Bildgebende Verfahren

Szintigraphie

Die Szintigraphie ist ein bildgebendes Verfahren, das mit Hilfe leicht radioaktiver Stoffe, die in die Blutbahn gespritzt werden, Entzündungen oder Tumoren in Organen und Knochen sichtbar macht. Das Verfahren wird auch angewandt, um die Funktionsfähigkeit von Organen zu überprüfen.

Szintigraphie
Zur Szintigraphie wird eine leicht radioaktive Substanz injiziert, die sich in bestimmten Geweben ablagert und mit einer speziellen Kamera abgebildet werden kann.
iStock

Mit der Szintigraphie (alternative Schreibweise: Szintigrafie) kann die Funktionsfähigkeit und Durchblutung einzelner Organe dargestellt werden. Dazu werden dem Patienten radioaktive Substanzen, so genannte Radionuklide injiziert, von denen eine leichte Gamma-Strahlung ausgeht. Oft sind diese Substanzen an Trägerstoffe gekoppelt, die der Körper leicht aufnehmen kann, wie beispielsweise Eiweiße oder Salze. Man spricht dann von einem Radiopharmakon. Welches Radionuklid beziehungsweise Radiopharmakon verabreicht wird, hängt vom untersuchten Gewebe ab.

So werden beispielsweise bei der Schilddrüsenszintigraphie Jodverbindungen eingesetzt, da diese sich bevorzugt in der Schilddrüse ablagern, während bei der Skelettszintigraphie Phosphonsäure geeignet ist, da diese besonders gut in Knochen verstoffwechselt wird.

So funktioniert die Szintigraphie

Der Szintigraphie liegt die Erkenntnis zugrunde, dass sich der Stoffwechsel in entzündetem Gewebe oder Tumorzellen verändert. Die radioaktiven Substanzen lagern sich deshalb dort anders an als an gesundem Gewebe. Eine spezielle Kamera, die Gammakamera, registriert die Stahlung im Körper. Sie ist mit einem Computer verbunden, der die empfangenen Signale in Bilder umwandelt, ein so genanntes Szintigramm.

Das kann ein Strichrasterbild sein, auf dem Gewebe mit viel Strahlung und damit besonders dicht angelagerten radioaktiven Substanzen als dunkle Stellen dargestellt wird. Inzwischen gibt es aber auch Farb-Szintigramme, auf denen die unterschiedliche Strahlungsintensität in verschiedenen Farben dargestellt wird. Typischerweise werden Bereiche mit hoher Strahlungsaktivität rot dargestellt, mit schwacher Strahlungsaktivität in Blau.

Sequenzszintigraphie macht Herzdurchblutung sichtbar

Bei einer Herzszintigraphie werden Radiopharmaka verabreicht, die sich am Herzmuskel anlagern. Soll die Durchblutung im Herzen angezeigt werden, wird die Untersuchung in bestimmten zeitlichen Abständen wiederholt. Auf diese Weise lässt sich auch ersehen, wie schnell die radioaktiven Substanzen einzelne Herzmuskelbereiche erreichen. Diese Methode wird auch als Sequenzszintigraphie bezeichnet, während man bei der einfachen Szintigraphie auch von einer statischen Szintigraphie spricht.

Eine weitere Form dieses Verfahrens ist die Funktionsszintigraphie, mit der sich die Funktionsfähigkeit einzelner Organe überprüfen lässt. Dieses Verfahren wird zum Beispiel zur Untersuchung der Nierenfunktion eingesetzt. Dazu wird in der Regel Tc-99m-MAG-3 gespritzt, ein Radiopharmakon, dass sich fast ausschließlich über die Nieren abbaut – bei gesunden Menschen innerhalb von drei Stunden. Zwei Aufnahmefrequenzen, einmal über 30 Minuten und danach über 20 Minuten hinweg zeigen an, wie schnell das Radiopharmakon abgebaut wird, und liefern damit Rückschlüsse auf die Nierenfunktion.

Vorbereitung: Keine jodhaltigen Arzneien vor Schilddrüsenszintigraphie

Eine besondere Vorbereitung wie beispielsweise der Verzicht auf Essen und Trinken vor der Untersuchung ist meist nicht notwendig, sollte aber in jedem Fall mit dem Arzt besprochen werden. Wichtig ist jedoch, im Vorfeld der Untersuchung den Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren, da verschiedene Substanzen die Szintigraphie beeinträchtigen können. Dies gilt in besonderem Maße für die Schilddrüsendiagnostik. Hier sollten zum Beispiel Schilddrüsenhormone und jodhaltige Medikamente für drei Wochen abgesetzt werden, und es dürfen in einem bestimmten Abstand zur Untersuchung keine jodhaltigen Röntgenkontrastmittel verwendet werden. Zur Untersuchung selbst sollte man Schmuck und Metallgegenstände wie Schlüssel, Gürtelschnallen, Brieftaschen ablegen.

Ablauf und Dauer der Untersuchung

Je nachdem, welches Organ beziehungsweise welches Gewebe untersucht werden soll, muss für die Untersuchung einige Zeit eingeplant werden – unter anderem deshalb, weil die verschiedenen eingesetzten Stoffe unterschiedlich lange brauchen, um  in das zu untersuchende Gewebe zu gelangen. So nimmt beispielsweise eine Knochenszintigraphie etwa drei Stunden in Anspruch, eine Schilddrüsenszintigraphie 30 bis 40 Minuten. Manchmal muss das Ganze am Folgetag wiederholt werden, wie dies zum Beispiel bei einer Knochenmarkszintigraphie zum Teil der Fall ist. Auch die Untersuchungszeit mit der Gammakamera variiert zwischen wenigen Minuten bis zu einer Stunde.

PET-Scanner liefert genauere Ergebnisse

Der Untersuchungsablauf beginnt in der Regel damit, dass das jeweilige Radiopharmaka in die Armvene injiziert wird. Nun muss gewartet werden, bis es sich im untersuchten Bereich angereichert hat. Dann kann die Untersuchung mit der Kamera beginnen. Je nach untersuchtem Körperbereich liegt man dazu auf einer Liege oder steht vor dem Gerät. Alternativ zur Gammakamera kann auch ein spezieller Scanner, der so genannten PET-Scanner eingesetzt werden, um die Gammastrahlung zu messen. Er ist ähnlich einem Computertomographen als großer Ring aufgebaut und ermöglicht dank einer besonderen Technik noch genauere Untersuchungsergebnisse.  Nach der Untersuchung, in manchen Fällen schon während des Ablaufs selbst, soll möglichst viel getrunken werden, damit die radioaktiven Stoffe schneller wieder ausgeschieden werden.

Einsatzgebiete der Szintigraphie

Die Szintigraphie kann zur Diagnose verschiedenster Erkrankungen eingesetzt werden. Sie hat den Vorteil, Stoffwechselvorgänge sichtbar machen zu können, die anderen bildgebenden Verfahren wie beispielsweise Computertomographie (CT) oder die MRT (Magnetresonanztomographie) verborgen bleiben. Auf diese Weise können Erkrankungen schon in einem sehr frühen Stadium erkannt werden.

Die Szintigraphie spielt beispielsweise in der Krebsmedizin eine entscheidende Rolle. Tumore und vor allem Metastasen, auch Knochenmetastasen, können frühzeitig erkannt und behandelt, Krankheitsverlauf und Therapieerfolg kontrolliert werden.

In der Kardiologie wird das Verfahren genutzt, um die Durchblutung des Herzmuskels darzustellen, etwa bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, akutem Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen. Sie dient auch als Kontrolluntersuchung, wenn  Medikamente eingesetzt werden, die den Herzmuskel schädigen können.

Weiteres Einsatzgebiet ist die Funktionsüberprüfung und Untersuchung verschiedener Organe, darunter der Schilddrüse bei Verdacht auf Überfunktion, Zysten oder bösartige Tumore der Lunge und bei Verdacht auf Lungenembolie. Auch entzündliche Erkrankungen des Skeletts wie Rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew lassen sich mit der Szintigraphie diagnostizieren.

Risiken: Strahlenbelastung wie beim Röntgen

Für den Patienten ist die Untersuchung schmerzfrei bis auf die Injektion des Radiopharmakons, die vergleichbar mit einer Blutabnahme ist und als unangenehm empfunden werden kann. Vergleichbar gering ist auch das Risiko für eine Verletzung von Blutgefäße oder Nerven beim Einspritzen oder Infektionen an der Einstichstelle. Die Strahlenbelastung ist relativ niedrig, da nur schnell abbaubare, strahlungsschwache Radiopharmaka eingesetzt werden; sie ist mit Belastung einer Röntgenaufnahme vergleichbar.

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Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2016

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