
Aderlass
Blutentnahme reduziert Eisenspiegel
Den Aderlass umgibt heute der Nimbus eines überholten Naturheilverfahrens aus der Antike. Doch bei einigen Erkrankung wird er noch immer - auch in der Schulmedizin - eingesetzt. Zu ihnen gehört die Eisenüberladung, die unbehandelt schwerwiegende Folgen haben kann.
Bei krankhaft erhöhten Eisenspiegeln im Blut stellt - neben der medikamentösen Therapie mit Eisenchelatoren - der Aderlass (medizinisch auch Phlebotomie) eine wirksame Methode dar, das überschüssige Eisen aus dem Körper zu entfernen. Sie wird allerdings vor allem dann angewendet, wenn die Grunderkrankung, welche die erhöhten Eisenspiegel zur Folge hat, nicht zugleich die Blutbildung einschränkt. Der Aderlass eignet sich daher beispielsweise für Patienten mit Polycythaemia vera oder hereditärer (erblicher) Hämochromatose.
Aderlass in Schulmedizin selten
Das von der Antike bis ins 19. Jahrhundert hinein bekannte und weit verbreitete Naturverfahren ist heute weitgehend aus der Schulmedizin verschwunden. Es hat seine Bedeutung jedoch bei einigen Krankheitsbildern bewahrt. So konnten zahlreiche Studien nachweisen, dass der Aderlass sowohl bei Patienten mit primärer als auch bei Patienten mit sekundärer Eisenüberladung wirksam und gut verträglich ist.
Die Methode entfernt mit dem Blutfarbstoff Hämoglobin in den roten Blutkörperchen den größten Eisenspeicher des Körpers. Auch das Transporteisen lässt sich auf diese Weise reduzieren.
Oft mehrjährige Behandlung notwendig
Beim Aderlass wird den Erkrankten anfänglich in der Regel ein- bis zweimal pro Woche 500 ml Blut entnommen, die etwa 200-250 mg Eisen enthalten. Die Behandlung erfolgt unter Kontrolle der Eisenspiegel so lange, bis sämtliches überschüssiges Eisen aus dem Körper entfernt wurde das kann ein bis zwei Jahre dauern. Die Länge der Therapie und die Häufigkeit der notwendigen Blutentnahmen hängen vom Alter und Geschlecht des Patienten sowie vom Schweregrad der Symptome ab.
Sobald ein normaler Eisenspiegel erreicht ist, kann die Häufigkeit der Aderlässe in Abhängigkeit von den individuellen Symptomen und den Hämoglobin- sowie Serumferritin-Werten - auf drei- bis viermal pro Jahr reduziert werden. Denn dann müssen die Eisenspiegel nicht mehr gesenkt, sondern nur noch im Normalbereich gehalten werden.
Nach Informationen von:
Niederau, C.: Frühzeitige Aderlässe ermöglichen eine gute Prognose. In: Der Allgemeinarzt 12/2007, S. 24-27
Harrisons Innere Medizin. Dietel M, Suttorp N, Zeitz M (Hrgs.).
ABW-Wissenschaftsverlag, Berlin, 2005



