Arzt im Gespräch mit Patient

Rat vom Experten

Erektionsstörungen: Arztbesuch ist A und O

Deutsche Männer sind Fatalisten: Sie halten Erektionsstörungen für eine Befindlichkeitsstörung, mit der man sich arrangieren muss. Anders als etwa in Spanien oder Italien stecken hierzulande die meisten Betroffenen den Kopf in den Sand, sagt Prof. Uwe Hartmann, Psychologe an der Medizinischen Hochschule Hannover. Nur etwa 10% der Männer mit Potenzproblemen gehen zum Arzt.

Wenige Betroffene scheinen zu wissen, dass sich hinter den Erektionsstörungen häufig andere Ursachen verbergen, wie zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck (Hypertonie) und Fettstoffwechselstörungen oder gar Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Schiebt der Betroffene den Arztbesuch immer weiter auf, bleiben diese Grunderkrankungen in manchen Fällen jahrelang unerkannt. Gerade Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen werden nämlich häufig erst entdeckt, wenn sie die Gefäße bereits stark geschädigt haben.

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Deshalb lohnt sich ein Arztbesuch in jedem Fall, da sowohl die Erektionsstörung gut behandelt werden kann, meist mit Tabletten, als auch die Grunderkrankung früh erkannt werden kann.

Sexuelle Störungen hinterlassen Spuren in der Seele

Aber nicht nur die körperliche Gesundheit steht auf dem Spiel: Auch das Selbstwertgefühl leidet erheblich. "Ich habe noch keinen Mann gesehen, bei dem die Potenzstörung keine Spuren hinterlässt", sagt Hartmann, der viele Männer mit Erektionsstörungen betreut. Schiebt der Mann die Behandlung immer weiter auf, verfestigt sich in ihm das Gefühl zu versagen. Er gerät in einen Teufelskreis: Die Erektion bleibt aus, weil er verunsichert ist und gar nicht mehr daran glaubt, dass er noch mit seiner Partnerin schlafen könnte.

Auch die Paarbeziehung leidet

Lässt ein Mann die Erektionsstörungen nicht behandeln, kann dies sogar ernsthafte psychische Störungen hervorrufen - wie Depressionen und Alkoholmissbrauch. Auch psychosomatische Beschwerden sind möglich. "Die ganze Palette: von Hautgeschichten bis zu Magenbeschwerden", sagt Hartmann.

Nicht zuletzt führt die Potenzstörung auch zu Problemen in der Partnerschaft. "Untersuchungen zeigen, dass die Sexualität der häufigste Anlass für eine Trennung ist", sagt Hartmann. Bei 40% der Paare verschlechtert sich durch die erektile Dysfunktion die Partnerschaft, 10% der Beziehungen zerbrechen. Doch trotz dieser düsteren Aussichten suchen nur wenige Männer einen Arzt auf, meint Hartmann.

Erektionsstörungen sind heute meist gut behandelbar

Die meisten Betroffenen schrecken offenbar aus Scham vor einem Arztbesuch zurück: Über 80% der Männer trauen sich nicht, ihren Arzt auf sexuelle Störungen anzusprechen, hat eine Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts Market & Opinion Research International (MORI) ergeben (Ärzte Zeitung, 31.08.1998). Doch würde es sich für die Betroffenen oft lohnen, die Scheu zu überwinden: In bis zu 95% der Fälle lassen sich die Erektionsstörungen nämlich erfolgreich therapieren.


Autor: Springer Medizin
Stand: Feb 6, 2008


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