Bildgebende Verfahren

Röntgen

Der Begriff Röntgen bezeichnet in der Medizin die Untersuchung einer bestimmten Körperregion durch Röntgenstrahlen. Dadurch können beispielsweise Organe oder Knochen bei Verdacht auf eine Krankheit oder im Anschluss an eine Therapie untersucht werden.

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Röntgenaufnahme einer Schulter: Durch die gewebetypische Absorption der Röntgenstrahlung entsteht ein Graustufenbild der geröntgten Körperregion.
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Bei einer Röntgenuntersuchung werden Röntgenstrahlen eingesetzt, um einzelne Körperregionen zu untersuchen. Dabei macht man sich die Tatsache zu Nutze, dass verschiedene Gewebe die Röntgenstrahlen unterschiedlich stark absorbieren.

Die Methode ist heute eine Standarduntersuchung in der Diagnostik. Sie ist schnell und einfach durchzuführen, kostengünstig und vielseitig einsetzbar. Nicht außer acht gelassen werden sollte die Strahlenbelastung, welche das Risiko für Krebserkrankungen erhöht und vor allem die Keimzellen (Eizellen und Samenzellen) schädigen kann.

Deshalb sollte der Arzt abwägen, ob die Indikation eine Röntgenuntersuchung rechtfertigt. Es empfiehlt, einen Röntgenpass zu führen. Dieses Dokument ähnelt einem Impfpass – in ihm werden die durchgeführten Röntgenuntersuchungen inklusive Datum festgehalten. Eine solche Übersicht schützt vor zu häufigem Röntgen.

Wann wird eine Röntgenuntersuchung nötig?

Im Prinzip kann jede Region des Körpers geröntgt werden, wobei die Qualität und Aussagekraft des jeweiligen Bildes stark von der Dichte des untersuchten Gewebes abhängt. Die korrekte Ausrichtung von zu untersuchendem Organ und Röntgengerät spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.

Eine Untersuchung mittels Röntgenstrahlen wird hauptsächlich im Rahmen der medizinischen Diagnostik durchgeführt. Bei Verdacht auf Knochenbrüche, Krebs, Fremdkörper oder Entzündungen kann eine Röntgenuntersuchung einen ersten Hinweis liefern oder bereits eine deutliche Diagnose ermöglichen.

Spezielle Röntgen-Verfahren im Überblick

Beispielhafte Anwendungen der Röntgendiagnostik sind:

  • Röntgen des Knochensystems zur Diagnose von Knochenbrüchen, Verschleiß, Entzündungen und Verletzung von Gelenken, Sehnen oder Bändern

  • Röntgenuntersuchungen des Kopfes zur Feststellung von Schädelbrüchen und Entzündungen der Nasennebenhöhlen. In der Zahnmedizin wird mit Röntgenaufnahmen der Zahnstatus des gesamten Gebisses erhoben, es können Fehlstellungen, Entzündungen von Zahnwurzeln sowie Karies (auch unter Plomben) und Parodontitis diagnostiziert werden.

  • Beim Thorax-Röntgen werden die Organe des Brustraums durchleuchtet. Feststellen lassen sich so zum Beispiel angeborene Herzfehler, Herzmuskelentzündungen, Lungenkrebs oder Tuberkulose. Auch krankhafte Veränderungen an den großen Blutgefäßen im Brustraum und Gefäßverschlüsse lassen sich erkennen. Dieses spezielle Röntgenverfahren nennt man auch Angiographie.

  • Eine Röntgenuntersuchung des Bauchraums wird bei Verdacht auf chronische Darm-Entzündungen, Tumoren an Magen und Darm sowie bei der Diagnose von Nieren- und Harnwegserkrankungen und der Lokalisation von großen Nierensteinen angeordnet.

  • Röntgen der weiblichen Brust: Die Mammographie dient vor allem der Früherkennung von bösartigem Brustkrebs. Bei der Galaktographie werden die Milchgänge der Brust untersucht.

  • Auch die Computertomographie ist eine spezielle Form des Röntgens. Hierbei werden viele einzelne Schnittbilder angefertigt.

  • Bei der Phlebographie handelt es sich um ein Röntgenverfahren, mit dem sich tief liegende Venen darstellen lassen. Sie kommt unter anderem bei Verdacht auf Thrombose zum Einsatz.

  • Die Knochendichtemessung beruht ebenfalls auf Röntgenstrahlung.

So funktioniert das Röntgen

Röntgenstrahlen gehören zu den elektromagnetischen Wellen und werden mittels einer Röntgenröhre (Hochvakuumelektronenröhre) erzeugt. Die Strahlung durchdringt das Gewebe und wird je nach Dichte des zu untersuchenden Gewebes unterschiedlich stark absorbiert. Die Reststrahlung, die auf den Röntgenfilm trifft, erzeugt das Graustufenbild.

Digitales Röntgen

Heute werden jedoch kaum noch klassische Röntgenfilme oder Platten eingesetzt, vielmehr werden die Bilder oft digital erzeugt. Vorteile gegenüber der konventionellen Röntgentechnik sind eine geringere Röntgenstrahlung und die Möglichkeit zur nachträglichen Bearbeitung der gewonnenen Bilder.

Die Strahlendosis bei einer Röntgenuntersuchung richtet sich nach der Dichte der betreffenden Region und wird durch eine Anpassung der Spannung in der Röntgenröhre erzielt. So wird zum Beispiel für die Mammographie eine höhere Dosis benötigt als für eine Röntgenuntersuchung des Fußknöchels.

Vorbereitung und Ablauf der Röntgenuntersuchung

Vor dem Röntgen müssen Kleidungsstücke sowie Uhren, Schmuck und sonstige Metallgegenstände abgelegt werden. Die Röntgenanlage besteht aus einem Röntgenapparat und einer Liege, auf welcher der Patient liegt oder sitzt, während das Bild aufgenommen wird. Aufnahmen des Kiefers, der Wirbelsäule oder des Brustkorbs werden häufig auch im Stehen angefertigt.

Röntgenbild Zähne
Eine Panorama-Aufnahme ist etwa ein Röntgenbild des gesamten Gebisses.
iStock

Hierzu wird das betreffende Körperteil auf eine Platte, den Röntgenfilm, gelegt und genau ausgerichtet. Danach verlässt das medizinische Personal den Raum und löst die Aufnahme vom Nebenraum aus. Über Lautsprecher können Anweisungen gegeben werden. Während der Aufnahme, die nur einen Sekundenbruchteil dauert, sollte man so ruhig wie möglich stehen und den Atem anhalten, damit das Bild nicht unscharf wird.

Oft werden Aufnahmen in verschiedenen Ebenen erstellt, zum Beispiel bei Knochenbrüchen und Gelenkverletzungen. Der Betroffene liegt einmal auf der Seite, um eine Aufnahme der Innen- oder Außenseite des Gelenks zu ermöglichen und einmal auf dem Rücken, damit die Röntgenaufnahme mit Blick von oben durchgeführt werden kann.

Im Falle einer akuten Verletzung wird selbstverständlich darauf geachtet, dem Betroffenen keine weiteren Schmerzen zuzufügen. Zum Schutz vor Strahlen wird dem Betroffenen vor der Aufnahme eine Bleischürze über den Unterleib gelegt, da Röntgenstrahlen Blei nicht durchdringen können.

Einsatz von Kontrastmittel beim Röntgen

Eine Röntgen-Kontrastuntersuchung ermöglicht eine deutliche Darstellung von Regionen, die mit einem einfachen Röntgenbild nicht ausreichend sichtbar gemacht werden können, da sie schwer zugänglich sind.

Hierzu wird das Kontrastmittel über eine Tablette oder eine Injektion verabreicht und nach einer bestimmten Wirkungszeit die Röntgenuntersuchung durchgeführt. Das Kontrastmittel verändert die Eigenschaften des gewünschten Gewebes und ermöglicht ein kontrastreiches Röntgenbild. So können Organe oder Blutgefäße auf dem Röntgenfilm deutlich sichtbar gemacht werden.

Röntgen-Risiko Strahlenbelastung

Bei jeder Durchleuchtung wird der Patient einer gewissen Strahlung ausgesetzt. Abhängig vom Körperteil ist diese Strahlung unterschiedlich hoch. In der Regel liegt dieser Wert jedoch unterhalb der Strahlenexposition, welcher der Mensch innerhalb eines Jahres natürlicherweise ausgesetzt ist. So beträgt die Strahlenmenge bei einer Durchleuchtung der Lunge in etwa der eines Transatlantikflugs.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter und Kindern sollte eine Röntgenuntersuchung nur sparsam eingesetzt werden, in der Schwangerschaft möglichst vermeiden werden. Denn je nach Zeitpunkt und Stärke der Bestrahlung können Fehlbildungen an Organen und Wachstumsstörungen des Ungeborenen auftreten.

Bei der Verwendung von Kontrastmitteln können allergische Reaktionen auftreten. Wenn eine Allergie auf Kontrastmittel bekannt ist, sollte der behandelnde Arzt vor der Untersuchung darauf hingewiesen werden.

Alternative Untersuchungsmethoden zum Röntgen

In einigen Fällen können alternativ zur Röntgenuntersuchung beispielsweise eine Ultraschall (Sonographie), eine Computertomographie (CT) oder eine MRT (Kernspintomographie) durchgeführt werden. Diese Verfahren unterscheiden sich jedoch in Qualität und Anwendungsmöglichkeiten sehr voneinander. Die Alternative ist abhängig von der Körperregion, die untersucht werden soll.

Der Ultraschall etwa eignet sich vorwiegend für Untersuchungen innerer Organe wie Nieren und Gebärmutter. Eine MRT wird oft zur Untersuchung von Gelenken angewandt. In jedem Fall muss der behandelnde Arzt abwägen, welche Methode sinnvoll ist.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 21. Januar 2016
Durch: es
Quellen: Kauffmann, G.W. et al.: Röntgenfibel. Axel Springer-Verlag, Berlin 2001 Oestmann, J.W.: Radiologie. Vom Fall zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005 Online-Informationen des Bundesamts für Strahlenschutz: http://www.bfs.de (Stand 12/2007)

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