Herz-Kreislauferkrankungen

Nach dem Herzinfarkt – wie weiterleben?

Ein Herzinfarkt ist ein einschneidendes Erlebnis. Es macht bewusst, dass das Leben endlich ist. Wie aber soll man nach dem Infarkt weiterleben? Die Herzerkrankung muss mit Medikamenten weiterbehandelt werden. Darüber hinaus sollten die Prinzipien einer gesunden Lebensführung - mit Abspecken, gesunder Ernährung, sportlicher Aktivität und Verzicht auf das Rauchen - nun mehr denn je beherzigt werden.

Der Herzinfarkt ist überstanden und es besteht keine Lebensgefahr mehr: Viele Betroffene fühlen sich in dieser Situation unsicher. Sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen, wie stark sie sich wieder belasten können, was erlaubt ist und was nicht. Sie haben Angst, dass sich das bedrohliche Ereignis noch einmal ereignen könnte. Sinnvoll ist daher eine rasche Rehabilitation in einer spezialisierten Reha-Einrichtung. Dort erhält der Infarktpatient wichtige Informationen zu seiner Erkrankung. Er wird hinsichtlich der möglicherweise bestehenden Einschränkungen bei der Lebensführung beraten und erhält Tipps für die Krankheitsbewältigung.

Die Sorge, wie es weitergeht, ist nicht ganz unberechtigt. Denn dem Herzinfarkt liegt ein akuter Gefäßverschluss zugrunde liegt, der seine Ursachen in einer Gefäßverkalkung und einer koronaren Herzerkrankung hat. Auch wenn der Herzinfarkt adäquat behandelt wurde, bleibt die zugrunde liegende Erkrankung jedoch bestehen. Sie muss behandelt werden und das nicht zuletzt, damit ein solches bedrohliches Ereignis nicht wieder auftritt.

Medikamente zum Schutz von Herz und Gefäßen

Patienten, die einen Herzinfarkt überstanden haben, sind daher anschließend dauerhaft auf Medikamente angewiesen. Sie sollten auf jeden Fall einen Betablocker erhalten und einen Wirkstoff, der der Bildung von Blutgerinnseln entgegen wirkt (Thrombozytenaggregationshemmer) sowie ein Statin zur Senkung der Blutfette. Die Medikamente sind notwendig, um die Pumpleistung des Herzens zu verbessern, den Blutdruck und die Blutfettwerte zu normalisieren und zu verhindern, dass sich Blutgerinnsel bilden. In Studien wurde dabei dokumentiert, dass die genannten Wirkstoffe eindeutig das Sterblichkeitsrisiko von Menschen nach einem Herzinfarkt senken.

Noch im Krankenhaus werden die meisten Patienten auf die Medikamente eingestellt. Diese sollen die Gefahr eines erneuten Infarktes bannen, Beschwerden, wie sie ansonsten infolge der KHK auftreten können wie zum Beispiel Herzschmerzen, verhindern und sie sollen die körperliche Belastbarkeit und damit auch die Lebensqualität der Patienten wieder bessern.

Rehabilitation nach der akuten Phase

Ist die akute Phase eines Herzinfarkts überstanden, schließt sich meist eine dreiwöchige Anschlussheilbehandlung zur Rehabilitation an. Diese sogenannte Reha-Maßnahme wird in einer Rehabilitationsklinik vollstationär, tagesstationär oder ambulant durchgeführt. Sie gibt dem Patienten eine gute Gelegenheit, sich mit der Krankheit und ihren Folgen auseinanderzusetzen.

Gemeinsam mit erfahrenen Ärzten und Therapeuten lernen die Betroffenen, ihr individuelles Risikoprofil zu überdenken. Und sie erarbeiten Strategien, mit deren Hilfe das Risiko eines erneuten Herzinfarktes gesenkt werden kann. Dazu gehört zum einen die zuverlässige Einnahme der verordneten Medikamente, was nicht allen Menschen leicht fällt. So mancher muss vielmehr erst lernen zu akzeptieren, dass er aufgrund seiner Erkrankung künftig auf das Einnehmen von Arzneimitteln angewiesen ist.

Ärzte und Therapeuten beraten außerdem hinsichtlich der notwendigen Lebensstiländerung und helfen dem Patienten bei der Umstellung der Ernährung. Sie motivieren zu körperlicher Aktivität und empfehlen in aller Regel die Teilnahme an Bewegungsprogrammen und/oder an speziellen Koronar-Sportgruppen.

Die körperliche und seelische Balance wiederfinden

Auch Kurse zum Erlernen von Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Yoga sowie eine gezielte psychotherapeutische Betreuung gehören meist zum Rehabilitations-Programm. Sie sollen den Patienten Wege zur besseren Verarbeitung von Stresssituationen in Beruf und Privatleben aufzeigen.

Sie tragen zudem dazu bei, übertriebene Sorgen und Ängste nach dem Infarkt abzubauen und wieder mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen in den eigenen Körper zu entwickeln. Das ist eine wesentliche Grundlage dafür, dass nach einem Herzinfarkt wieder ein selbstbestimmtes, erfülltes und aktives Leben geführt werden kann. Eine wiedergefundene körperliche und seelische Balance trägt ihrerseits dazu bei, die Gefahr eines erneuten Infarktes zu bannen.

Nach den Reha-Maßnahmen übernimmt in aller Regel der Hausarzt die weitere gesundheitliche Betreuung mit regelmäßigen Blutdruck- und EKG-Kontrollen. Er wird langfristig die individuellen Risikofaktoren überwachen. Außerdem wird er gemeinsam mit dem Patienten versuchen, durch eine gezielte Behandlung wie etwa eine Blutdrucksenkung das Risiko für Herz und Gefäße zu minimieren. Er wird den Patienten zudem motivieren, durch allgemeine Maßnahmen wie zum Beispiel das Abspecken und das wieder Erreichen eines normalen Körpergewichtes, aktiv dazu beizutragen, dieses Ziel zu realisieren.

Selbsthilfegruppen bieten dauerhaft Unterstützung

Allerdings lassen sich lieb gewordene Lebensgewohnheiten nur schwer von einem Tag auf den anderen ändern. Unterstützung finden Betroffene bei Selbsthilfegruppen. In solchen Gruppen können sich Menschen nach einem Herzinfarkt über ihre Probleme und Ängste im Zusammenhang mit dem Ereignis und der zugrunde liegenden Krankheit austauschen. Sie können sich gegenseitig bei der Krankheitsverarbeitung helfen und zu einer allgemein gesünderen Lebensweise motivieren.


Quelle: Nationale Versorgungsleitlinie Chronische KHK, www.awmf.org/leitlinien-suche (Registrierungsnummer nvl-004), Patientenleitlinie Version 1.10, Dezember 2010
Autor: Springer Medizin / Letzte Überarbeitung: Redaktion SpringerGesundheit
Stand: Dec 28, 2010


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