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- Die Qual der Wahl: Lieber den süß-zuckerigen Muffin oder den Apfel?
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Vier Wochen lang auf Zucker verzichten. Würden Sie das durchstehen? Gummibärchen, Schokolade, Ketchup, Tiefkühlpizza, Brotsorten oder Wurstwaren – sie alle stehen bei einer zuckerfreien Ernährung auf der Tabuliste. Familie Janz hat es trotzdem geschafft. Lesen Sie, wie das ungewöhnliche Experiment ihr Familienleben sogar versüßt hat.
Wenn die 42-jährige Katrin Janz aus Hannover in den Spiegel blickt, ist sie mit ihrem Erscheinungsbild zufrieden. Das war nicht immer so. Vor drei Jahren fühlte sich die Mutter von zwei Töchtern ständig schlapp und kraftlos. Sie empfand kaum noch Lebensfreude. „Ich steckte in einer Krise und merkte es gar nicht“, sagt sie. Bis ihr eines Tages in einem Streit die kleine Tochter entgegnete: „Weißt du was, du meckerst nur noch! Du hast dein Lachen verloren – wie Timm Thaler!“
„Das hat mich tief getroffen“, sagt Katrin Janz. „Ich wusste, ich musste etwas ändern. Bloß, wo anfangen? Was tun, um mein inneres Gleichgewicht, eine gewisse Zufriedenheit wieder zu finden?“ Der Gesundheitscheck beim Arzt ergibt, dass die Lehrerin kerngesund ist. Selbst die Blutwerte liegen im normalen Bereich. Der Hausarzt rät zu mehr Bewegung an der frischen Luft, wenn möglich sogar zu einer Ausdauer-Sportart. Außerdem verlangt er ein einwöchiges Ernährungsprotokoll.
Nahrungsprotokoll: Ertappt als süße Naschkatze
„Zunächst war ich pikiert“, berichtet die Lehrerin. „Schließlich sind wir seit Jahren Stammkunden im Bioladen. Zu hundert Prozent war ich sicher, dass wir uns gesund ernähren.“ In der Tat ergibt die Auswertung des Protokolls, dass die Familie sich vorbildlich ernährt: Obst, Gemüse und Vollkornprodukte stehen ganz oben auf dem Speiseplan, Fleisch gibt es nur in Maßen. Wenn da nur nicht die Vorliebe der Mutter für Pralinen, Kuchen oder Schokoriegel wäre…
Zucker als Seelentröster: Durchschittlich über 34 Kilo im Jahr
„Um Stress abzubauen, naschte ich besonders gerne abends beim Lesen. Es stand immer etwas Süßes herum“, erklärt die Mutter. „Natürlich griffen die Kinder und mein Mann auch öfter zu. Ich dachte mir nichts dabei.“ So wie Familie Janz geht es den meisten Deutschen. Im Schnitt verzehren wir heute 34,3 Kilo Zucker pro Jahr – das sind knapp 16 Kilo mehr als noch 1980! Studien zeigen, dass Zucker viele negative Auswirkungen auf den Körper hat. Er macht schlaff, depressiv und krank. Bei den meisten Krebsarten brauchen die entarteten Zellen viel Zucker, um zu wachsen – bis zu fünfmal so viel wie normale. Weniger Süßes senkt also das Krebsrisiko.
Die deutsche Gesellschaft für Ernährung ist längst alarmiert und empfiehlt, täglich nicht mehr als 60 Gramm Zucker zu verzehren. Doch Zucker ist nicht gleich Zucker. Haushaltszucker ist schädlich, während natürlicher Zucker, wie er in Früchten, Gemüse oder vollwertigen Lebensmitteln vorkommt, wichtig und gesund ist. Katrin Janz jedenfalls fällte eine Entscheidung: „Ich war mein wochenlanges Unwohlgefühl leid und wollte ausprobieren, ob es mir – und der ganzen Familie – ohne Haushaltszucker besser geht. Wir entschlossen uns zu einem ungewöhnlichen Experiment: Vier Wochen zuckerfrei“, berichtet sie.
Versteckter Zucker in vielen Lebensmitteln als Konservierungsmittel
„Das zuckerfreie Einkaufen war am Anfang schwierig und hat mich zuerst zur Verzweiflung getrieben“, gesteht die Mutter. Denn Zucker steckt nicht nur in Schokolade und Keksen, sondern auch in Brot, Chips und Salatsoßen, selbst Ketchup besteht zu einem Viertel aus Zucker. Zucker ist Konservierungsmittel und daher in vielen Lebensmitteln versteckt. Er taucht aber auch unter anderen Namen wie Maltodextrin (Verdickungsmittel aus Malzzucker und Traubenzucker) oder Saccharose (Haushalts- oder Kristallzucker) auf. „Mit der Zeit bekommt man aber ein wenig Übung darin, zuckerfreie Lebensmittel zu finden“, berichtet Katrin Janz: „Wichtig ist, sich die Zutatenliste sorgfältig durchzulesen.“
Die ersten zwei Wochen waren hart: „Ich fühlte mich wie auf Entzug und habe über Schokolade und Co. regelrecht fantasiert“, schmunzelt die Lehrerin heute. Doch nach und nach gewöhnte sie sich an die neue Ernährung. „Ich war erstaunt, wie positiv sich die Umstellung auswirkte: "Fünf Kilo weniger in acht Wochen und wesentlich reinere Haut“, strahlt die Mutter. Ab der dritten Woche machten auch die Kinder Josephine (damals acht Jahre alt) und Justine (damals fünf) mit. „Den Mädchen fiel die Umstellung leichter als mir. Ich hatte bei ihnen sowieso immer sehr darauf geachtet, dass sie wenig Zucker bekommen.“ Das war 2009.
Seitdem hat Katrin Janz 20 Kilo abgespeckt, ihr Mann Christoph vier. „Ich fühle mich rundum leichter und zufriedener. Selbst meine Bauchkrämpfe und Blähungen sind weg!" Auch die große Tochter Josephine ist seit der Ernährungsumstellung viel ausgeglichener und ruhiger geworden. Natürlich sündigt auch Familie Janz hin und wieder. „Aber dann gehen wir einfach noch öfter als sonst zum Spazieren oder Wandern ins Freie“. Aus den ursprünglich geplanten vier zuckerfreien Wochen sind mittlerweile drei Jahre geworden. So schlussfolgert Katrin Janz: „Wir fühlen uns damit einfach wohler – und bleiben dabei.“
Gesunde Zuckeralternativen
- Stevia: Die Pflanze gibt es als Pulver im Reformhaus. Es ist ideal zum Backen und kalorienfrei. Vorsicht: Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, ein wenig nach Lakritze.
- Thaumatin: Natürlicher Süßstoff aus einer afrikanischen Pflanze (Katamfe). Sehr süßer, lakritzartiger Geschmack, darf nicht erhitzt werden. Gibt’s in manchen Reformhäusern oder im Internet.
- Luo Han Guo: Kürbisgewächs aus China – auch Mönchsobst genannt. Gibt es im Asia-Laden als Pulver und flüssig.
- Rubusosid: Die Blätter des chinesischen Brombeerstrauchs sind ideal zum Süßen von Tee und Joghurt. Online erhältlich. Anbieter auf Seriosität überprüfen.
- Xylit: Auch Birkenzucker genannt. Schmeckt wie Zucker, ist fast genauso süß, hat aber weniger Kalorien und stärkt die Abwehrkräfte (im Reformhaus).
Diese Reportage ist zuerst in der Zeitschrift "BILD + FUNK" erschienen, Ausgabe 32, S. 14f. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin/ Redaktion.
Die zehn gängigsten Ernährungsirrtümer
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Mythen rund ums Essen
Kartoffeln sollen dick machen und Nudeln glücklich: Rund um Ernährung und Abnehmen kursieren unzählige Halbwahrheiten.
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Gerücht 1: Realistische Ziele setzen
Dieser Mythos hält sich hartnäckig: Wer sich zu ehrgeizige Ziele setzt, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Stimmt so aber nicht: In Studien nahmen Probanden mit toughen Zielen bisweilen mehr ab als die vorsichtigeren Realisten.
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Gerücht 2: Motivation ist alles
Nur wer die Sache hochmotiviert angeht, nimmt ab? Ein Mythos: In einer Studie hing der Motivationsgrad Fettsüchtiger nicht mit ihrem Durchhaltevermögen und dem Gewichtsverlust zusammen.
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Gerücht 3: Der Jojo-Effekt schadet der Gesundheit
Diätveteranen sind oft anfällig für den gefürchteten Jojo-Effekt - und tun ihrer Gesundheit damit nichts Gutes, behauptet ein Mythos. Stimmt nicht, sagen Wissenschaftler: Sie fanden kein erhöhtes Sterberisiko der Jojo-Kandidaten.
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Gerücht 4: Frühstücken hält schlank
Leider nein. Was dagegen stimmt: Eier zum Frühstück sättigen länger als Brötchen und senken so die durchschnittlich aufgenommene Kalorienmenge.
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Gerücht 5: Naschen macht dick
Sicher, wer ständig vor sich hin knabbert, legt eher an Gewicht zu. Wissenschaftlern zufolge wird der Einfluss des Naschens auf den BMI aber im Allgemeinen als zu groß eingestuft.
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Gerücht 6: Mehr Obst und Gemüse senken Körpergewicht
Grünzeug allein ist nicht alles: Eine Umstellung hin zu mehr Obst und Gemüse ist zwar generell gesund, ein positiver Effekt aufs Gewicht stellt sich aber erst in Kombination mit Sport oder weniger Süßkram ein.
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Gerücht 7: Stillen gegen Übergewicht
Stillen mag viele Vorteile für Mutter und Kind haben, diesen aber nicht: Lange Muttermilch zu füttern, ist keine Garantie dafür, dass das Kind später schlank bleibt.
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Gerücht 8: Kinder sind so dick wie ihre Eltern
Die (Ernährungs-)Erziehung entscheidet darüber, ob ein Kind übergewichtig wird oder nicht? Nein - einen größeren Einfluss haben wissenschaftlichen Untersuchungen nach die Gene der Kleinen.
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Gerücht 9: Schlank im Schlaf
Zu schön, um wahr zu sein? Doch dieser Mythos stimmt: Eine längere Schlafdauer bringen Studien in Verbindung mit einem niedrigeren BMI.
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Gerücht 10: Spätes Essen macht dick
Die Erfahrung mancher Abnehmkandidaten sagt, dass die abendliche Pizza besonders anschlägt - sie schwören auf das sogenannte Dinner Cancelling zur mühelosen Gewichtsreduktion. Viele Ernährungsexperten raten denn auch, Kohlenhydratreiches eher früh am Tag zu sich zu nehmen. Der Grund: Nachts wird nur Fett verbrannt, wenn der Insulinspiegel niedrig ist - was erst nach einigen Stunden ohne Nahrungszufuhr der Fall ist.
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Gerücht 11: Wer viel Wasser trinkt, nimmt schneller ab
Stimmt nicht: Literweise Wasser in sich hineinzuschütten, spült Mineralstoffe aus dem Körper. So etwas wie Schlacken gibt es im menschlichen Körper nicht. Ein bis zwei Liter Wasser pro Tag genügen, als Gradmesser für den Flüssigkeitsbedarf dient auch der Urin: Ist er dunkelgelb, einfach ein kleines Glas Wasser trinken. Denn der Körper kann pro Viertelstunde ohnehin nur rund 0,2 Liter Wasser aufnehmen.
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Gerücht 12: Kartoffeln machen dick
Eine Portion von 150 Gramm gekochten Kartoffeln hat gerade mal 103 Kalorien. Alls Pellkartoffeln sind die heimischen Knollen ideal zum Abnehmen, zum Beispiel mit Quark zubereitet. Und der Körper liebt Kartoffeln, denn er verstoffwechselt sie basisch.
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Gerücht 13: Die Poren beim Fleisch müssen sich schließen
Das stimmt so nicht, denn Fleisch hat keine Poren, sondern Muskelfasern. Es soll dennoch heiß angebraten werden, damit die Oberfläche verschmort und sich dabei die Aminosäuren mit den Zuckermolekülen verbinden. Dabei entstehen ein paar hundert verschiedene Geschmacksmoleküle, die so genannten Röstaromen.
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Gerücht 14: Zucker raubt uns Vitamin C
Das stimmt so nicht. Lediglich das Vitamin B1 wird vom menschlichen Stoffwechsel benötigt, um den Zucker in Energie zu verwandeln.
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Gerücht 15: Rohkost enthält viele Vitamine
Das ist eine Pauschalisierung, die ebenfalls so nicht ganz stimmt. Erst wenn Sie Rohkost und Salat mit einem Dressing beispielsweise "anmachen", erhält der Körper das Komplettpaket, mit dem er die in dem rohen Gemüse die für ihn notwendigen Nährstoffe für sich aufsplitten kann. Wird die Rohkost erhitzt, kann das bei manchen Gemüsen sogar besser für den Menschen sein, weil die Zellwände aufbrechen und er die Nährstoffe besser verarbeiten kann. Es kommt also ganz darauf an - wie meistens.
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Gerücht 16: Olivenöl darf nicht erhitzt werden
Genau das Gegenteil ist der Fall: natives Olivenöl kann Temperaturen von bis zu 180 Grad vertragen. Sofern es raffiniertes Öl der Olive ist, dann hält es sogar bis 230 Grad stand. Oder irrt ganz Italien?
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Gerücht 17: Nudeln machen happy
Es sind nicht die Nudeln selbst, sondern die darin enthaltenen Kohlenhydrate. Die sind aber auch in Brot und Kartoffeln enthalten oder Süßkram. Was beim Verzehr von Kohlenhydraten glücklich macht, ist der Botenstoff Serotonin, der im Gehirn entsteht.
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Gerücht 18: Milch verschleimt
Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Milch unsere Atemwege verschleimt. Dafür gibt es jedoch wissenschaftliche keinerlei Beweise. Wer sie also verträgt, der kann sich ruhig sein Glas Milch am Tag oder den Schluck im Kaffee gönnen!
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Gerücht 19: Salz ist ein Gewürz
Von wegen! Salz ist ein Mineral, das in großen Mengen genossen das Risiko für Schlanganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Wirklich würzen sollte der Koch mit Kräutern - und erst am Tisch darf der Esser wenig nachsalzen. Das wäre ideal.
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Gerücht 20: Käse schließt den Magen
In Frankreich wird er zum Abschluss eines Mahls in kleinen Stücken gegessen - womöglich rührt daher sein Ruf. Da Käse oftmals sehr fett ist, sorgt er für ein ordentliches Sättigungsgefühl. Da der Magen fetthaltige Speisen langsamer an den Darm "abgibt", ist der Esser länger satt. Und würde der Franzose nun den fetten Käse schon zu Beginn verspeisen, dann bliebe kein Appetit mehr für die restlichen leckeren Schmankerl der französischen Küche. Schlau, unsere Nachbarn!
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Gerücht 21: Nahrung hat heute weniger Nährwert
Es wurden aktuelle Mittelwerte mit den Angaben früherer Nährwerttabellen verglichen. Dabei kam zutage, dass es über die vergangenen 50 Jahre nur geringe Schwankungen im durchschnittlichen Nährwertgehalt gab.
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Autor: Reportage von Corinna Perrevoort
Letzte Aktualisierung: 10. September 2012