
Was ist MDS?
Wenn die Blutzellen im Knochenmark nicht mehr ausreifen
Als myelodysplastisches Syndrom (MDS) wird eine Gruppe von Erkrankungen bezeichnet, bei denen es zu einer Störung der Ausreifung einzelner Blutzelllinien kommt. Dabei treten vermehrt unreife Zellen im Knochenmark auf, unter denen die normale Blutproduktion leidet. Oft ist eine schwere Blutarmut die Folge
Wie äußert sich ein myelodysplastisches Syndrom?
Patienten, die an MDS leiden, zeigen aufgrund des Mangels an roten Blutkörperchen häufig vor allem Symptome einer Blutarmut. Das sind ein allgemeines, mit der Zeit zunehmendes Schwächegefühl, Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Blässe.
Ist die Zahl der weißen Blutkörperchen erniedrigt, können die Patienten vermehrt unter Infektionen leiden. Fehlen Blutplättchen kann eine Neigung zu Blutergüssen entstehen. Selbst kleinere Verletzungen führen dann unter Umständen zu starken und lang anhaltenden Blutungen.
Bis zu 50 Prozent der Erkrankungsfälle werden aber nicht aufgrund von Beschwerden festgestellt, sondern bei Routinekontrollen des Blutbildes.
Bei 25-30% der Patienten nehmen im Verlauf der Erkrankung die Reifungsstörungen der Blutzellen zu und die betroffenen Zellen werden schließlich zu Blutkrebszellen. Es entsteht eine so genannte akute myeloische (d.h. das Knochenmark betreffende) Leukämie.
Wie hängen die Blutbildung und das myelodysplastische Syndrom zusammen?
Blutzellen werden vom menschlichen Körper im Knochenmark gebildet. So genannte Stammzellen teilen sich und reifen in mehreren Schritten zu den verschiedenen Typen von Blutzellen aus. Dabei kann es sich um Blutplättchen, weiße oder rote Blutzellen (Erythrozyten) handeln.
Ein myelodysplastisches Syndrom entsteht als Folge einer Reifungsstörung in einer dieser Zelllinien. Obwohl der Körper reichlich Blutzellen bildet, tritt ein Mangel an ausgereiften Zellen eines Typs auf. Diesen Mangel versucht der Körper auszugleichen, indem er die Produktion des betroffenen Zelltyps ankurbelt. Dadurch kann die Ursache des Mangels, die Reifungsstörung der Zelllinie, jedoch nicht behoben werden. Deshalb bemüht sich der Körper, die Produktion noch weiter anzukurbeln, so dass ein Teufelskreis entsteht.
Schließlich verdrängen die zahllosen unausgereiften Zellen im Knochenmark die Zellen der gesunden Zelllinien. Auch andere Zellarten werden nun nicht mehr in hinreichender Menge hergestellt. Sind die roten Blutzellen von einem solchen Mangel betroffen, entsteht eine Blutarmut (Anämie), die in vielen Fällen nur durch regelmäßige Blutübertragungen ausgeglichen werden kann.
Insgesamt unterscheiden Ärzte und Wissenschaftler auf Grundlage der betroffenen Zelllinien sowie der Schwere der Blutarmut und der Zellveränderungen acht verschiedene Formen des myelodysplastischen Syndroms.
Wodurch wird ein myelodysplastisches Syndrom ausgelöst?
Bei neun von zehn MDS-Fällen gelingt es nicht, eine Ursache für den Krankheitsausbruch zu bestimmen. Bei 40 bis 50 Prozent der Betroffenen lassen sich jedoch Veränderungen im Erbgut nachweisen, die mit der Erkrankung im Zusammenhang stehen, aber nicht vererbt werden.
Bekannte mögliche Auslöser des myelodysplastischen Syndroms sind eine frühere Chemotherapie oder eine erfolgte Strahlenbehandlung. Ebenso können bestimmte Lösungsmittel wie, z.B. Benzol, MDS auslösen.
Wie häufig ist das myelodysplastische Syndrom?
Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 3.000 bis 10.000 Menschen an einem myelodysplastischen Syndrom. Im Durchschnitt sind die Betroffenen beim Ausbruch der Erkrankung bereits über 60 Jahre alt. Allerdings scheinen zunehmend auch jüngere Menschen an MDS zu erkranken. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Nach Informationen von:
Aul, C., Verbeek, W., Giagounidis A., Ganser A.: Kompetenznetz Leukämie. Myelodysplastische Syndrome: Informationen hierzu finden Sie unter der Internetadresse: http://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/e50/e3921/e3935/e5689/index_ger.html vom 21.3.2007
Informationen des Kompetenznetzes Leukämie zum myelodysplastischen Syndrom für Patienten und Angehörige. Unter: http://www.kompetenznetz-leukaemie.de
Informationen der Deutschen Leukämie- und Lymphom-Hilfe e.V. (Hrsg.): Transfusionsbedingte Eisenüberladung bei Patienten mit myelodysplastischem Syndrom oder aplastischer Anämie. Ein Leitfaden für Patienten. http://www.leukaemie-hilfe.de/Info/Literatur/Archiv/DLH_21_Eisen.pdf
Medical Tribune Nr.4/ Juli 2007: Oraler Eisenchelator erleichtert den Alltag für MDS Patienten



