
Diagnose Eisenüberladung
Blutuntersuchungen stehen zunächst im Vordergrund
Wenn sich eine Eisenüberladung bemerkbar macht, hat sie womöglich bereits lebenswichtige Organe im Körper geschädigt. Daher erfolgen bei erhöhtem Risiko regelmäßig entsprechende Blutuntersuchungen, um schwerwiegende Folgen möglichst zu vermeiden. Denn eine rechtzeitige Therapie, beispielsweise mit Eisenchelatoren, kann das Eisen wieder aus dem Körper entfernen.
Da ein Patient, der auf regelmäßige Bluttransfusionen angewiesen ist, eine Eisenüberladung erst dann bemerkt, wenn bereits eine erhebliche Gewebeschädigung an Herz oder Leber eingetreten ist, muss er gezielt auf die Störung untersucht werden. Dazu dient vor allem die Messung des Serumferritins im Blut.
Ferritin ist das normale Eisenspeicher-Molekül, das sich sowohl in den Organen als auch im Blut befindet. Ist im Körper viel Eisen vorhanden, wird entsprechend viel Ferritin gebildet. Normale Serumferritin-Werte liegen unterhalb von ca. 300 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter; Nanogramm = ein Milliardstel Gramm). Werte über 1.000 ng/ml weisen auf eine Eisenüberladung hin. Dabei ist allerdings zu beachten, dass auch eine Entzündungsreaktion die Ferritin-Werte erhöhen kann. Daher muss diese zunächst ausgeschlossen werden, um eine Eisenüberladung nachzuweisen.
Zusätzlich kann der Arzt die Sättigung von Transferrin bestimmen. Das Haupttransportprotein von Eisen im Blut weist bei Eisenüberladung eine erhöhte Sättigung auf. Die Messung von freiem Eisen im Blut hilft demgegenüber wenig, da die Werte von Tag zu Tag und sogar innerhalb eines Tages stark schwanken.
Regelmäßige Blutuntersuchungen
Da die Eisenüberladung nur durch entsprechende Untersuchungen frühzeitig erkannt werden kann, erfolgen bei Patienten, die aufgrund einer Erkrankung wiederholt Bluttransfusionen benötigen, regelmäßig (mindestens alle 3 Monate) Messungen der Serumferritin-Werte im Blut. Bei einem Anstieg der Serumferrritin-Werte über 1.000 ng/ml muss eine Therapie, beispielsweise mit sogenannten Eisenchelatoren, zwar nicht unverzüglich beginnen, sie sollte aber zumindest von Arzt und Patient erörtert werden.
Auch nach Beginn der Therapie werden die Untersuchungen fortgeführt, um den Erfolg zu kontrollieren. Denn das Ziel der Behandlung ist letztendlich ein Absenken der Serumferritin-Werte auf den Normbereich bzw. zumindest unter den Wert von 1.000 ng/ml.
Mit MRT die Leber darstellen
Mit Hilfe bildgebender Verfahren lässt sich darüber hinaus darstellen, in welchen Organen sich das überschüssige Eisen bereits abgelagert hat. Für den klinischen Einsatz eignet sich die Kernspin- bzw. Magnetresonanztomographie (MRT) am besten.
Mit ihrer Hilfe lassen sich zum Beispiel Eisenansammlungen in der Leber messen, die als das Organ mit der größten Eisenspeicherkapazität bei schwerer Eisenüberladung praktisch immer geschädigt ist. Die üblichen Leberwerte im Serum können hingegen noch weitgehend unauffällig sein.
Die Untersuchung von Gewebeproben liefert zudem Hinweise darauf, ob eine Eisenüberladung zur Leberzellschädigung und Fibrose (Narbenbildung) geführt hat bzw. bereits eine nicht mehr rückbildungsfähige Zirrhose vorliegt. Da die hierfür notwendige Leberpunktion jedoch eine invasive Methode darstellt, die ein gewisses Blutungs- und Infektionsrisiko in sich birgt, wird sie zunehmend durch die Kernspintomographie ersetzt.
Auch Herz und Drüsen untersuchen
Liegt eine Eisenüberladung vor, sollte neben der Leber auch das Herz untersucht werden, um rechtzeitig mögliche Schädigungen zu erkennen. Die Untersuchungen erfolgen in der Regel mittels Elektrokardiogramm (EKG) und Ultraschall (Echokardiographie). Darüber hinaus wird es künftig an einigen spezialisierten Zentren möglich sein, das Ausmaß der Eisenüberladung im Herzmuskel mit Hilfe der Kernspintomographie zu bestimmen.
Da bei Eisenüberladung neben Leber und Herz auch die hormonproduzierenden Drüsen beeinträchtigt sein können, sollte darüber hinaus deren Funktion anhand von Blutuntersuchungen überprüft werden. Dabei ist die Bauchspeicheldrüse insbesondere zu beachten, weil ihre Schädigung zu einer verminderten Insulinproduktion und daher zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) führen kann.
Nach Informationen von:
Informationen der Deutschen Leukämie- und Lymphom-Hilfe e.V. (Hrsg.): Transfusionsbedingte Eisenüberladung bei Patienten mit myelodysplastischem Syndrom oder aplastischer Anämie. Ein Leitfaden für Patienten. http://www.leukaemie-hilfe.de/Info/Literatur/Archiv/DLH_21_Eisen.pdf
Transfusionsbedingte Eisenüberladung bei Patienten mit myelodysplastischem Syndrom oder aplastischer Anämie - Ein Leitfaden für Patienten. Novartis



