oder nicht.

Zudem empfiehlt es sich, Buch über die Blutzuckermessungen zu führen. Beim nächsten Arzttermin können Sie dann Ihrem Hausarzt oder Diabetesspezialisten den Verlauf der Zuckerwerte im Zusammenhang mit der Therapie (Medikamente oder Insulin) vorstellen. So können Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt über eventuell notwendige Umstellungen der Behandlung entscheiden.

Eine gesunde Ernährung sorgt für ausgeglichenen Zucker

Neben der Behandlung mit Tabletten oder Insulin kann der Blutzucker durch eine ausgewogene Ernährung in Schach gehalten werden. Die moderne Diabetes- Ernährung unterscheidet sich kaum von der Ernährung des Gesunden - eine spezielle "Diabeteskost" ist nicht notwendig. Eine wichtige Empfehlung allerdings lautet: Die Kalorienzufuhr sollte nur so hoch sein, dass ein normales Körpergewicht erreicht bzw. gehalten wird. Übergewicht setzt zum einen die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin herab und birgt zum anderen selbst eine Gefahr für die Entstehung verschiedener Krankheiten, darunter Herz- Kreislauf- Erkrankungen und Krebs.

Auf Kohlenhydrate müssen Diabetiker nicht vollständig verzichten. Der Anteil an Kohlenhydraten in der Nahrung darf im Prinzip genauso hoch sein wie bei Gesunden (etwa 55 Prozent). Allerdings sollten die Kohlenhydrate möglichst nicht mit einer einzigen Mahlzeit aufgenommen, sondern auf mehrere Essenszeiten über den Tag hinweg verteilt werden. Bei Typ-2-Diabetikern reicht dann die noch geringe Restproduktion von körpereigenem Insulin oftmals aus, um die Kohlenhydrate zu verstoffwechseln. Besonders günstig sind Vollkornprodukte, die den Blutzucker nur langsam ansteigen lassen und außerdem viele Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien enthalten.

Viel Bewegung ist gut für Körper und Seele

Körperliche Bewegung fördert das körperliche und seelische Wohlbefinden. Sie hilft Übergewicht abzubauen oder zu vermeiden, kräftigt die Muskulatur und verbessert die allgemeine Fitness. Darüber hinaus steigert aktive Muskelarbeit bei Typ-2-Diabetikern die Effektivität von Insulin im Körper und senkt dadurch den Blutzucker.

Günstig sind Ausdauersportarten, bei denen möglichst viele Muskelgruppen über einen längeren Zeitraum gleichmäßig beansprucht werden, z.B. Nordic Walking, schnelles Gehen, Joggen, Skiwandern, Schwimmen oder Radfahren. Untrainierten wird empfohlen, mit höchstens 10 Minuten pro Tag das Training zu beginnen und die Aktivität langsam auf 30-60 Minuten 3- bis 4-mal pro Woche zu steigern. Als Faustregel gilt: Der Puls sollte während der Betätigung unter normalen Umständen den Wert "180 Schläge pro Minute minus Lebensalter" nicht überschreiten. Diabetiker, bei denen Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt sind, beraten sich am besten mit ihrem Arzt darüber, welche sportlichen Aktivitäten für sie am günstigsten sind. Diabetiker, die Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe einnehmen, sollten vor, während und nach dem Sport den Blutzucker kontrollieren.

Ansonsten können auch Alltagsaktivitäten gesteigert werden: Nutzen Sie dazu jede Möglichkeit, z.B. Treppensteigen statt Rolltreppe oder Fahrstuhl oder auch Gartenarbeit.


Quelle: Praxisleitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft e.V.; Deutsches Ernährungsberatungs- und -informationsnetz (DEBInet); Martin, S. et al.: Self-monitoring of blood glucose in type 2 diabetes and long-term outcome: an epidemiological cohort study. Diabetologia 2006, 49(2):271-278
Autor: Kathrin Sommer
Stand: Dec 10, 2008


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