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Herz-Kreislauferkrankungen

Risikofaktoren sind nach wie vor weit verbreitet

Die Gesundheit der Deutschen hat sich in den vergangenen Jahren insgesamt verbessert. Laut dem letzten Gesundheitsbericht des Bundes im Jahre 2006 liegt die Lebenserwartung von Frauen derzeit in Deutschland bei 81,6 und von Männern bei 76 Jahren. Sie könnte wohl noch deutlich höher sein, wenn nicht die Risikofaktoren für Herz- und Kreislauferkrankungen nach wie vor weit verbreitet wären.

Die Lebenserwartung steigt entsprechend der vorliegenden Daten stetig weiter an. So hat sich die durchschnittliche Lebensspanne bei Frauen seit 1990 um durchschnittlich 2,8 und bei Männern um 3,8 Jahre verlängert. Auch das Gesundheitsbewusstsein ist stärker geworden, wobei drei Viertel der über 18-jährigen Frauen und Männer ihren eigenen Gesundheitszustand als gut bezeichnen.

Und dennoch: Die Deutschen rauchen zuviel, sind zu dick, bewegen sich zu wenig und trinken zu viel Alkohol - so das Fazit des Gesundheitsberichts "Gesundheit in Deutschland", den das Robert-Koch-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit erstellt hat. Zigarettenkonsum, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie Bluthochdruck, Störungen des Fettstoffwechsels und Diabetes mellitus aber begünstigen das Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen.

Verbesserte Ernährungsgewohnheiten

In mancher Hinsicht besser geworden sind entsprechend dem Gesundheitsbericht die Ernährungsgewohnheiten der Deutschen. So werden deutlich mehr Obst und Gemüse verzehrt und die Kost ist insgesamt ballaststoff- und kohlenhydratreicher geworden als Ende der 1980er Jahre. Frauen ernähren sich dabei im Schnitt etwas gesünder als Männer. Allerdings ist, so der Bericht, auch der Verbrauch von Fertigprodukten, Fast Food und Nahrungsergänzungsmitteln gestiegen.

Der gesünderen Ernährung steht zudem ein Defizit in puncto körperlicher Aktivität entgegen. Zwar ist bei einem Teil der Bevölkerung eine Steigerung des Aktivitätsniveaus zu beobachten, trotzdem bewegen sich viele Menschen hierzulande in ihrem Alltag zu wenig. Das ist laut Gesundheitsbericht zum einen auf sitzende Tätigkeiten und eine veränderte Freizeitgestaltung mit starker Nutzung der Massenmedien zurückzuführen. Auf Befragen geben dabei 56 Prozent der Frauen und 59 Prozent der Männer an, sportlich aktiv zu sein. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch, dass mehr als 40 Prozent der Bundesbürger sportlich inaktiv sind.

Übergewicht - der Bauchumfang nimmt stetig zu

Zu einem im wahrsten Sinne des Wortes zunehmenden Gesundheitsproblem haben sich in den vergangenen Jahren Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) entwickelt. Den aktuellen Erhebungen zufolge sind derzeit in Deutschland 66 Prozent der Männer und 55,6 Prozent der Frauen übergewichtig, jeder fünfte Bundesbürger (20,5 Prozent der Männer, 21,2 Prozent der Frauen) ist fettleibig (adipös, Body-Mass-Index über 30 kg/m2).

Der Anteil an übergewichtigen und adipösen Personen nimmt bei Männern und Frauen mit dem Alter zu: Während von den jungen Erwachsenen etwa ein Viertel übergewichtig oder adipös sind, steigt der Anteil im Alter von 70-80 Jahren auf 84,2 Prozent bei den Männern und 74,1 Prozent bei den Frauen.

Risikofaktoren par excellence: Hochdruck, Cholesterin und Co.

Bedenklich ist vor allem der hohe Anteil von Menschen mit Bluthochdruck (Hypertonie) hierzulande. So liegen die durchschnittlichen Blutdruckwerte in der Altersgruppe der 35- bis 64-Jährigen bei 55 Prozent der Deutschen bei über 140/90 mm Hg und damit über der Grenze des Normalwertes. Die Häufigkeit der Hypertonie ist in Deutschland damit doppelt so hoch wie in Kanada und den USA. Der Bluthochdruck aber gilt als der Hauptrisikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Er war in Deutschland im Jahr 2002 für rund 26 Prozent der Todesfälle mit verantwortlich. Dies dürfte nicht zuletzt auch daran liegen, dass lediglich 26 Prozent der Hypertonie-Patienten behandelt werden und nur bei 8 Prozent eine gute Blutdruckkontrolle realisiert wird.

Als zusätzliche Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen gelten neben dem Bluthochdruck die Fettstoffwechselstörungen und der Diabetes mellitus. Zu hohe Blutfettwerte weisen dabei nach eigenen Angaben 28 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer auf, wobei der Anteil mit zunehmendem Alter ansteigt und das auf etwa 50 Prozent jenseits des 60sten Lebensjahres.

Auch bei der Häufigkeit des Diabetes mellitus zeigt sich schon seit Jahren eine zunehmende Tendenz, wobei derzeit von einer Häufigkeit von rund acht bis neun Prozent in der Bevölkerung auszugehen ist.

Rauchen bleibt nach wie vor ein wichtiges Gesundheitsthema

Einen günstigen Trend sehen die Wissenschaftler zumindest partiell beim Nikotinkonsum, der in den vergangenen Jahren rückläufig ist. Demnach rauchen derzeit rund 32,5 Prozent der deutschen Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren, 33,9 Prozent der Männer und 26,1 Prozent der Frauen. Zurückgegangen ist vor allem der Anteil der Raucher bei den jungen Erwachsenen und zwar von 46,2 auf 37,9 Prozent bei den 18- bis 29-jährigen Frauen und von 54,5 auf 43,2 Prozent bei den 18- bis 29-jährigen Männern.


Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, www.gbe-bund.de, Gesundheitsbericht 2006
Robert-Koch-Institut, www.rki.de , Gesundheitsberichterstattung und Epidemiologie / Auswertungsergebnisse Gesundheitsverhalten
Robert-Koch-Institut, Gesundheit in Deutschland aktuell 2009, http://www.rki.de/cln_169/nn_205770/DE/Content/GBE/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/GEDA09,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/GEDA09.pdf
Nationale Verzehrsstudie II, Bundesministerium für Gesundheit, www.was-esse-ich.de
Bundesgesundheitssurvey, www.gbe-bund.de.
Prugger C. „Epidemiologie der Hypertonie in Deutschland und weltweit“, Herz 2006; 31: 287-293
Autor: Christine Vetter
Stand: Jan 14, 2011


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