Bluthochdruck, Fettstoffwechsel und vorbestehende Herzerkrankung
Die Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen macht auf vielen Ebenen Fortschritte
Herz-Kreislauferkrankungen sind die Todesursache Nummer 1 in den Industrienationen. Doch die Behandlung macht auf vielen Ebenen Fortschritte. Das gilt direkt für die Herz- und Gefäßerkrankungen, aber auch für Erkrankungen, die häufig begleitend vorliegen und zudem sogar als Risikofaktor für Herzerkrankungen fungieren wie den Diabetes, den Bluthochdruck und die Fettstoffwechselstörung.
Herzpatienten - und ebenso all jene, die nicht herzkrank werden möchten - sind gut beraten, wenn sie die Grundregeln einer gesunden Lebensführung beachten. Dazu gehört der Verzicht auf das Rauchen, eine gesunde Ernährung und ausreichend körperliche Aktivität sowie ein adäquates Stressmanagement.
Dabei muss man nicht gleich zum Vegetarier oder zum Sport-Freak werden. Aber es ist wichtig, sich abwechslungsreich und vollwertig zu ernähren und dabei auf eine vitamin- und ballaststoffreiche Kost zu achten. Bedeutsam ist ferner, dass man sein normales Körpergewicht beibehält und im Falle von Übergewicht konsequent versucht abzuspecken. Dabei hilft nicht zuletzt auch das Plus an körperlicher Aktivität. Auch hierbei muss man es nicht übertreiben. Es reicht in aller Regel, durchschnittlich täglich etwa eine halbe Stunde körperlich aktiv zu sein und das mit moderater Intensität. Außerdem sollte Bewegung in das Alltagsleben integriert werden, indem man sich angewöhnt, nicht alle kurzen Wege per Auto, sondern öfter einmal zu Fuß zu erledigen und regelmäßig der Treppe den Vorzug vor dem Aufzug zu geben. Wer herzkrank ist, kann seine Fitness zudem regelmäßig im Rahmen einer speziellen Herzsportgruppe trainieren.
Bluthochdruck konsequent behandeln
Großes Augenmerk sollte mit Blick auf potenzielle Herzerkrankungen auf die Behandlung von anderen Krankheiten, die das Risiko für Herzinfarkt und Herzschwäche (Herzinsuffizienz) verstärken, gelegt werden. Dazu gehört in erster Linie der Bluthochdruck, medizinisch als Hypertonie bezeichnet. Denn wenn das Herz stets quasi unter Volldampf arbeitet, werden Schädigungen an Herz und Gefäßen nicht ausbleiben.
Besonders wichtig ist eine konsequente Behandlung der Hypertonie, wenn bereits eine Herzerkrankung besteht. Denn mit dem Blutdruck steigt das Herz-Kreislaufrisiko und das insbesondere bei bereits vorbestehender Erkrankung. Neben allgemeinen Maßnahmen wie einer gesunden Lebensführung gibt es inzwischen zahlreiche verschiedene Medikamentengruppen, mit denen sich ein erhöhter Blutdruck auf Normalwerte senken lässt. Die Behandlung des Bluthochdrucks sollte sich dabei an der Gesamt-Risikosituation des Betreffenden richten. Sie sollte umso konsequenter sein, je mehr kardiovaskuläre Risikofaktoren vorliegen.
Fettstoffwechsel: LDL- und HDL-Cholesterin und auch die Triglyceride im Blick behalten
Dazu gehört unter anderem auch eine Störung des Fettstoffwechsels, die üblicherweise anhand von erhöhten Cholesterinwerten im Blut diagnostiziert wird. Der Mediziner spricht in einem solchen Fall von einer Dyslipidämie. Es können verschiedene Parameter des Lipidstoffwechsels betroffen sein. So steigt die Herzgefährdung, wenn der Cholesterinwert zu hoch ist, wenn zu viele Lipoproteine mit geringer Dichte (LDL-Cholesterin) im Blut kreisen und zu wenig Lipoproteine mit hoher Dichte (HDL-Cholesterin), die die Blutfette zur Leber transportieren, wo sie „entsorgt“ werden. Auch wenn zu viele freie Fettsäuren, sogenannte Triglyceride, gebildet werden, besteht Gefahr für Herz und Gefäße.
Ähnlich wie beim Bluthochdruck kann auch bei einem gestörten Fettstoffwechsel durch allgemeine Maßnahmen - in erster Linie durch eine adäquate fettarme und meist auch kalorienreduzierte Ernährung - Einfluss auf diesen Risikofaktor genommen werden. Reicht das nicht aus, so gibt es moderne Medikamente, die die Blutfettwerte weitgehend normalisieren helfen.
Typ 2-Diabetes auch mit Blick auf das Herz ernst nehmen
Besonders gefährlich in puncto Herzgesundheit ist ein Diabetes mellitus. Speziell bei der Diabetes-Behandlung aber hat es in jüngster Zeit deutliche Fortschritte gegeben. Sie betreffen die Früherkennung und auch die Behandlung des Diabetes, die dank neuer Medikamente stetig umfassender und zielgenauer geworden ist.
So standen in den 80iger Jahren des vergangenen Jahrtausends nur wenige Wirkstoffgruppen zur Reduktion des erhöhten Blutzuckers zur Verfügung. Inzwischen gibt es ein ganzes Arsenal an verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und zwar bei der Behandlung mit Antidiabetika in Tablettenform ebenso wie bei der Insulintherapie. Die Vielfalt der Therapieoptionen macht es möglich, die Behandlung maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der Patienten abzustimmen.
Ballondilatation, Stent-Implantation und Bypass: Herzerkrankungen sind besser behandelbar geworden
Doch nicht nur bei den Risikofaktoren für die Herz- und Gefäßgesundheit gibt es Fortschritte, auch bei der Behandlung bestehender Herzerkrankungen wie etwa einer Koronaren Herzerkrankung (KHK) hat es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erhebliche Neuerungen gegeben. So sind die Verfahren, mit denen sich verengte Blutgefäße wieder aufweiten lassen, insgesamt weiter entwickelt und damit auch deutlich schonender geworden. Sie können dadurch mehr Patienten zugute kommen. Das gilt für die Ballondilatation, bei der das Blutgefäß von innen aus aufgeweitet und eventuell mit einer Metallstütze (Stent) offengehalten wird ebenso wie für das Legen eines Bypasses, mit dem verschlossene Gefäße umgangen werden, wenn dies erforderlich ist.
Aber auch bei der Akutbehandlung zum Beispiel im Falle eines Herzinfarktes hat sich einiges getan: So gibt es in Deutschland inzwischen ein eng geknüpftes Netz an spezialisierten Herzzentren, sodass im Fall des Falles rasche und kompetente Hilfe möglich ist, was sich lebensrettend auswirken kann. In den Herzzentren stehen in aller Regel alle Möglichkeiten zur Verfügung, um rasch eine genaue Diagnose zu stellen und eine zielgerichtete Behandlung einzuleiten. Dadurch haben sich die Behandlungsmöglichkeiten bei häufigen Krankheitsbildern wie der KHK ebenso verbessert wie auch bei selteneren Herzerkrankungen, bei denen das Plus an Expertise meist rascher zur richtigen Diagnose und dann auch zur richtigen Behandlung führt.
Deutsche Hochdruckliga – Deutsche Hypertonie Gesellschaft, Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie, Stand 1. Juni 2008, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/046-001_S2_Behandlung_der_arteriellen_Hypertonie_06-2008_06-2013.pdf (Download vom 30.12.2010).
Seißler J, „Von strengen Vorschriften zum flexiblen Management“, MMW-Fortschr med 2008, 48: 100-102.
Erbel R, „Rolle der interventionellen Kardiologie in der Therapie der koronaren Herzerkrankung“, Herz 2002; 27: 471-480.








