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Potenzprobleme? Medikamentencheck!

Medikamente können Erektion hemmen

"Nehmen Sie irgendwelche Medikamente?" Ein Patient mit Erektionsstörungen antwortet am besten in aller Ausführlichkeit auf diese Frage des Arztes. In Einzelfällen werden Potenzstörungen nämlich durch Arzneien hervorgerufen. In solch einer Situation wird der Arzt nach Alternativen zu dem Medikament suchen und die Erektionsstörung oft medikamentös behandeln.

Besonders unter den blutdrucksenkenden Medikamenten (Antihypertensiva) sind einige als erektionshemmend bekannt. So können vor allem bestimmte entwässernde Medikamente (Thiazide) oder auch bestimmte Beta-Blocker (nicht selektive Beta-Blocker) eine Erektionsstörung verursachen.

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Spironolacton - ein Diuretikum - kann bei hoher Dosis ebenfalls die Erektion hemmen. Das Medikament behindert die Produktion männlicher Sexualhormone (Androgene). Androgene spielen vor allem für die Libido eine Rolle, sie sind aber auch an den physiologischen Prozessen der Erektion beteiligt. So sorgen Testosterone unter anderem für die elektrische Reizbarkeit der Schwellkörper und unterstützen die Fähigkeit der Schwellkörpermuskulatur zu entspannen (Relaxationsfähigkeit) und damit die Erektion.

Für Hochdruck-Patienten gibt es häufig Ausweich-Präparate

Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Antihypertensiva, die die Erektion nicht beeinträchtigen oder sie sogar unterstützen. Auf diese Medikamente können Hochdruck-Patienten mit Erektionsstörungen in einigen Fällen ausweichen. "Oftmals wird die zugrundeliegende Erkrankung es nicht zulassen, die angeschuldigte Medikation abzusetzen. Aber gerade in der Hochdrucktherapie wird es möglich sein, mehr erektionsprotektive Medikamente einzusetzen", schreibt Prof. Hartmut Porst in seinem Buch "Manual der Impotenz".

Niemals auf Hochdruck-Medikamente verzichten

Keinesfalls darf ein Hochdruck-Patient seine Antihypertensiva aber auf eigene Faust austauschen oder gar absetzen. Denn ein hoher Blutdruck muss wegen seiner oft schwerwiegenden Folgen wie Arteriosklerose immer gründlich behandelt werden. Zu bedenken ist auch: Sehr häufig ist gerade Bluthochdruck Ursache für Erektionsstörungen. Somit wirken Antihypertensiva auf gewisse Weise oft auch gegen Erektionsstörungen.

Negativ auf den Androgenstoffwechsel wirken auch:


  • Antiepileptika wie Phenytoin

  • verschiedene Antimykotika (Antipilzmittel) wie Ketoconazole

  • Psychopharmaka wie Phenothiazine, die Ärzte unter anderem bei Schizophrenie, Manie und Paranoia verschreiben, oder Butyrophenone, mit denen vor allem akute psychotische Syndrome behandelt werden

  • Opiate

  • Sedativa (Beruhigungsmittel)

  • einige Schlafmittel

  • Cimetidin - es handelt sich um einen Säureblocker, der zur Behandlung von Magenbeschwerden eingesetzt wird

  • Glycoside wie Digoxin, die Ärzte - etwa bei Herzinsuffizienz - zur Stärkung der Herzkraft verordnen

  • Finasteride - sie wirken gegen gutartige Prostatavergrößerung


Manche Arzneien beeinträchtigen auch Potenz und Libido, indem sie die Produktion von Prolaktin - einem Sexualhormon, das bei der Frau für die Milchbildung sorgt - stimulieren. Prolaktin unterdrückt den zentral vermittelten Penisreflex und bewirkt, dass sich die glatte Schwellkörpermuskulatur kontrahiert. Zu einem Überschuss an Prolaktin führen unter anderem:

  • Trizyklische Antidepressiva wie Imipramin und Amitriptylin

  • Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika)

  • Östrogene


Aus unterschiedlichsten Gründen können auch folgende Medikamente Erektionsstörungen hervorrufen:

  • Anticholinergika, mit denen Ärzte unter anderem Parkinson und Harninkontinenz behandeln

  • Psychopharmaka wie Benzodiazepine

  • Lipidsenker, besonders Clofibrinsäurederivate

  • Migränemittel wie Methysergid oder Dihydroergotamin

  • Antidiabetika wie Glibenclamid

  • einige MAO-Hemmer (Monoaminoxidase-Hemmer) - diese Medikamente werden vor allem bei Parkinson, gelegentlich auch bei Depressionen, verschrieben

  • Antikoagulantien (Gerinnungshemmer) wie Heparin und Marcumar

Manch einen Patienten mag die große Zahl der erektionshemmenden Medikamente irritieren. Doch es ist zu bedenken: Wenn ein Medikament diese Wirkung haben kann, bedeutet dies noch lange nicht, dass es diese Wirkung in jedem Fall hat. Hinzu kommt: Bei einem Herz-Kreislauf-Patienten z.B. ist es oft schwierig zu beurteilen, ob die Erektionsstörungen von seiner Grunderkrankung oder von einem Gerinnungshemmer, den er einnimmt, herrühren.

In jedem Fall sollten Männer, die ein erektionshemmendes Medikament einnehmen und unter Erektionsstörungen leiden, mit ihrem Arzt über eine Lösung diskutieren: Wenn sich kein Alternativpräparat anbietet, ist vielleicht eine Therapie der Erektionsstörungen mit Medikamenten möglich.


Quelle: Prof. Dr. Hartmut Porst, "Manual der Impotenz", UNI-MED Verlag
Autor: Springer Medizin
Stand: Feb 6, 2008


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