Medikamenteneinnahme

Bleiben Sie am Ball und beugen Sie einer Eisenüberladung vor

Auch wenn keine Beschwerden vorliegen - die regelmäßige Einnahme der schützenden Medikamente ist bei Eisenüberladung besonders wichtig.

Eisenüberladung ist eine schleichende Erkrankung. Beschwerden treten häufig erst auf, wenn die Belastung des Körpers durch Eisen schon weit fortgeschritten und schwer zu behandeln ist. Von den Patienten erfordert das, sich jeden Tag genau an den Therapieplan zu halten, obwohl sie sich gesund fühlen. Eine große Herausforderung ? doch der Aufwand lohnt.

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Wichtig: Eisenüberladung von Anfang an bekämpfen

Viele Patienten, die regelmäßig Blutübertragungen benötigen, leiden an schwerwiegenden Grunderkrankungen. Für Patienten und Ärzte steht dann im Vordergrund, zunächst die akute, eventuell lebensbedrohliche Erkrankung zu behandeln. Gerade in der ersten Behandlungsphase der Grunderkrankung kann die Gefahr einer Eisenüberladung leicht aus dem Blick geraten. Nach Möglichkeit sollte deswegen von der ersten Blutübertragung an ein Transfusionspass geführt werden, in dem jede Blutübertragung vermerkt wird. Betroffene erhalten einen Transfusionspass von ihrer behandelnden Einrichtung (unter Umständen ist Nachfragen erforderlich) bzw. können ihn im Service-Bereich von Leben-mit-Transfusionen.de bestellen.

Bei einer Eisenüberladung in Folge von Transfusionen treten zunächst weder Schmerzen noch andere Symptome auf. Kommt es zu Beschwerden aufgrund einer Eisenüberladung, so muss möglichst rasch eine Therapie aufgenommen und konsequent verfolgt werden, um weitere Schädigungen zu verhindern. Spezialisten für Eisenüberladung, wie die Kinderärztin Regine Grosse vom Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) sprechen deshalb von einem ?lautlosen Killer?. Die drastische Ausdrucksweise ist angemessen, denn die Folgen einer Eisenüberladung sind äußerst schwerwiegend. Leber, Drüsen und Herz werden auf Dauer so stark beeinträchtigt, dass die Betroffenen unter schweren Gesundheitsschäden leiden.

Die moderne vorbeugende Therapie mit Eisenchelatoren kann eine Eisenüberladung und deren Folgen sicher verhindern. Selbst Kinder, die von Geburt an auf Transfusionen angewiesen sind und vor wenigen Jahrzehnten durchschnittlich nur 30 Jahre alt wurden, so Frau Dr. Grosse, haben Dank der modernen Behandlung inzwischen die gleiche Lebenserwartung wie Gesunde. Unerlässlich dafür sei jedoch eine konsequente Therapie, die nicht unterbrochen wird.

Täglich an die Medikamente denken, keine Behandlungspausen einlegen

Gerade wenn die Behandlung erfolgreich ist und die Patienten sich wohl und leistungsfähig fühlen, kann leicht einmal der Gedanke aufkommen, dass es nicht so schlimm sei, wenn die Medikamente einmal nicht eingenommen werden. So nachvollziehbar solche Gedanken auch sein mögen, so sollte das Ziel der konsequenten Behandlung einer Eisenüberladung nicht aus den Augen verloren werden. Denn der Körper ?vergisst? einmal aufgenommenes Eisen nur sehr schlecht.

Selbst bei der Behandlung mit modernen Eisenchelatoren ist es erheblich schwieriger, Eisenablagerungen wieder aus dem Körper zu entfernen, als überschüssiges Eisen noch im Blut abzufangen und auszuscheiden, bevor es überhaupt eingelagert wird. Jede Unterbrechung der Behandlung erhöht deshalb die Belastung des Körpers mit Eisen ? und kann später zu schweren Gesundheitsstörungen führen.

Tipps, wie man Behandlungsunterbrechungen vermeiden kann

Betroffene Patienten sollten sich immer wieder klar machen, dass Medikamente und andere Behandlungsmaßnahmen die Voraussetzung für ein gesundes, selbstbestimmtes und langes Leben trotz drohender Eisenüberladung sind. Auch wenn es zunächst nach einigem Aufwand klingen mag, die regelmäßige Einnahme der Medikamente sicherzustellen -im Alltag spielt sich zumeist rasch eine Routine ein, die kaum noch als beeinträchtigend empfunden wird.

Die Medikamenteneinnahme können und sollten Patienten sich zur Routine machen mit Hilfe eines bestimmten Einnahmeschemas. Moderne Eisenchelatoren sind leicht anzuwenden. Deferasirox muss nur einmal täglich eingenommen werden. Dazu wird die vom Arzt verordnete Menge an Brausetabletten in Flüssigkeit aufgelöst und auf nüchternen Magen vor dem Frühstück getrunken. Deferiprone wird dreimal täglich als Saft oder Tablette eingenommen. Hier könnten die Medikamente - falls der Arzt nichts anderes vorgeschrieben hat - jeweils zu den Mahlzeiten genommen werden.

Eine Hilfe kann es auch sein, einen Wecker zu stellen, der jeden Tag zur Einnahmezeit läutet. Viele Mobiltelefone verfügen über Alarm- oder Weckfunktion, die für den gleichen Zweck eingesetzt und leicht auf Reisen oder zur Arbeit mitgenommen werden können.Gerade zu Beginn der Behandlung können Nebenwirkungen auftreten. Die Betroffenen sollten in solchen Fällen nicht von sich aus die Behandlung aussetzen oder ändern, sondern kurzfristig mit ihrem Arzt Kontakt aufnehmen. In der Regel lassen sich Änderungen an der Therapie vornehmen, durch die die Nebenwirkungen behoben oder gebessert werden.

Es sollte immer ein ausreichender Vorrat an Medikamenten im Haus sein, damit es nicht zu Engpässen kommt. Bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen im Abstand von einigen Wochen kann es sich z.B. anbieten, vom Arzt jeweils die Menge verordnen zu lassen, die bis zum nächsten Termin erforderlich ist. Dazu sollte dann noch eine Reserve kommen, damit keine Pause entsteht, wenn der Arzttermin mal verschoben werden muss.

Die regelmäßige Einnahme der Medikamente darf auch im Urlaub und auf Reisen nicht unterbrochen werden. Patienten sollten daher vor Reiseantritt ihren Bedarf berechnen und sich die entsprechende Medikamentenmenge besorgen. Nach Möglichkeit sollten die Arzneimittel im Handgepäck mitgeführt werden. Dort gehen sie weniger leicht verloren. Auch der Transfusionspass gehört mit ins Reisegepäck. Um Schwierigkeiten bei der Zollkontrolle zu verhindern, kann der behandelnde Arzt auch eine Bescheinigung (bei Auslandsreisen auf Englisch) ausstellen, welche Medikamente in welcher Menge für die Behandlung erforderlich sind.


Quelle: Nach Informationen von:

Interview mit Frau Dr. Regine Grosse vom 10. September 2008
Autor: JG
Stand: Feb 26, 2009


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