
Eisenüberladung im Kindesalter
Ursachen und Diagnose: Untersuchung von Blut und Leber
Die häufigste Ursache von Eisenüberladung im Kindesalter sind Bluttransfusionen. Leben-mit-Transfusionen sprach mit der Expertin Frau Regine Grosse über den aktuellen Kenntnisstand zur Eisenüberladung im Kindesalter.
Ursachen von Bluttransfusionen im Kindesalter
Ca. 95 Prozent aller Fälle von Eisenüberladung im Kindesalter gehen auf Blutübertragungen zurück. Es gibt unterschiedliche Ursachen für Bluttransfusionen im Kindesalter, die zu einer Eisenüberladung führen können, so Frau Grosse, Kinderärztin in der Kinder hämatologischen Ambulanz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und Mitglied des Expertenrats von www.Leben-mit-Tranfusionen.de.
Dazu zählen:
- Bildungsstörungen des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) wie z.B. aufgrund einer Thalassämie major. Durch solche sogenannten Hämoglobinopathien litten die Kinder an einer Form von Blutarmut (Anämie), die nur durch regelmäßige Blutübertragungen (Bluttransfusionen) behoben werden könne. Dadurch bestehe die Gefahr einer Eisenüberladung.
- Chemotherapien zur Behandlung von Krebserkrankungen oder zur Vorbereitung einer Knochenmarktransplantation unterdrücken die normale Blutbildung im Knochenmark. Im Verlauf einer derartigen Behandlung können deshalb wiederholt Bluttransfusionen erforderlich sein.
- Aplastische Anämien sind durch schwere Störungen der Bildung von Blutzellen gekennzeichnet. Auch bei diesen Erkrankungen können wiederholte Blutübertragungen erforderlich sein.
Bluttransfusionen nach Verletzungen oder Operationen, die zu erheblichen Blutverlusten geführt haben, bergen hingegen kein Risiko für eine Eisenüberladung. Mit den Blutkonserven erhält der Organismus nur diejenige Menge Eisen zugeführt, die zuvor durch die Blutung verloren gegangen ist. Es entsteht also kein Eisenüberschuss, der vom Körper eingelagert wird.
Ab wie vielen Bluttransfusionen muss mit einer Eisenüberladung gerechnet werden? Bisher gilt als Richtwert, dass ab 20 Bluttransfusionen von einer Eisenüberladung ausgegangen werden muss. Dieser Richtwert stammt jedoch aus der Erwachsenen-Medizin. Frau Grosse schränkt daher ein: "Es geht immer mehr in die Richtung, dass wir auch schon bei Kindern, die nur zehn Bluttransfusionen erhalten haben, eine Eisenüberladung sehen." Der Grenzwert liege vermutlich irgendwo zwischen zehn und 20 Blutübertragungen. "Ab 20 ist die Eisenüberladung hundertprozentig sicher."
Wie wird eine Eisenüberladung bei Kindern festgestellt?
Der erste Schritt zur Diagnose "Eisenüberladung" ist eine Blutuntersuchung. Gemessen werden dabei:
- Ferritin - ein Eiweißmolekül, das für die Speicherung von Eisen verantwortlich ist.
- Eisen im zellfreien Blut (Plasma)
- Transferrin- ein Eiweißmolekül, das für den gerichteten Transport von Eisen im Körper zuständig ist.
- Transferrinsättigung - zusammen mit den Werten für Eisen und Transferrin erlaubt die Transferrinsättigung Rückschlüsse auf den Eisenstoffwechsel.
Finden sich bei diesen Laboruntersuchungen Hinweise auf eine Eisenüberladung, wird die Eisenmenge im Körper bestimmt. Da vier Fünftel des eingelagerten Eisens in der Leber gespeichert werden, erfolgt die Messung an der Leber.
"Früher hat man dazu mit einer Nadel in die Leber gestochen und eine Gewebeprobe entnommen", erläutert Frau Grosse. Anhand der Gewebeprobe wurde dann der Eisengehalt des Lebergewebes bestimmt. Inzwischen gäbe es jedoch zwei neuere Verfahren, die ohne Eingriff in den Körper auskämen:
- Die Messung mit dem SQUID-Biomagnetometer nutzt einen äußerst empfindlichen Magnetfeldsensor, der den Eisengehalt der Leber aufgrund von Magnetfeldänderungen bestimmen kann. Bei der Untersuchung liegt der Patient auf einer Liege, die durch das Magnetfeld des SQUID-Biomagnetometers bewegt wird. Das Eisen in der Leber erzeugt Störungen des Feldes, aus denen die eingelagerte Eisenmenge errechnet wird.Der größte Nachteil des Untersuchungsverfahrens ist, dass es in Deutschland bisher nur in Hamburg und auch weltweit nur an drei weiteren Orten durchgeführt werden kann. Zur Bestimmung der Eisenmenge mittels SQUID-Biomagnetometer müssen die Patienten daher nach Hamburg reisen.
- Die Bestimmung des Leber-Eisens mittels Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspintomographie erfolgt anhand einer genau festgelegten Reihe von MRT-Bildern der Leber. Die Daten dieser Untersuchung werden zur Auswertung an einen Experten in Australien übermittelt. Dort wird mit einer Spezialsoftware aus den Bildern der Eisengehalt der Leber errechnet. Voraussetzung für dieses Verfahren ist, so Frau Grosse, dass die MRT-Bilder exakt nach standardisierten Vorgaben angefertigt werden. "Solche speziellen Untersuchungen gehen eigentlich nur in Zentren, die sich mit Eisenüberladung auskennen ? das sind in der Regel Universitätskliniken." Gegenüber der Untersuchung mit dem SQUID-Biomagnetometer verkürzt sich für viele Patienten der Anreiseweg zur Untersuchung erheblich.
Interview mit Frau Regine Grosse vom 10. September 2008
Eisenüberladung im Kindesalter: Leben-mit-Transfusionen sprach mit Frau Regine Grosse, Kinderärztin in der Kinder hämatologischen Ambulanz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und Mitglied des Expertenrats von www.Leben-mit-Tranfusionen.de, über den aktuellen Kenntnisstand zur Eisenüberladung im Kindesalter.



