Neurostatus

Neurologische Untersuchung

Die neurologische Untersuchung ist eine körperliche Routineuntersuchung, mit der Zustand und Funktion des Nervensystems überprüft werden.

Neurologische Untersuchung
Die Reflexprüfung ist Teil der neurologischen Untersuchung.
PantherMedia / Sergey Kirtaev

Die neurologische Untersuchung besteht aus mehreren Tests und Verfahren, mit denen der Arzt bei bestimmten Beschwerden abklärt, ob diese ihre Ursache in einer Erkrankungen des Nervensystems haben könnten. Der Facharzt für solche Erkrankungen ist der Neurologe, für den die neurologische Untersuchung zum Basis-Diagnoseverfahren gehört.

Vorbereitung: Beschreiben Sie Ihre Beschwerden im Detail

Überprüft wird dabei die Funktion der Hirnnerven, Gleichgewicht und Gang, Kraft, Sensibilität und Koordinationsvermögen, wobei die Untersuchung selbst zwar einem bestimmten Muster folgt, jedoch an den Bedürfnissen und Beschwerden ausgerichtet variiert werden kann. Eine besondere Vorbereitung auf die Untersuchung ist nicht nötig. Jedoch wird der Neurologe vor der eigentlichen Untersuchung ein ausführliches so genanntes Anamnesegespräch mit Ihnen führen, mit dem sich der Arzt ein Bild Ihrer Krankengeschichte und Ihre derzeitigen Symptome verschafft. Scheuen Sie sich dabei nicht, Ihre Beschwerden möglichst detailliert zu beschreiben – was genau macht Ihnen zu schaffen, seit wann, wie oft, unter welchen Umständen treten die Beschwerden auf – denn diese Informationen können dem Arzt bereits entscheidende Hinweise.

Ablauf der neurologischen Untersuchung

Die Reihenfolge der anschließenden Untersuchung kann variieren; einer Arbeitsanweisung des Universitätsklinikums Erlangen beispielsweise beginnt der Arzt mit der Überprüfung des Bewusstseinszustandes seines Patienten. Dabei kommt Ihre Orientierungs- und Konzentrationsfähigkeit auf den Prüfstand.  Anschließend überprüft er, ob eine Nackensteifigkeit vorliegt. Dieses Symptom tritt typischerweise bei einer Hirnhautentzündung oder bestimmten Hirntumore auf und entsteht durch eine reflexartige Anspannung der Nackenmuskeln.

Es folgt die Untersuchung von Kopf und Hirnnerven. Es gibt insgesamt zwölf Hirnnerven, die aufgrund ihrer teils langen und komplizierten lateinischen Bezeichnungen zur Vereinfachung in der Anatomie durchnummeriert wurden mit einer Ausnahme Kopf- und Halsbereich versorgen. Nur der Hirnnerv X., der "Nervus Vagus", reicht bis in den Bauchraum. Die Hirnnerven ermöglichen Riechen, Sehen,  Pupillenbewegungen und Augenmotorik, die Empfindungsfähigkeit der Gesichtshaut, Mimik, Hören und Gleichgewicht, Schlucken, Stimmritzenöffnung, Kopfdrehen und Anheben der Schultern sowie die Zungenbewegung.

Geruchssinn, Mimik, Gleichgewicht werden überprüft

Ihre Funktionsfähigkeit wird mit entsprechenden einfachen Tests überprüft. Hirnnerv I, der Nervus olfactorius, der für den Geruchssinn zuständig ist, wird beispielsweise kontrolliert, indem Ihnen bei geschlossenen Augen ein Duftstoff unter eine Nasenöffnungen gehalten wird, den es wahrzunehmen gilt, während die jeweils andere Nasenöffnung verschlossen ist. Für die Überprüfung des Hinnerv VII, des Nervus fascialis, der für die  Mimik zuständig ist, müssen Sie auf Anweisung das Gesicht verziehen, zum Beispiel die Stirn runzeln, die Backen aufblasen oder lächeln. Etwas komplizierter kann die Prüfung des Hirnnervs VIII. des Nervus vestibulocochlearis, der unter anderen für das Gleichgewicht zuständig ist. Hier kommen Tests aus der Gleichgewichtsprüfung wie Nystagmus-Prüfung , Romberg'scher Stehversuch und Unterberger-Tretversuch zum Einsatz. Für jeden der Hirnnerven stehen entsprechende kurze Tests zur Verfügung.

Nerventests an Rumpf und Gliedmaßen

Nach den Hirnnerven untersucht der Neurologe  die Nerven, den Rumpf und die Gliedmaßen versorgen. Der Arzt begutachtet die Muskeln und  untersucht sie auf Auffälligkeiten, beispielsweise lokale Verringerungen des Muskelumfangs, so genannte Atrophien, sowie auf Assymetrien. Danach kommen Kraft und Beweglichkeit, Reflexe, Sensibilität und Koordinationsfähigkeit auf den Prüfstand. Auch hier greift der Neurologe wieder auf einfache Tests zurück. Zur Überprüfung von Kraft und Beweglichkeit wird der Neurologe Sie beispielsweise auffordern, bestimmte Bewegungen gegen seinen Widerstand auszuführen. In Bezug auf die Armmuskulatur kann dies unter anderem das Beugen und Strecken des Arms im Ellenbogen sein, während der Arzt dagegenhält. Die entsprechende Überprüfung der Kraft in Beinen und Füßen erfolgt im Liegen.

Reflexprüfung mit dem Hammer

Zur Prüfung der Reflexe, worunter eine nicht willentlich beeinflussbare, immer gleich ablaufende Reaktion auf einen Reiz zu verstehen ist, bedient sich der Arzt eines speziellen "Reflexhammers". Klopft er damit leicht auf die Sehne eines Muskels, sollte dieser sich unwillkürlich zusammenziehen.

Die Prüfung der Sensibilität umfasst das Testen des Empfindens von Berührung und je nach Beschwerdebild von Schmerz, Temperatur und Druck. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. So kann der Untersucher Ihnen beispielswese mit einem Streichholz an verschiedenen Körperstellen leicht über die Haut streichen und Sie bitten, ihm eventuelle taube Bereiche mitzuteilen. Sie werden aufgefordert, mit geschlossenen Augen Zahlen zu erkennen, die der Arzt Ihnen mit dem Finger auf die Haut zeichnet. Meist kommt auch ein Vibrationsreiz zum Einsatz. Dabei wird gerne auf eine Stimmgabel zurückgegriffen: Der Arzt hält Ihnen eine vibrierende Stimmgabel auf die Fuß- oder Handknöchel. An Ihnen ist es dann zu sagen,  wie lange Sie die Vibrationen wahrnehmen können.

Koordination und vegetatives Nervensystem

Tests zur Prüfung Ihrer Koordinationsfähigkeit bestehen beispielsweise darin, dass Sie aufgefordert werden, mit geschlossenen Augen beide Arme gerade nach vorn zu strecken und dann abwechselnd mit dem rechten und dem linken ausgestreckten Zeigefinger Ihre Nasenspitze zu berühren.

Schwieriger ist die Untersuchung des vegetativen Nervensystems, das nicht willentlich gesteuert wird und für die Tätigkeit der Körperfunktionen wie  Atmung, Kreislauf, Verdauung, Stoffwechsel oder Körpertemperatur steuert. Hier ist der Untersucher neben der Messung von Puls, Blutdruck, Körpertemperatur und Hautfeuchtigkeit auch auf Ihre Angaben zur Blasen- und Darmtätigkeit angewiesen.

Wann der Neurostatus erhoben wird

Da sich die verschiedenen Tests relativ schnell durchführen lassen, können Sie mit einer kurzen Untersuchungszeit rechnen, die von einigen Praxen mit fünf Minuten angegeben wird. Die Ergebnisse der Untersuchung werden festgehalten und auch als Neurostatus beziehungsweise neurologischer Befund bezeichnet. Die neurologische Untersuchung ist völlig risikolos und in der Regel schmerzfrei; lediglich einzelne Test zur Sensibilität können als unangenehm empfunden werden.

Die neurologische Untersuchung liefert wichtige Hinweise für die Diagnose verschiedener Erkrankungen von Gehirn und Nervensystem, darunter

Weitere Diagnoseverfahren

Zur Diagnose oder Absicherung der Diagnose sind oft noch weitere Untersuchungen nötig wie beispielsweise Lumbalpunktion,  die Elektro-Enzephalografie (EEG), Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Sonografie beziehungsweise Dopplersonografie (Duplexsonografie).

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2016

Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Untersuchungen
  • DiagnoseDas macht der Arzt

    Wir erklären Ihnen medizinische Verfahren einfach und verständlich. Damit Sie Bescheid wissen, was der Doktor mit Ihnen vorhat. mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr

Mit dem kostenlosen Lifeline-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang