Coaching in der Gruppe

Übergewicht bei Jugendlichen

dicker Teenager greift sich an die Fettschürze
Die meisten Jugendlichen mit Übergewicht würden gerne ihr Fett wegbekommen, gehen das Abnehmen aber falsch an.
Getty Images/iStockphoto

Der Geist ist willig, aber ... das Wissen reicht nicht. Deshalb klappt es bei übergewichtigen Jugendlichen oft nicht mit dem Abspecken, so das Ergebnis einer aktuellen US-amerikanischen Studie.

Knapp 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind laut der Studie KiGGS (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey) des Robert-Koch-Instituts fettleibig. Das mag, verglichen mit anderen Ländern, noch moderat klingen. Italien beispielsweise liegt mit 42 Prozent übergewichtigen Kindern und Jugendlichen an der Spitze in Europa. Aber zu viele Pfunde auf den Rippen schon in jungen Jahren lässt das Risiko für eine Reihe von Krankheiten im Erwachsenenalter wie Herzinfarkt oder Diabetes ansteigen und ist für Betroffene auch oft eine psychische Last, entsprechen Speckröllchen doch nicht gerade der landläufigen Vorstellung von Schönheit.

Kontraproduktiver Lebensstil torpediert Gewichtsverlust

So überrascht es nicht, dass viele Jugendliche mit Übergewicht durchaus willig sind, Gewicht zu verlieren. Das belegt eine Studie der Temple University in Philadelphia unter Leitung der Doktorandin Clare Lenhart. Drei Viertel der befragten übergewichtigen Jugendlichen gaben an, abnehmen zu wollen. Angaben zu ihrem Lebensstil aber, die sie zu Protokoll gaben, zeigten ein kontraproduktives Verhalten. So ergab die Studie, dass viele Jungen mehr als drei Stunden am Tag vor dem Computer zubringen und kaum sportlich aktiv sind. Mädchen, die abnehmen wollen, treiben zwar oft Sport, machen ihre Bemühungen aber oft durch falsche Ess- und Trinkgewohnheiten zunichte, beispielsweise, indem sie zu zuckerhaltiger Limonade greifen, um ihren nach dem Sport zu löschen.

Den Grund dafür vermutet Studienleiterin Lenhart in mangelnder Information. Den sportlich aktiven Mädchen sei möglicherweise nicht klar, dass eine Limonade den Effekt des 30-minütigen Spaziergangs zunichte mache, den sie gerade absolviert hätten.

Gruppentraining mit Coach sinnvoll

Uwe Büsching vom Ausschuss Jugendmedizin im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht sich durch die Studie bestärkt, dass ganzheitliche Programme, in denen Jugendliche in der Gruppe mit anderen Teenagern und mit Hilfe eines Coaches lernen, ihren Lebensstil zu ändern, ein sinnvoller Weg sind, um ein normales Gewicht zu erreichen und auch zu halten.

Noch besser ist es freilich, wenn es gar nicht erst zum Übergewicht kommt. Auch hier kann gezielte Information - in diesem Fall der Eltern - einen wichtigen Beitrag leisten, wie eine 2009 veröffentlichte Studie des Universitätsklinikums Leipzig zeigt. Dabei hatten Wissenschaftler eine Gruppe von 180 Kindern im Alter von 4 bis 7 Jahren ausgewählt und ihren Eltern ein für das Lebensalter ihrer Kinder zugeschnittenes Ernährungsprogramm sowie eine Anleitung zur Förderung des natürlichen Bewegungsdrangs angeboten. Auswahlkriterium für diese Gruppe von Kindern wie für eine Kontrollgruppe mit 185 Teilnehmern war ein kritisch angestiegener Bodymaßindex (BMI). 59 Familien zeigten Interesse, 49 nahmen an der Studie teil und schlossen sie auch erfolgreich ab. Bei den Kindern aus diesen Familien stabilisierte sich der BMI, während er bei den anderen Familien und in der Kontrollgruppe deutlich anstieg.

Dicke Eltern als Vorbild

In den Familien ist auch die Hauptursache für Übergewicht schon in jungen Jahren zu suchen. Das ist inzwischen ebenfalls wissenschaftlich untermauert, beispielsweise  durch den Health Survey for England (Gesundheitsbericht für England), der jährlich erhoben wird. Demnach steigt das Risiko für Adipositas bei Kindern zwischen 2 und 15 Jahren von fast 0 auf 15 Prozent, wenn einer der beiden Elternteile übergewichtig oder fettleibig ist. Sind es beide Eltern, liegt das Risiko für den Nachwuchs, fettleibig zu werden, bei bis zu 28 Prozent. Erklärt wird dies einerseits mit der genetischen Veranlagung, andererseits aber auch mit der Vorbildfunktion der Eltern und ihrem Lebensstil, den sie auf ihre Kinder übertragen.

Schlafdauer und Taillenumfang

Dabei geht es nicht nur um die Zusammensetzung der Nahrung, sondern auch um Verhaltensweisen. So besteht beispielsweise ein Zusammenhang zwischen der Schlafdauer der Kinder und ihrer Neigung, übergewichtig zu werden, wie die von der EU geförderte Studie IDEFICS (Identification and prevention of lifestyle- and Diet-induced health EFfects In Children and infantS/Identifizierung und Prävention gesundheitlicher Auswirkungen von Ernährung und Lebensstil auf Kinder und Kleinkinder) ergeben hat. Danach ist für Kinder, die weniger als neun Stunden schlafen, die Wahrscheinlichkeit, übergewichtig zu werden, zweimal so hoch wie für Kinder, die elf Stunden schlafen. Die Dauer, die Kinder und Jugendliche vor dem Bildschirm verbringen, beeinflusst ebenfalls das Körpergewicht. So besteht laut IDEFICS-Ergebnissen ein direkter Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Taillenumfang. Unklar ist, ob Bewegungsmangel daran Schuld ist und/oder die Snacks, die vor dem Bildschirm verdrückt werden.

Nachhilfe auch für Eltern

Wenn so viele Eltern ihrem Nachwuchs ungesunde Lebensweisen durchgehen lassen beziehungsweise ihn dazu ermutigen, legt das nahe, dass nicht nur Teenager Nachhilfe in Sachen Ernährung und Lifestyle brauchen. Bei den Eltern setzt beispielsweise auch die Bundezentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) an. Auf der Seite "KinderÜbergewicht" finden Erziehungsberechtigte Tipps und Hintergrundinfos zum Thema Prävention von Übergewicht.

Autor: Lifeline Redaktion / rs
Letzte Aktualisierung: 09. Dezember 2011
Quellen: dpa; Pressemitteilung der Temple University Philadelphia vom 31.10.2011; Deutsche medizinische Wochenschrift 2009; 134(1/02): 13-18

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