Verengten Herzkranzgefäßen auf der Spur

Herzkatheter

Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung des Herzens und der Herzkranzgefäße, so kann eine Herzkatheteruntersuchung notwendig werden. Mithilfe des Verfahrens können die Herzkranzgefäße sichtbar gemacht werden und es zeigt sich, ob Verengungen vorliegen, die durch eine sogenannte Ballondilatation aufgeweitet werden müssen oder die eine Bypass-Operation erforderlich machen.

Die Herzkatheteruntersuchung
Beim Herzkatheter wird ein Kunststoffschlauch durch das Blutgefäßsystem bis ins Herz vorgeschoben.
Getty Images/Hemera

Ein Herzkatheter wird gelegt, wenn Schmerzen im Brustbereich, vor allem in Belastungssituationen, aber auch Luftnot bei körperlichen Anstrengungen auftreten, die auf einen Sauerstoffmangel des Herzens infolge einer Durchblutungsstörung hinweisen können. Oft ist eine Engstelle der Herzkranzgefäße die Ursache, also eine sogenannte koronare Herzerkrankung.

Den Patienten droht ein Gefäßverschluss und damit ein Herzinfarkt, wenn die Verengung nicht behoben oder durch eine Bypass-Operation quasi für eine „Umleitung“ des Blutflusses gesorgt wird.

Zuvor allerdings muss geklärt werden, ob tatsächlich eine Verengung - der Mediziner spricht von einer Stenose - im Bereich der Herzkranzgefäße vorliegt. Hierzu ordnet der behandelnde Arzt in aller Regel eine Herzkatheteruntersuchung, kurz Herzkatheter, medizinisch auch Koronarangiografie genannt, an.

Ablauf und Formen beim Herzkatheter legen

Die kleine OP dauert  etwa eine halbe bis zwei Stunden und wird in einem speziellen Untersuchungsraum, dem Herzkatheter-Labor  im Krankenhaus durchgeführt. Dieses ist neben den Operationsmaterialien auch mit einem Röntgengerät ausgestattet. Der Eingriff erfolgt ohne Narkose, man ist  also die ganze Zeit bei Bewusstsein.

Bei dem Eingriff wird ein dünner, flexibler Kunststoffschlauch, der Herzkatheter, unter örtlicher Betäubung entweder von der Leistenbeuge oder seltener vom Ellenbogen aus durch das Blutgefäßsystem bis ins Herz vorgeschoben.

Wird der Katheter über eine Vene ins Herz geführt, so dass er die rechte Herzkammer erreicht, so spricht man von einem Rechtsherzkatheter oder auch von einem kleinen Herzkatheter. Das Verfahren wird zum Beispiel gewählt, wenn es darum geht, die Herzschlagleistung zu bestimmen oder den Druck in der Lungenschlagader zu messen.

Deutlich häufiger erfolgt der Zugang über eine Arterie und der Herzkatheter wird über die Körperschlagader bis in die linke Herzkammer geschoben. Man spricht dann von einem Linksherzkatheter oder auch von einem großen Herzkatheter. Diese Untersuchung steht an, wenn die Herzkranzgefäße auf Verengungen hin untersucht werden sollen.

Kontrastmittel im Röntgenbild zeigen Verengungen

Der Arzt injiziert bei der Untersuchung üblicherweise unter Röntgenkontrolle ein Kontrastmittel in die das Herz versorgenden Arterien. Im Röntgenbild lässt sich auf einem Monitor anschließend verfolgen, wie sich das Kontrastmittel in den Arterien ausdehnt und ob es diese gleichmäßig ausfüllt oder ob es Unregelmäßigkeiten gibt. Vor allem Engstellen im untersuchten Gefäß lassen sich so direkt sichtbar machen. Werden sie erkannt, so können sie oft direkt schon während des Verfahrens mithilfe eines Ballons, der über den Katheter bis in die Engstelle des Herzkranzgefäßes geschoben und dort aufgepumpt wird, aufgeweitet werden.

Mit der Herzkatheter-OP lassen sich aber nicht nur Gefäßverengungen erkennen. Das Untersuchungsverfahren kann auch dazu dienen, die Herzkammern auszumessen, den Blutfluss im Herzen zu beurteilen und die Druckverhältnisse zu bestimmen. Außerdem lassen sich die Herzklappen betrachten, auf Verkalkungen prüfen und in ihrer Schließfähigkeit kontrollieren. Mithilfe des Herzkatheters kann zudem im Falle eines akuten Herzinfarktes versucht werden, durch einen notfallmäßigen Eingriff das durch das Blutgerinnsel (Thrombus) verschlossene Herzkranzgefäß unverzüglich wieder zu eröffnen.

Risiken der Herzkatheteruntersuchung

Anders als zum Beispiel bei einer Herzuntersuchung per EKG oder per Ultraschall kann es bei einer Herzkatheteruntersuchung auch zu Komplikationen bis hin zu einer Thrombose, einer Infektion oder sogar einem Gefäßverschluss, also einem Herzinfarkt kommen. Das passiert zwar nur selten, ist aber ein wesentlicher Grund dafür, dass die Untersuchung nur durchgeführt wird, wenn dies absolut notwendig erscheint.

Notwendige Voruntersuchungen

Vor dem Herzkatheter müssen außerdem eine Reihe von Voruntersuchungen wie zum Beispiel ein Belastungs-EKG und eine Echokardiographie absolviert werden, damit die Ärzte schon im Vorfeld möglichst gut über den Funktionszustand des Herzens informiert sind. Sie benötigen ferner Informationen über den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten und insbesondere darüber, ob andere chronische Erkrankungen vorliegen.

Die Patienten werden während der Untersuchung gut medizinisch überwacht und bleiben in aller Regel auch danach noch für eine gewisse Zeit in medizinischer Obhut.

Bei unauffälligem Befund und wenn keine Komplikationen auftreten, kann man die Klinik in der Regel am gleichen Tag wieder verlassen.

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Letzte Aktualisierung: 07. Januar 2016
Durch: es
Quellen: C. W. Hamm et al.: Diagnostische Herzkatheteruntersuchung, Clin Res Cardiol 97:475-512 (2008) Van Burren F. et al.: 24. Bericht über die Leistungszahlen der Herzkatheterlabore in der Bundesrepublik Deutschland, Kardiologe 2009, 3: 512-518, Springer Medizin Verlag 2009

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