
Stammzelltransplantation
Eisenüberladung nach der Übertragung von Knochenmark
Die Transplantation von Stammzellen kann verschiedene gutartige und bösartige Erkrankungen heilen. Da dabei jedoch häufig Bluttransfusionen nötig werden, droht auch hier eine gefährliche Eisenüberladung.
Was ist eine Knochenmarktransplantation (KMT)?
Das Knochenmark ist die Produktionsstätte aller Blutzellen. Im Inneren der großen Knochen wie Hüftbein und Brustbein (bei Erwachsenen) entwickeln sich rote und weiße Blutzellen sowie Blutplättchen aus Vorläuferstadien, sogenannten Blutstammzellen. Die reifen Zellen verlassen das Knochenmark und gelangen in die Blutbahn, wo sie einige Tage (Blutplättchen, bestimmte weiße Blutzellen) oder bis zu vier Monate (rote Blutzellen) überleben. Aufgrund ihrer kurzen Lebensdauer bildet das Knochenmark permanent neue Blutzellen.
Es gibt verschiedene Krankheiten und Zustände, bei denen die Funktion des Knochenmarks vorübergehend oder dauerhaft gestört ist. Eine Transplantation von Knochenmark oder Blutstammzellen bedeutet, dass dem Patienten gesunde Vorläuferzellen von Blutkörperchen übertragen werden, die zuvor entweder ihm selbst oder einem Spender entnommen wurden. Ziel dieser Maßnahme ist die Wiederherstellung eines funktionierenden Knochenmarks.
Wann wird eine KMT durchgeführt?
Wenn bei einem Patienten zu erwarten ist, dass eine anstehende Maßnahme - z.B. Strahlen- oder Chemotherapie - sein Knochenmark stark in Mitleidenschaft ziehen wird, kommt für ihn die sogenannte autologe Knochenmarktransplantation in Frage. Dazu entnimmt man dem Patienten eigenes, gesundes Knochenmark, um es ihm nach der schädigenden Therapie wieder zuzuführen.
Häufiger kommt jedoch die sogenannte allogene Knochenmarktransplantation zum Einsatz. Hierbei ist der Patient, dessen Blutproduktion gestört ist, auf die Knochenmarkspende eines anderen Menschen angewiesen. Zu den auf diese Weise heilbaren Krankheiten gehören sowohl verschiedene Typen der Leukämie ("Blutkrebs") und andere bösartige Erkrankungen wie Lymphome ("Lymphknotenkrebs") als auch gutartige Funktionsstörungen des Knochenmarks, z.B. bestimmte angeborene Formen von Anämie ("Blutarmut").
Wie kommt es bei einer KMT zur Eisenüberladung?
Die Hauptursache für die Eisenüberladung liegt in der Verabreichung von Bluttransfusionen. Mit jeder Transfusion wird ein Hundertfaches der Eisenmenge verabreicht, die der menschliche Körper verbrauchen oder ausscheiden kann. Je nachdem, aus welchem Grund die KMT erfolgt und wie lange die Patienten auf den Eingriff warten, erhalten einige Patienten bereits vor der Transplantation regelmäßige Bluttransfusionen. Nach der KMT schließlich brauchen fast alle Patienten vorübergehend Transfusionen, bis das neue Knochenmark in ihrem Körper richtig arbeitet.
Weshalb ist eine Eisenüberladung nach KMT so gefährlich?
Nach der KMT dauert es eine gewisse Zeit, bis das neue Knochenmark so funktionstüchtig ist, dass es alle Blutzellen in angemessener Zahl produzieren kann. Dies ist insbesondere bedeutsam hinsichtlich der weißen Blutzellen (Leukozyten). Da diese für die Immunabwehr zuständig sind, haben Menschen unmittelbar nach der Transplantation ein hohes Risiko für Infekte. Eine Eisenüberladung könnte diese Infektionsgefahr erhöhen.
Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass eine Eisenüberladung schon kurz nach der Transplantation die Leberfunktion beeinträchtigen und zu einem Lebervenenverschluss führen könnte. Zu den späten Komplikationen einer Eisenüberladung gehört in erster Linie die Eisenablagerung in Leber und Herz, die mit schweren Funktionsstörungen der beiden Organe einhergehen kann.
Ein weiteres wichtiges Argument für die Chelation vor KMT ist das geringere Risiko einer GvHD (Graft versus Host Disease)-Abstoßungsreaktion, die häufig der Grund für den Tod der Patienten nach einer KMT sein kann.
Wann muss eine Eisenüberladung nach KMT behandelt werden?
Wenn Bluttransfusionen nur über einen kurzen Zeitraum notwendig sind, kommt es allenfalls zu einer milden Eisenüberladung ohne Organschäden, die meist keiner Therapie bedarf. War der Grund für die Knochentransplantation jedoch eine Krankheit, die bereits monate- oder jahrelange regelmäßige Bluttransfusionen erforderte, darf man die Gefahr einer Eisenüberladung auch nach der Transplantation nicht unterschätzen.
Der behandelnde Arzt sollte den Ferritinwert bestimmen. Eine hohe Konzentration im Blut (über 1.000ng/ml) kann auf eine Eisenüberladung hinweisen. Aber auch andere Ursachen können zu einem Anstieg des Ferritinwerts führen, beispielsweise Infektionen oder Abstoßungsreaktionen, die nach einer Transplantation ebenfalls auftreten können. Um den Verdacht auf eine Eisenüberladung zu bestätigen und andere Ursachen für den erhöhten Ferritinwert auszuschließen, kann eine Gewebeprobe der Leber helfen.
Wie wird die Eisenüberladung nach KMT behandelt?
Ist die Diagnose einer Eisenüberladung nach Knochenmarktransplantation gesichert, muss die Therapie individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Dabei sollte berücksichtigt werden, wie viel Zeit seit der Transplantation vergangen ist und wie dringend das Eisen aus dem Körper entfernt werden muss. Außerdem ist wichtig, ob weiterhin Bluttransfusionen nötig sind.
Neben einem Aderlass ist die Behandlung mit Eisenchelatoren die Standardtherapie der Eisenüberladung nach Knochenmarktransplantation. Moderne Medikamente sind einfach anzuwenden und haben eine lang anhaltende Wirkung.



