
Tyrosinkinasehemmer
GIST punktgenau bekämpfen
Tyrosinkinasehemmer haben die Behandlung von GIST revolutioniert. Sie richten sich gezielt gegen die GIST-auslösenden Veränderungen in den Krebszellen.
Tyrosinkinasehemmer sind Wirkstoffe, die gezielt in den Stoffwechsel von Tumorzellen eingreifen und so deren unkontrollierte Vermehrung stoppen. Außerdem wird ein Mechanismus reaktiviert, der in entarteten Zellen ein Selbsttötungsprogramm auslöst. Der Tyrosinkinasehemmer Imatinib hat die Behandlung von gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) revolutioniert.
Wie wirken Tyrosinkinasehemmer?
GIST entstehen durch die unkontrollierte Aktivierung sogenannter Tyrosinkinase-Rezeptoren. Dabei handelt es sich um Eiweißstoffe, die chemische Signale aus der Umgebung von Zellen auffangen (Rezeptor-Funktion) und sie in das Zellinnere weiterleiten. Sie reagieren chemisch mit der Substanz Tyrosin (Tyrosinkinase-Funktion). Die bei GIST bedeutsamen Tyrosinkinase-Rezeptoren bewirken, dass die Zellen ihren Stoffwechsel umstellen. Diese Aktivierung löst eine ungebremste Vermehrung der Zellen aus und verhindert zugleich, dass die Zelle die fehlerhafte Aktivierung erkennt und durch gezielte Selbsttötung (Apoptose) das Wachstum einer Krebsgeschwulst unterbindet.
Tyrosinkinasehemmer wie Imatinib, die zur Behandlung von GIST eingesetzt werden, blockieren die Tyrosinkinase-Funktion der Tyrosinkinase-Rezeptoren. Dadurch wird der Stoffwechsel der GIST-Zellen normalisiert. Die weitere unkontrollierte Vermehrung der Zellen wird unterbunden und der Schutzmechanismus wieder in Kraft gesetzt, der bei schweren Schäden zur Selbsttötung der Zelle führt.
Ursache der unkontrollierten Vermehrung sind zu Lebzeiten entstandene Veränderungen im Erbgut von GIST-Zellen. Betroffen ist in der Mehrzahl der Fälle dasjenige Gen, das für die Bildung des so genannten KIT-Tyrosinkinase-Rezeptors verantwortlich ist. Ein anderes gelegentlich betroffenes Gen sorgt für die Bildung des PDGF-Tyrosinkinase-Rezeptors.
Wie wirksam ist die Behandlung mit Imatinib?
Imatinib kann gastrointestinale Stromatumoren nicht heilen. Allerdings ist das Medikament in der Lage, die Krankheit aufzuhalten und zurückzudrängen in einigen Fällen so stark, dass bei Kontrolluntersuchungen keine Tumoren mehr entdeckt werden können. Da Imatinib die genetischen Veränderungen in den GIST-Zellen nicht rückgängig macht, sondern nur ihre Wirkung auf die Tyrosinkinase-Rezeptoren aufhebt, ist davon auszugehen, dass die Krankheit nur so lange unter Kontrolle bleibt, wie die Imatinib-Therapie fortgesetzt wird. Daher ist es für den Behandlungserfolg sehr wichtig, dass sich GIST-Patienten streng an ihren Medikamentenplan halten.
Imatinib hat die Behandlungsaussichten von GIST-Patienten enorm verbessert. Bei fast der Hälfte der Patienten bildete sich in einer Studie der Tumor um mindestens die Hälfte zurück, bei jedem dritten bis vierten Patienten konnte ein stabiler Krankheitszustand erreicht werden, der Krebs wuchs nicht weiter. In einigen Fällen (3-6%) kam es sogar zu einer vollständigen Rückbildung des Tumors. Auch auf das Überleben der Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung hat der Tyrosinkinasehmmer Imatinib einen gravierenden Einfluß. Überlebten vor Einführung des Tyrosinkinasehemmers lediglich ein Viertel der Patienten die ersten zwei Jahre nach der Diagnosestellung, so sind es heute rund drei Viertel der Betroffenen.
Imatinib ist eine neue Generation von Medikamenten, die zielgerichtet hemmen. Dieser Tyrosinkinasehemmer ist seit 2003 zugelassen. Bisher liegen daher nur wenige wissenschaftliche Ergebnisse zur langfristigen Therapie vor. Aber die ersten Ergebnisse rechtfertigen es bereits, davon zu sprechen, dass Imatinib eine neue Ära der Behandlung von gastrointestinalen Stromatumoren eingeläutet hat.
Wie wird Imatinib verabreicht?
Einnahme sollte möglichst zu einer größeren Mahlzeit mit einem Glas Wasser erfolgen. Patienten, die Imatinib erhalten, müssen zur Behandlung also nicht eine Klinik oder Arztpraxis aufsuchen.
Von größter Wichtigkeit ist es, dass Imatinib zuverlässig jeden Tag in der vollen verordneten Dosis (in der Regel 400 mg oder mehr pro Tag) eingenommen wird. Jede Unterbrechung der Behandlung erhöht die Gefahr, dass die Erkrankung wieder aufflammt.
Um das Medikament nicht zu vergessen, kann es nützlich sein, es jeden Tag zu einer festen Uhrzeit einzunehmen. Hilfreich ist für viele Patienten, ihre Familienangehörigen, Freunde und Kollegen über die Bedeutung des Medikaments zu informieren, damit diese die Betroffenen gegebenenfalls an die Einnahme erinnern können.
Welche Nebenwirkungen können bei der Behandlung mit Imatinib auftreten?
Imatinib ist ein gut verträgliches Medikament. Dennoch können in einigen Fällen Nebenwirkungen der Behandlung auftreten, häufig bei Therapiebeginn. Diese sind überwiegend leicht bis erträglich und können durch ergänzende Behandlungsmaßnahmen oft gebessert werden, so dass die Therapie meist nicht unterbrochen werden muss. Zu den häufigsten gehören etwa Wassereinlagerung im Körper (Ödeme), eine Krampfneigung der Muskulatur, die durch Magnesium- oder Kalzium-Tabletten behandelt werden kann, Knochen- und Gelenkschmerzen, Hautausschlag, Durchfall und Übelkeit. Bei vielen Patienten gehen die Beschwerden innerhalb der ersten Therapiemonate wieder spontan zurück. Auch ist es möglich, dass Imatinib Blutarmut, Blutungen oder Gewichtsverlust auslöst.
Alternative Tyrosinkinasehemmer
Imatinib wirkt nicht bei allen GIST-Patienten gleichermaßen gut. Ursache dafür sind die unterschiedlichen Gen-Veränderungen, die den jeweiligen Erkrankungen zugrunde liegen. In einigen Fällen führen die Gen-Veränderungen dazu, dass Imatinib seine Wirkung nicht entfalten kann. Zusätzlich wird beobachtet, dass Imatinib bei einigen Patienten seine Wirksamkeit mit der Zeit einbüßt.
Für solche Fälle stehen inzwischen Ausweichpräparate zur Verfügung, die in der Nachfolge von Imatinib entwickelt wurden. Sie eröffnen Therapiemöglichkeiten bei GIST, wenn mit Imatinib auch in erhöhter Dosierung keine zufriedenstellenden Behandlungserfolge erreicht werden können. Sunitinib ist für GIST-Patienten geeignet, die eine Unverträglichkeit oder Resistenz gegen Imatinib entwickelt haben. Der seit Juli 2006 zugelassene Wirkstoff zeigt in Studien eine gute klinische Wirksamkeit bei annehmbarer Verträglichkeit. Das Nebenwirkungsprofil von Sunitinib unterscheidet sich teilweise vom Nebenwirkungsprofil von Imatinib. Hier treten bisher unbekannte Nebenwirkungen wie therapiebedingter Bluthochdruck, Hand-Fußsyndrom, Entzündungen der Schleimhäute undSchilddrüsenunterfunktion auf.
Quellen im Detail:
ESMO European Society for Medical Oncology: Soft tissue sarcomas: ESMO Clinical Recommendations for diagnosis, treatment and follow-up




