Blutgruppen

Grundlage der Transfusionsmedizin

Als Blutgruppe bezeichnet man bestimmte Merkmale des Blutes, die bei jedem Menschen individuell unterschiedlich sind. Bei einer Bluttransfusion müssen die wichtigsten Blutgruppeneigenschaften von Spender und Empfänger übereinstimmen, damit es nicht zu lebensgefährlichen Unverträglichkeitsreaktionen kommt.

Blutgruppenmerkmale beruhen auf spezifischen Eigenschaften der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die vererbt werden und das ganze Leben lang bestehen bleiben. Es sind inzwischen über 15 Blutgruppensysteme bekannt, für die Transfusionspraxis sind jedoch vor allem das AB0-System und das Rhesussystem von Bedeutung.

Das AB0-Blutgruppensystem

Beim AB0-Blutgruppensystem werden die vier verschiedenen Blutgruppen A, B, AB und 0 unterschieden. Das System wurde im Jahr 1901 entdeckt, als man beobachtete, dass das Blut von verschiedenen Menschen zum Teil beim Vermischen verklumpt. Verantwortlich dafür sind bestimmte Oberflächenmerkmale der Erythrozyten, die sogenannten Antigene A und B, nach denen sich die entsprechende Blutgruppenbezeichnung ergibt. Ihre Struktur ist erblich und bei jedem Menschen individuell verschieden.

Blutgruppe A bedeutet dabei, dass auf der Oberfläche der roten Blutzellen das Antigen A vorhanden ist. Menschen mit der Blutgruppe B besitzen entsprechend das Antigen B. Bei Blutgruppe 0 sind keine Antigene vorhanden und bei Blutgruppe AB sowohl A als auch B. Jeder Mensch bildet bereits kurz nach der Geburt Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Antigene der anderen Blutgruppen. Diese werden als Isoagglutinine Anti-A bzw. Anti-B bezeichnet. Da bei der Blutgruppe AB beide Antigene A und B auf der Oberfläche der Blutkörperchen vorhanden sind, befinden sich bei diesen Menschen keine Antikörper im Blut, sie würden sonst ihre eigenen Erythrozyten zerstören.

Was sagt der Rhesusfaktor aus?

Neben dem AB0-Blutgruppensystem ist das sogenannte Rhesussystem für eine eindeutige Bestimmung des Blutgruppentyps vor einer Transfusion unerlässlich. Es war wiederum der Entdecker des AB0-Blutgruppensystems, der Arzt Karl Landsteiner, der 1940 ein weiteres wichtiges Antigen auf der Oberfläche der Erythrozyten entdeckte. Das Rhesus-Antigen wird mit dem Buchstaben D bzw. als Rhesusfaktor bezeichnet. 85% aller Menschen besitzen dieses Rhesus-Antigen. Sie sind somit Rhesus-positiv (Rh+). Die restlichen 15%, denen das Rhesus-Antigen fehlt, bezeichnet man als Rhesus-negativ (Rh-).

Im Gegensatz zum AB0-System bildet der Körper Rhesus-negativer Personen aber nicht von vornherein Antikörper gegen das Antigen D. Dafür muss der Rh-negative Mensch mit Rh-positivem Blut in Berührung kommen. Dies kann durch Bluttransfusion oder während der Geburt eines Rh-positiven Kindes einer Rh-negativen Mutter passieren. Keine Folgen hat jedoch die Übertragung von Rh-negativem Blut auf Rh-positive Empfänger, sodass die Ärzte es im Notfall einsetzen können.

Bedeutung der Blutgruppen für eine Bluttransfusion

Wird einem Menschen Blut transfundiert, gegen das er Antikörper besitzt, kann es zu lebensgefährlichen Unverträglichkeitsreaktionen kommen. Eine korrekte Blutgruppenbestimmung des Spenders und des Empfängers ist daher von größter Wichtigkeit. So darf beispielsweise ein Mensch mit Blutgruppe A kein Blut der Blutgruppe B erhalten, da sein Blut unzählige Anti-B-Antikörper enthält, die mit den transfundierten Erythrozyten verklumpen würden. Diese sogenannte Antigen-Antikörper-Reaktion führt zu einer Zerstörung der übertragenen roten Blutkörperchen. Sie können dann ihre Funktion, Sauerstoff zu transportieren, nicht mehr erfüllen.

Im äußersten Notfall können Menschen mit der Blutgruppe AB jedoch Erythrozyten von Spendern aller Blutgruppen empfangen. Bei dieser Blutgruppe sind weder Antikörper gegen die Antigene der Gruppe B noch gegen die der Gruppe A vorhanden. Somit ist eine Abwehrreaktion des Körpers bei einer Bluttransfusion ausgeschlossen. Menschen mit Blutgruppe AB werden deshalb in der Transfusionsmedizin als Universal-Empfänger bezeichnet. Universal-Spender sind hingegen Menschen mit der Blutgruppe 0, da deren Erythrozyten auf ihrer Oberfläche weder Antigene der Gruppe A noch der Gruppe B besitzen und somit nicht mit den Isoagglutininen Anti-A und/oder Anti-B des Empfängers reagieren.

Kreuzprobe verhindert Unverträglichkeitsreaktionen

Um ganz sicher zu gehen, dass ein ausgewähltes Blutprodukt vom Empfänger vertragen wird, findet vor einer Transfusion immer die sogenannte Kreuzprobe statt. Dabei werden die Erythrozyten des Spenders - also die roten Blutkörperchen der Blutkonserve - mit dem Serum des Empfängers vermischt. Bei einer Unverträglichkeit kommt es zu einer Verklumpung (Agglutination) der roten Blutkörperchen des Spenders, die Transfusion darf dann nicht durchgeführt werden. Ursache sind meist Antikörper des Empfängers gegen seltene Blutgruppenantigene, die bei der vorherigen Blutgruppenbestimmung und Antikörpersuche nicht erfasst wurden. In einem solchen Fall muss eine genaue Antikörperbestimmung durchgeführt und eine andere passende Blutkonserve ausgewählt werden.


Quelle: Nach Informationen von:

Themenseiten des Deutschen Roten Kreuzes zur Blutspende, Stand Mai 2008

Institut für klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie des Universitätsklinikums Würzburg: Immunhämatologische Laboranalytik: Die Kreuzprobe. August 2007

Lehrbuch der Physiologie, Herausgegeben von Rainer Klinke und Stefan Silbernagel. Thieme-Verlag, 1994
Autor: Ulrike Lachmann
Stand: Oct 1, 2008


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