
Zusatzmaßnahmen
Mehr Sport und weniger Stress für Herzgefäße
Wenn Patienten mit einer stabilen koronaren Herzkrankheit (KHK) nicht nur eine Standardtherapie erhalten, sondern zusätzlich an einem Bewegungs- oder Stressmanagement-Programm teilnehmen, können sie eine Reihe von Risikofaktoren für Herz und Kreislauf positiv beeinflussen.
Da die bekannten biologisch-medizinischen Risikofaktoren das Auftreten einer KHK nicht vollständig erklären, wird die Bedeutung von psychosozialen Faktoren inzwischen zunehmend anerkannt. Eine Reihe großer Studien konnte zwar keinen positiven Effekt von Stressmanagement auf das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die dadurch bedingte Sterblichkeit nachweisen, doch eine US-amerikanische Arbeitsgruppe begründet dies mit einem unzureichenden Ansprechen auf die therapeutischen Maßnahmen. Sie selbst konnte im Gegensatz dazu in einer Studie an 134 KHK-Patienten Hinweise auf den Nutzen von Bewegung und Stressmanagement finden.
An der Untersuchung nahmen Patienten mit stabiler KHK im durchschnittlichen Alter von 63 Jahren teil, die nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen aufgeteilt wurden. 42 Patienten erhielten eine Standardbehandlung mit medikamentöser Therapie und Besuchen beim behandelnden Kardiologen, wenn dies notwendig war. 48 Patienten nahmen zusätzlich über vier Monate an einem Bewegungsprogramm teil, das dreimal pro Woche stattfand und aus einem jeweils 35-minütigen Aerobic-Training bestand. Die übrigen 44 Teilnehmer gingen stattdessen über vier Monate jeweils 1,5 Stunden pro Woche in eine Stressmanagement-Gruppentherapie, in der sie Hintergründe über die KHK und ihre Risikofaktoren erfuhren, Maßnahmen zur Stressreduktion erlernten und soziale Unterstützung erhielten.
In den beiden letzteren Gruppen zeigte sich eine deutlichere Besserung von Depressionen und einer generell eingeschränkten seelischen Gesundheit als in der Standardtherapie-Gruppe. Feindseligkeiten und Ängste hingegen wurden nicht beeinflusst. Darüber hinaus wurde die Herzfunktion bei den Teilnehmern der letzteren beiden Gruppen durch psychische Stresstests sowie tendenziell auch durch körperliche Stresstests weniger beeinträchtigt. Bewegungsstörungen der Herzwand, unter denen einige Teilnehmer litten, zeigten mit den ergänzenden Therapien eine stärkere Besserung als unter alleiniger Standardtherapie mit Medikamenten.
Auch wenn die ersten Ergebnisse dieser Studie zunächst noch erhärtet werden müssen, zeigt sich doch eine positive Beeinflussung von Risikofaktoren. So sind beispielsweise Depressionen und eine generell eingeschränkte seelische Gesundheit verbunden mit einer schlechteren Prognose bei KHK-Patienten. Nach Ansicht der Wissenschaftler liefert die Studie auch Einblicke in mögliche Mechanismen, die dem positiven Effekt von Stressmanagement und Bewegungsprogrammen zu Grunde liegen könnten. Die Verbesserung der psychosozialen Funktionen führt ihrer Meinung nach z.B. zu einer Verbesserung der autonomen Kontrolle des Herzens. Diese gewährleistet durch fein abgestimmte Regelkreise die Anpassung der Herzleistung an aktuelle Bedürfnisse.










