
Fragwürdig
Herzkatheter bei Herzinfarkt?
In den USA werden invasive Methoden zur Behandlung eines akuten Herzmuskelinfarkts häufig bei Patienten angewendet, die wenig davon profitieren. Das ist das Ergebnis einer großen auf Patientendaten gestützten Studie.
Verschiedenen Studien zufolge profitieren von invasiven Maßnahmen wie dem Herzkatheter beim akuten Herzmuskelinfarkt vermutlich überwiegend Patienten, die älter sind oder als Hochrisiko-Patienten gelten. Im Klinikalltag kommen diese Methoden jedoch vor allem bei jüngeren Patienten mit geringem Risiko zum Einsatz. Außerdem spielen bei der Wahl der Methode offenbar diverse Faktoren eine Rolle, die nichts mit der Schwere des Infarkts zu tun haben.
Um diese Zusammenhänge besser beurteilen zu können, hat eine Arbeitsgruppe aus den USA eine Studie des Cooperative Cardiovascular Project (CCP) ausgewertet. Diese umfasste die Daten von 158.831 Patienten, die von 1994 bis 1995 landesweit erstmalig mit akutem Herzmuskelinfarkt in eine Klinik eingewiesen worden waren. Anhand einer Verknüpfung mit den "Medicare health administratives files" konnten die Betroffenen bis zu sieben Jahre (durchschnittlich 3,6 Jahre) nachbeobachtet werden.
Die Schweregrade der Herzmuskelinfarkte war in den unterschiedlichen Regionen vergleichbar. In allen Gebieten erhielten dabei die jüngeren und gesünderen Patienten eine intensivere invasive und medikamentöse Behandlung als die älteren Hochrisiko-Patienten. Zudem wurden in Regionen, in denen es mehr Katheterlabore gab, auch häufiger invasive Maßnahmen durchgeführt. Jedoch konnte in diesen Gebieten eine Verbesserung des Überlebens aufgrund einer intensiveren invasiven Therapie nicht festgestellt werden.eine Verbesserung der Überlebens nicht festgestellt werden.
Die Autoren warnen bei akutem Herzinfarkt vor dem routinemäßigen Einsatz von invasiven Methoden, weil für den Großteil der Patienten kostengünstigere Alternativen zur Verfügung stehen und der Zusatznutzen daher gering sein kann. Für die mangelnde Verlängerung des Überlebens durch invasive Methoden bei intensiver medikamentöser Behandlung im klinischen Alltag führen sie folgende Begründungen an: Einerseits ist die Umsetzung der Maßnahmen außerhalb von klinischen Studien womöglich nicht immer optimal. Und andererseits wird ihr positiver Effekt eventuell verdünnt, weil sie im Alltag auch bei vielen Patienten angewendet werden, die offensichtlich weniger profitieren. Die Autoren fordern daher den evidenzbasierten Einsatz der kostengünstigeren medikamentösen Therapie und die Überprüfung von Langzeiteffekten der invasiveren Methoden.










