
Diabetes
Viele Diabetiker haben Erektionsstörungen
Nieren- und Netzhautschäden sowie Geschwüre an Beinen oder Füßen - dies alles sind bekannte Spätfolgen des Diabetes. Was aber nur wenige wissen: Sehr häufig ruft die Zuckerkrankheit auch Erektionsstörungen hervor. Dieses Leiden ist zwar harmloser als die übrigen Komplikationen - dennoch beeinträchtigt es die Lebensqualität oft erheblich.
Etwa 50-60% aller Patienten mit Altersdiabetes (Typ II) leiden unter Erektionsstörungen. Patienten mit juveniler Diabetes (Typ I) sind im Verhältnis seltener betroffen, schreibt Prof. Hartmut Porst in seinem "Manual der Impotenz". In manchen Studien hat sich für den Typ-I-Diabetes eine Häufigkeit von 35% ergeben. Grundsätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit einer Diabetes bedingten Erektionsstörung deutlich durch
- eine schlechte Blutzuckereinstellung
- eine Krankheitsdauer von über fünf Jahren
- Alkoholabhängigkeit
- Gefäßschäden der Netzhaut (Retinopathie)
- die Erkrankung peripherer Nerven (Polyneuropathie)
Warum aber kommt es bei Diabetikern so extrem häufig zu Erektionsstörungen? Zusammenfassend lässt sich sagen: Alles, was aus organischer Sicht für die Erektion wichtig ist, wird durch die Zuckerkrankheit in Mitleidenschaft gezogen - Gefäße, Nerven, Muskeln und die Bildung gefäßerweiternder Botenstoffe. Besonders ausgeprägt sind die Schäden meistens bei Patienten, die schon jahrelang einen erhöhten Blutzucker hatten, bevor ihr Diabetes diagnostiziert wurde.
Schlechte Durchblutung wirkt sich auch auf Penisnerven aus
Der erhöhte Zuckeranteil im Blut schädigt die Gefäße: Er führt gerade in den kleinen, den Penis versorgenden Gefäßen bereits früh zu verengten und unbeweglichen Arterien. So kann nicht mehr so viel Blut in den Penis hineinfließen, wie für eine Erektion notwendig wäre. 64-87% aller Diabetiker mit erektiler Dysfunktion leiden nach Angaben von Porst unter dieser Mikroangiopathie der Penisgefäße.
Die schlechte Durchblutung der peripheren Gefäße wirkt sich aber auch auf die Penisnerven aus: Sie werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Darum können sie die Impulse, die die Nervenzentren im Gehirn aussenden, nicht mehr ans Schwellkörpergewebe weiterleiten.
Diabetes-Medikamente können Erektion stören
Zudem wird die Freisetzung von Neurotransmittern und dem Botenstoff Stickstoffmonoxid (NO) gestört. Dieser Stoff sorgt dafür, dass sich die Gefäßmuskulatur entspannt. Wird er nur noch unzureichend freigesetzt, weiten sich die Penisgefäße nicht mehr ausreichend. Hinzu kommt: Ein Diabetes kann die Zellzahl in der glatten Muskulatur beeinträchtigen, was sich ebenfalls auf die Beweglichkeit der Gefäßwände auswirkt.
Ein zusätzliches Problem ist für viele Diabetiker, dass sie Medikamente einnehmen müssen, die die Erektion beeinträchtigen können. Zu diesen zählen unter anderem blutzuckersenkende Tabletten, die in einigen Fällen die Erregungsübertragung durch Kaliumionenaustausch an den Gefäßwenden stören. (kig)
Quelle: Hartmut Porst, "Manual der Impotenz", Uni-Med Verlag, 2000





