
Behandlung
Impotenz: Arzt wird zu selten angesprochen
Dank neuer Tabletten könnte heute vielen impotenten Männern geholfen werden. Doch das scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben. Wie Studien belegen, wissen erstaunlich viele Männer nichts von den wirksamen Therapien. Darüber hinaus ist vielen nicht bekannt, dass der Urologe der Ansprechpartner ist. Und die meisten mögen ohnehin nicht mit einem Arzt darüber reden.
Den Zusammenhang zwischen sexuellen und psychologischen Problemen und der Bereitschaft der Betroffenen, diese Probleme bei einem Arztbesuch anzusprechen, haben zwei wissenschaftliche Arbeitsgruppen aus England und den USA getrennt voneinander untersucht.
Ärzte schenken der Sexualfunktion zu wenig Aufmerksamkeit
Ein Team von der Royal Free and University College Medical School in London, UK, fand beispielsweise eine unzureichende Aufmerksamkeit sowohl auf Seiten der Patienten als auch auf Seiten der Ärzte. Die Wissenschaftler sammelten in 13 Londoner Hausarztpraxen Daten von mehr als 1.500 Patienten zur Häufigkeit sexueller Funktionsstörungen. Alle Teilnehmer beantworteten zusätzlich Fragen zum Sexualverhalten, zu sexuellen Problemen, zur sexuellen Zufriedenheit, zur Lebensqualität, zu psychischen Problemen sowie zum Alkohol- und Nikotinkonsum.
Bei 22 von 100 befragten Männern (sowie 40 von 100 Frauen) ergaben sich Hinweise auf sexuelle Funktionsstörungen. Die Männer berichteten vor allem von Erektionsstörungen und, ebenso wie die Frauen, von fehlendem oder vermindertem sexuellen Verlangen (für die weiblichen Patienten standen außerdem Orgasmusschwierigkeiten im Vordergrund). Die meisten Symptome waren eng verknüpft mit psychischem Stress und einem allgemein eingeschränkten Gesundheitszustand. Auch ein höheres Lebensalter sowie Arbeitslosigkeit erhöhten das Risiko, Probleme mit der Sexualität zu haben.
Doch die Betroffenen nahmen ihre Probleme anscheinend nicht ernst: Nur eine Minderheit (30 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer) hatte deswegen schon einmal den Hausarzt aufgesucht. Noch weniger Bedeutung schenkten die Ärzte dem Krankheitsbild: Nur bei drei bis vier Prozent der Patienten war in den Akten ein entsprechender Eintrag zu finden. Eventuell unterschätzen die Mediziner das Thema einfach, weil sie auf diesem Gebiet nicht ausreichend ausgebildet sind, so die Erklärung der Londoner Wissenschaftler.
Viele Männer reden ungern beim Arzt über Erektionsstörungen
Die Probleme von impotenten Männern in Arztpraxen belegt auch die Untersuchung von Urologen des Albert Einstein Medical Center, Philadelphia, PA, USA. Nach ihren Ergebnissen spricht ein großer Teil der Patienten nicht von sich aus mit einem Arzt darüber, wenn sie Erektionsstörungen haben.
Die Forscher fragten 500 über 50-jährige Patienten, die wegen verschiedener urologischer Probleme (außer Impotenz) vorstellig wurden, nach Erektionsstörungen. 44 von 100 Männern gaben erst daraufhin an, Probleme mit der Erektion zu haben. Im nächsten Schritt versuchten die Studienleiter mit Hilfe eines Fragebogens zu ergründen, warum die Patienten das Problem nicht von sich aus angesprochen hatten.
Der häufigste Grund für das fehlende Gespräch von Seiten der Betroffenen war Scham. Gut ein Zehntel empfand Erektionsstörungen als eine normale Begleiterscheinung des Älterwerdens und deshalb nicht weiter erwähnenswert. Einem Fünftel der Männer war nicht bewusst, dass der Urologe der richtige Ansprechpartner ist und ein Zehntel empfand die Erektionsstörungen tatsächlich als unproblematisch und damit nicht als Anlass, sie mit dem Arzt zu besprechen. Die meisten Männer, die dem Thema aus dem Weg gegangen waren, hätten sich ein Gespräch mit dem Arzt gewünscht.
Ärzte tragen Mitschuld
In beiden Studien räumen die Autoren den Ärzten eine Mitschuld ein: Die Wissenschaftler aus London fordern eine bessere Aus- und Weiterbildung der niedergelassenen Kollegen und die Urologen aus Philadelphia betonen, die Ärzte müssten häufiger als bisher von sich aus das Gespräch auf Sexualprobleme lenken.
Baldwin K, et al.: Under-reporting of erectile dysfunction among men with unrelated urologic conditions. Int J Impot Res. 2003;15(2):87-9.





