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Alkohol und Potenz - Eine Frage der Dosis

Auf Zigaretten lohnt es sich im Interesse der Potenz zu verzichten. Doch dem Glas Wein oder Bier am Abend braucht ein Mann mit Potenzstörungen nicht Ade zu sagen. Experten wie der Hamburger Urologe Prof. Hartmut Porst sind überzeugt: Moderate Mengen Alkohol können die Erektion wegen ihrer enthemmenden und gefäßerweiternden Wirkung fördern.

Bei übermäßigem Konsum wird Alkohol allerdings zu einem Risiko für die Potenz. Jeder Mann, der sich nach einer durchzechten Nacht Liebesfreuden hingeben wollte, wird dies bestätigen. Ein Blutalkoholspiegel von 0,4-0,5 Promille beeinträchtigt die Potenz, ab 1 Promille ist die Erektionsfähigkeit meistens komplett aufgehoben, schreibt Porst in seinem Buch "Manual der Impotenz". Der Grund: Die stimulativen Reize können vorübergehend nicht mehr umgesetzt werden.

Männer, die nur in Ausnahmefällen übermäßig trinken, verlieren ihre Erektionsfähigkeit aber nur vorübergehend. Anders sieht es bei Alkoholkranken aus, die mehr als 600 g Alkohol pro Woche - das entspricht in etwa 15 l Bier - konsumieren: Bei diesen Patienten kann der Alkohol das zentrale und periphere Nervensystem schädigen. Dies führt unter anderem dazu, dass die Nervenzentren in Gehirn und Rückenmark keine Impulse zu den Penisnerven aussenden können.

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Es kommt zu einem Mangel an Testosteronen

Außerdem wird durch Alkolholabusus die Leber geschädigt. Dadurch kann das weibliche Sexualhormon Östrogen nicht mehr richtig abgebaut werden. Dies ist ein Grund, weshalb es bei Alkoholikern zu einem Überschuss an Östrogenen und zu und einem Mangel an Testosteronen kommt. Das Missverhältnis hängt außerdem damit zusammen, dass das zentrale Steuer- und Regelsystem zur Koordination zwischen zentralem Nervensystem und Hormonsystem durch den hohen Alkoholkonsum gestört ist.

Testosterone spielen vor allem für die Libido eine Rolle, sie sind aber auch an den physiologischen Prozessen der Erektion beteiligt. So sorgen sie unter anderem für die elektrische Reizbarkeit der Schwellkörper und unterstützen die Fähigkeit der Schwellkörpermuskulatur zu entspannen (Relaxationsfähigkeit) und damit die Erektion.

Psychosoziale Probleme fördern Erektionsstörungen

Häufig steigt durch Alkoholismus auch die Produktion von Prolaktin, einem Sexualhormon, das bei der Frau für die Milchbildung sorgt. Prolaktin unterdrückt den zentral vermittelten Penisreflex und bewirkt, dass sich die glatte Schwellkörpermuskulatur kontrahiert.

Aber nicht nur rein organische Gründe können bei Alkoholabusus zu Potenzproblemen führen. Eine entscheidende Rolle spielt auch die psychosoziale Situation, meint Dr. Jürgen Zumbé, Leiter der Urologischen Abteilung im Klinikum Leverkusen. Denn viele Alkoholiker leiden unter Depressionen oder haben Beziehungsprobleme. Diese Belastungen rufen nicht in jedem Fall Erektionsstörungen hervor, doch fördern sie sie oft erheblich. (kig)


Autor: Springer Medizin
Stand: Jul 17, 2003


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