Periphere arterielle Verschlusskrankheit
Wenn das Gehen zunehmend schmerzt
Die Symptome entwickeln sich langsam schleichend: Kalte Beine, Schmerzen beim Gehen - das sind die ersten Zeichen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz PAVK. Grundlage der Erkrankung, die im fortgeschrittenen Stadium in der sogenannten „Schaufensterkrankheit“ und im „Raucherbein“ mündet, sind Durchblutungsstörungen in den Beinen infolge von Gefäßveränderungen.
Das Frühstadium der Erkrankung verläuft meist von den Betroffenen unbemerkt. Obwohl sich die Blutgefäße in den Extremitäten - vor allem in den Beinen - und auch anderen Körperregionen verändern und die Durchblutung dadurch eingeschränkt wird, macht das zunächst keine Beschwerden. Diese entwickeln sich erst nach und nach, wenn die Gefäßveränderungen weiter zunehmen. Dann treten zunächst bei längerem Gehen und schließlich bei immer kürzer werdenden Gehstrecken Schmerzen in den Waden auf. Die Mediziner sprechen dann auch von einer Claudicatio intermittens.
Die Schmerzen entstehen, weil die Beinmuskeln unter Belastung, also wenn sie aktiv arbeiten, mehr Sauerstoff brauchen als in Ruhe. Sie müssen dann besser durchblutet werden. Klappt die Durchblutung nicht richtig, so kommt es zum Sauerstoffmangel in den Muskeln, was sich schmerzhaft bemerkbar macht. Die Betroffenen bleiben dann üblicherweise stehen, bis der Schmerz nachlässt. Denn die Muskulatur ist beim Stehen weniger aktiv als beim Gehen und braucht folglich weniger Sauerstoff. In der kurzen Verschnaufpause kann dieser quasi nachgeliefert werden. Die PAVK wird deshalb im Volksmund oft auch als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet. Denn die Betroffenen bleiben gerne vor Schaufenstern stehen und tun so, als würden sie die Auslagen betrachten. So kaschieren sie, dass sie mit dem Weitergehen warten müssen, bis der Schmerz nachlässt.
Nicht nur die Beine sind betroffen
Menschen mit PAVK weisen aber meist nicht nur in den Blutgefäßen der Beine Verkalkungen auf, die zu Durchblutungsstörungen führen. Die Verkalkungen, der Mediziner spricht von einer Arteriosklerose, bestehen in aller Regel auch in anderen Blutgefäßen - zum Beispiel in den Herzkranzgefäßen. Menschen mit PAVK gelten deshalb in der Medizin als Hochrisikopatienten für Herz-Kreislauferkrankungen bis hin zum Herzinfarkt. Auch das Risiko eines Schlaganfalls ist bei Menschen mit PAVK deutlich erhöht. Sind die Beckenarterien betroffen, so stellen sich bei Männern zudem oft Erektionsstörungen ein.
Krankheit wird lange negiert
Trotz der Schmerzen beim Gehen und den immer kürzer werdenden Strecken, die ohne Schmerzen zurückgelegt werden können (schmerzfreie Gehstrecke), suchen viele Betroffene mit ihren Beschwerden nicht den Arzt auf. Sie nehmen die PAVK als Krankheit nicht richtig ernst. Selbst Ärzte unterschätzen nicht selten die Bedeutung der Gefäßveränderung. Dabei sind PAVK-Patienten infolge eines auch erhöhten Schlaganfallrisikos noch stärker gefährdet als Patienten mit einer Koronaren Herzerkrankung. Dennoch werden sie oft weniger konsequent behandelt.
Risikofaktor Rauchen
Die Behandlung der PAVK ruht auf mehreren Säulen. Wichtig ist ein Abbau der Risikofaktoren, allen voran der Verzicht auf das Rauchen. Denn rund 90 Prozent der Patienten sind Raucher oder ehemalige Raucher, weshalb oft auch von einem „Raucherbein“ die Rede ist. Wichtig sind ferner eine Gewichtsreduktion, wenn Übergewicht besteht und ein gezieltes Gehtraining, um die Durchblutung insgesamt zu verbessern. Außerdem müssen weitere Erkrankungen, die Herz und Gefäße belasten, wie ein Bluthochdruck und ein Diabetes mellitus konsequent behandelt werden.
Eine zweite Säule der Behandlung ist die allgemeine medikamentöse Therapie. Es werden insbesondere Medikamente verordnet, die das Verklumpen der Blutplättchen verhindern sollen (Thrombozytenaggregationshemmer) und so der Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) und einem akuten Gefäßverschluss vorbeugen. Der bekannteste Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ist die Acetylsalicylsäure (ASS). Als Alternative gibt es ferner den Wirkstoff Clopidogrel. Besteht die Gefahr, dass sich Gerinnsel im Herzen bilden, so müssen in aller Regel direkte Gerinnungshemmer (Antikoagulantien) eingenommen werden.
Patienten mit PAVK erhalten außerdem Medikamente, die den Blutfluss in den Gefäßen verbessern sollen. Welcher Wirkstoff dabei zum Einsatz kommt, hängt vom Krankheitsstadium ab. Behandelt wird üblicherweise mit den Wirkstoffen Pentoxyfillin oder Naftidrofuryl und bei fortgeschrittener Erkrankung auch mit Alprostadil oder Iloprost, zwei Wirkstoffen, die sich von den körpereigenen Prostaglandinen ableiten und die Durchblutung in den Extremitäten fördern.
Beim akuten Verschluss: Den Blutfluss möglichst wieder herstellen
Kommt es beim Fortschreiten der PAVK zu einem kompletten Gefäßverschluss in einer Beinarterie, so muss versucht werden, das betroffene Gefäß wieder zu eröffnen. Ein akuter Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) macht sich durch plötzlich auftretende, heftige Schmerzen und durch eine Blässe der Haut der kranken Extremität bemerkbar und lässt sich anhand des fehlenden Pulsschlags am Fußrücken oder in der Kniekehle erkennen.
Die Wiederherstellung der Durchblutung kann von innen aus dem betroffenen Gefäß heraus durch eine Aufweitung der Engestelle und eventuell das Einbringen einer kleinen Metallstütze (Stent) geschehen. Möglich ist es außerdem, das Blutgefäß durch einen gefäßchirurgischen Eingriff zu behandeln. Dabei werden sogenannte Bypässe gelegt, es wird quasi eine Umgehung des Blutkreislaufs an der verengten Gefäßstelle geschaffen.
Wann welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt letztlich von der individuellen Situation des Patienten ab, von der Art und Ausdehnung der Gefäßveränderung und auch von den eventuell vorliegenden Begleiterkrankungen. In sehr schweren Fällen, die anders nicht mehr behandelt werden können, droht den Patienten als quasi letzte Behandlungsmöglichkeit die Amputation des betroffenen Beines.
Vorbeugung ist wichtig: Das Gehen trainieren
Dem sollte rechtzeitig vorgebeugt werden, wobei neben dem Verzicht auf das Rauchen vor allem dem Gehtraining eine zentrale Bedeutung zukommt. Denn viel Bewegung hilft, die Gefäße zu schützen, steigert die Leistungsfähigkeit und senkt das Körpergewicht - drei gute Gründe, körperlich aktiv zu werden. Patienten mit PAVK können zudem ein Gehtraining absolvieren, das speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist. Dieses Training findet mehrmals pro Woche zum Beispiel im Rahmen einer speziellen Gefäßsportgruppe in einer Tagesklinik, Arztpraxis oder beim Physiotherapeuten statt. Kleine Patientengruppen trainieren dort unter Betreuung durch Krankengymnasten und/oder Ärzte. Auch selbstständiges Gehtraining auf dem Hometrainer oder an der frischen Luft ist möglich. Die Empfehlung lautet, drei- bis fünfmal pro Woche entweder dreimal 20 Minuten oder zweimal 30 Minuten rasch zu gehen, bis die ersten Schmerzen in der Wade einsetzen. Dann sollte das Gehen für etwa fünf Minuten unterbrochen und nach Abklingen der Beschwerden wieder aufgenommen werden. Das aber ist nur eine Faustregel. Letztlich muss das Training immer auf die individuelle Situation zugeschnitten werden.
Durch das Gehtraining kann die Bildung von Blutgefäßen in der Nähe der verengten Gefäßregion, den sogenannten Kollateralen angeregt werden, die wie ein Umgehungskreislauf das erkrankte Blutgefäß entlasten und die Sauerstoffversorgung in der betroffenen Region verbessern kann.
Sternitzky R „Kardio- und zerebrovaskuläres Risiko bei PAVK“, Clin Res cardiol 2007, Suppl 2: IV/22-IV/29
www.deutsche-gefaessliga.de / Krankheitsbilder / Schaufensterkrankheit / PAVK und Broschüre Gehtraining (Download vom 28.12.2010)








