Täglich Frischkost

Wie gesund ist Obst?

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Vor allem Grapefruits sind mit Vorsicht zu genießen.
Getty Images/iStockphoto

Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen verunsichern den Verbraucher: Frischkost soll das Krebs- und Herzinfarktrisiko senken, aber kann es auch erhöhen. Und Grapefruits sowie Apfelsaft hemmen oder verstärken die Wirkung von Medikamenten.

Früchte und Obst sind gesund und machen stark gegen Krankheiten. So lautet der wahrscheinlich häufigste Gesundheitstipp. Allerdings gibt es inzwischen eine Reihe von Studien, die Hinweise darauf liefern, dass vielleicht auch das Gegenteil der Fall ist. So konnte eine großangelegte Studie mit mehr als 400.000 Teilnehmern (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition, EPIC) keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Obst oder Gemüse und einem sinkenden Krebsrisiko nachweisen. Vor allem Brust- und Prostatakrebs traten unter den Frischkostliebhabern ebenso häufig auf wie unter den Obstverweigerern.

Grapefruits erhöhen Brustkrebsrisiko – oder nicht

Und vielleicht steigert der Verzehr von Obst sogar das Krebsrisiko. In einer ebenfalls umfangreichen Untersuchung mit 500.000 Frauen (erschienen im British Journal of Cancer) zeigte sich, dass Grapefruits das Brustkrebsrisiko um 30 Prozent erhöhen – und zwar bereits dann, wenn nur ein Viertel der Frucht pro Tag gegessen wird. In einer Folgestudie konnte dieses Ergebnis jedoch nicht bestätigt werden. Hier beobachteten die Forscher keinen negativen Effekt zwischen der bittersüßen Frucht und Brustkrebs.

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Gefährliche Wechselwirkungen zwischen Obst und Medikamenten

Fest steht jedoch, dass Grapefruits in Zusammenhang mit bestimmten Medikamenten gefährliche Wechselwirkungen auslösen. So schreiben Pharmakologen der University of Western Ontario in einer Übersichtsarbeit zum Thema Grapefruit und Medikamente, dass die Zitrusfrucht und ihr Saft im Zusammenhang mit 85 Arzneimitteln riskant sind. Die Wechselwirkungen sind dabei unterschiedlich und treten nicht nur dann auf, wenn die Tablette mit Grapefruitsaft geschluckt wird, sondern auch, wenn bis zu 24 Stunden vorher eine Grapefruit gegessen wurde.

Nierenschaden, Thrombose und Herzinfarkt

Je nach Inhaltsstoffen des Medikaments tritt die Wirkung des Arzneimittels dann nur abgeschwächt oder jedoch gefährlich verstärkt ein. Nierenschäden, Magenblutung und sogar Herzinfarkt mit Todesfolge wurden beobachtet. Besonders riskant ist die Kombination Grapefruit und Blutdruck- und Cholesterinsenker, aber auch Antihistaminika (Mittel gegen Allergien) sowie der Anti-Baby-Pille. Im letzteren Fall trat bei einer Frau, die drei Tage hintereinander eine Grapefruit gegessen hatte und gleichzeitig das orale Kontrazeptivum schluckte, eine tiefe Venenthrombose auf.

 

Auch Apfelsaft kann Wechselwirkungen auslösen

Die hochpotenten Substanzen, die schuld an den Wechselwirkungen sind, heißen Furocumarine. Dabei handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, die nicht nur in Grapefruits, sondern auch in Bitterorangen enthalten sind. Sie bremsen in der Leber den Abbau bestimmter Medikamente, so dass sich ihre Wirkstoffmenge im Blut gefährlich erhöht. Übrigens sind in Zusammenhang mit Medikamenten nicht nur diese Zitrusfrüchte bedenklich. Auch Apfelsaft in Verbindung mit Arzneimitteln kann unerwünschte Reaktionen auslösen. Allerdings ist hier noch nicht genau geklärt, welcher Inhaltsstoff vom Apfel dafür verantwortlich ist.

Medikamente richtig einnehmen

Um gefährliche Wechselwirkungen zu vermeiden, sollte auf jeden Fall der Beipackzettel gelesen werden. Er gibt wichtige Tipps für die Einnahme. Daneben sind selbstverständlich Arzt und Apotheker die richtigen Ansprechpartner, wenn sie unsicher sind. Auf der sicheren Seite befinden Sie sich, wenn Sie Ihre Medikamente streng nach Vorschrift einnehmen und am besten mit einem großen Glas Wasser, jedoch nicht mit Fruchtsaft, Milch, Alkohol oder Kaffee.

Obst und Gemüse für die Gesundheit optimal nutzen

Die neuen Erkenntnisse sollten jedoch auf keinen Fall dazu führen, weniger Obst und Gemüse zu essen. Der gesundheitliche Nutzen dieser Nahrungsmittel ist unbestritten. So zeigt eine weitere Arbeit im Rahmen der EPIC-Studie, dass Menschen, die achtmal pro Tag Obst und Gemüse essen, 22 Prozent weniger von Herzinfarkt betroffen waren als solche, die nur dreimal oder weniger zur Frischkost griffen. Eine weitere, frühere Studie von Londoner Wissenschaftlern konnte beweisen, dass Vegetarier im Vergleich zu Fleischessern wesentlich seltener an Krebs erkrankten und ihre Lebenserwartung viel höher war. Die Ergebnisse leuchten ein – Obst und Gemüse fördern die Gesundheit, zu viel Fleisch und Weißmehlprodukte belasten sie.

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Gesundheit ist nicht nur vernünftige Ernährung

Geht es um einen gesunden Lebensstil, sollte nicht ausschließlich auf die Ernährung gesetzt werden. Bewegung und Entspannung spielen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Vermutlich kommen die soeben aufgeführten Untersuchungen auch zu diesen positiven Ergebnissen, weil Menschen, die sich bewusst ernähren – viel Obst essen oder sogar Vegetarier sind – sich auch in anderen Lebensbereichen vernünftig verhalten: nicht rauchen, Alkohol meiden, Sport treiben und für eine ausgeglichene Psyche sorgen. Experten vermuten, dass sie bedingt durch diesen vorbildlichen Lebenswandel einfach gesünder sind. Im Grunde also alles ganz einfach, wenn da nur nicht der innere Schweinehund wär'...

Gesunde Ernährung

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AOK via Youtube

Autor:
Letzte Aktualisierung: 30. Juni 2014
Quellen: EPIC, BJC, Canadian Medical Association Journal

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