Entnahme von Nervenwasser

Lumbalpunktion

Bei einer Lumbalpunktion wird Nervenwasser aus dem Wirbelkanal entnommen. Veränderungen in der Zusammensetzung dieser Flüssigkeit liefern wichtige Hinweise auf Erkrankungen des Nervensystems.

lumbalpunktion gehirn
Die Lumbalpunktion hilft, Erkrankungen des Gehirns anhand des Nervenwassers festzustellen.
Getty Images/iStockphoto

Die Lumbalpunktion ist die am häufigsten angewendete Methode zur Entnahme von Nervenwasser oder Liquor cerebrospinalis, wie Mediziner auf lateinisch sagen würden. Dabei handelt es sich um eine klare Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült und hauptsächlich der Abfederung bei Erschütterungen dient. Bei entzündlichen Erkrankungen oder Tumoren im Nervensystem verändert sich die Zusammensetzung des Nervenwassers.

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Nervenwasser aus dem Lendenwirbelbereich

Eine Laboruntersuchung des Nervenwassers liefert daher wichtige Hinweise auf derartige Krankheiten. Bei einer Lumbalpunktion führt der Arzt im Lendenwirbelbereich eine dünne Hohlnadel durch den Wirbelzwischenraum in den Rückenmarkskanal ein. Durch die Kanüle fließt dann tröpfchenweise Nervenwasser ab, das in Probenröhrchen aufgefangen wird und untersucht werden kann.

Runder Rücken erleichtert die Untersuchung

Für die Nervenwasserentnahme muss der Untersuchte den unteren Rücken soweit wie möglich krümmen. Dies geht entweder durch weites Vorbeugen im Sitzen oder seitliches Liegen in Embryonalstellung, also mit angezogenen Armen und Beinen und auf die Brust gesenktem Kinn. Dadurch vergrößern sich die äußeren Abstände zwischen den Wirbeln. Für den Arzt wird es dadurch leichter, die geeignete Stelle für den Einstich zwischen den Wirbeln zu ertasten. Punktiert wird zwischen drittem und vierten oder zwischen viertem und fünften Lendenwirbel.

Liquorpunktion: Zehn bis 15 Milliliter Nervenwasser werden entnommen

Die geeignete Stelle an der Lendenwirbelsäule wird markiert, danach wird die Haut rundherum gründlich desinfiziert. Falls nötig, erhalten Patienten eine lokale Betäubung. Dann beginnt der Arzt mit der eigentlichen Liquorpunktion: Er schiebt eine spezielle, dünne Hohlnadel an der markierten Stelle zwischen den Wirbeln hindurch in den Wirbelkanal.

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Aus der Punktionsnadel beginnt nun Nervenwasser zu tropfen, das in Untersuchungsröhrchen aufgefangen wird. Für eine Untersuchung des Liquor cerebrospinalis werden zehn bis fünfzehn Milliliter dieser Flüssigkeit benötigt. Nachdem eine ausreichende Menge Nervenwasser gewonnen wurde, zieht der Arzt die Nadel vorsichtig wieder heraus. Die Punktionsstelle wird ein paar Minuten gedrückt und dann mit einem Pflaster oder Verband abgedeckt.

Bettruhe einhalten – Kopfschmerzen sind möglich

Nach der Lumbalpunktion ist für mindestens eine halbe Stunde Bettruhe einzuhalten, um Kreislaufproblemen und Kopfschmerzen vorzubeugen. Am besten legt man sich dazu auf den Bauch, da sich so der Einstichkanal schneller schließt. Je nach Befinden und Anweisung des Arztes, die es unbedingt zu befolgen gilt, kann eine längere Bettruhe nach der Untersuchung angebracht sein. Außerdem ist genug Trinken wichtig, um Kopfschmerzen vorzubeugen.

Liquorpunktion kaum schmerzhaft

Der Eingriff selbst dauert nur etwa 20 Minuten und kann inzwischen auch ambulant in einer neurologischen Praxis vorgenommen werden. Er wird als wenig schmerzhaft beschrieben, so dass eine örtliche Betäubung nicht immer nötig ist.

Allerdings kann es zu einem kurzen, an Ischiasbeschwerden erinnernden Schmerz kommen, wenn die Punktionsnadel eine Nervenwurzel berührt. Wird die Nadelführung korrigiert, lässt dieser aber in der Regel sehr schnell wieder nach.

Insgesamt ist die Nervenwasserentnahme aus dem Rückenmarkskanal ein risikoarmes Routineverfahren. Verletzungen sind bei fachgerechter Liquorentnahme nahezu auszuschließen, da das Rückenmark nur bis zum ersten oder zweiten Lendenwirbels reicht, aber erst unterhalb des dritten Lendenwirbels punktiert wird.

Welche Risiken bei einer Lumbalpunktion auftreten können

Vor der Untersuchung ist ein ausführliches Arztgespräch mit Aufklärung über mögliche Risiken und Komplikationen der Lumbalpunktion erforderlich. Es ist zudem wichtig, dass ein erhöhter Druck im Inneren des Schädels sowie erhöhte Blutungsneigung ausgeschlossen werden, da beides gegen eine Lumbalpunktion spricht. Patienten sollten im Vorfeld gegebenenfalls auf die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente hinweisen. Entzündungen oder Hautunreinheiten im Bereich der geplanten Einstichstelle sind ebenfalls eine Kontraindikation zu einer Lumbalpunktion.

Über Kopfschmerzen im Nackenbereich in Folge einer Lumbalpunktion klagen etwa fünf Prozent der Untersuchten, vor allem, wenn nicht auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet wurde. Auch Übelkeit, Erbrechen und Rückenschmerzen treten in seltenen Fällen auf. Die Beschwerden können sich auch erst am Tag nach der Liquorpunktion zeigen. Sie können bei Bedarf mit schmerzlindernden Medikamenten behandelt werden und bessern sich im Liegen; nach einigen Tagen verschwinden sie meist.

Komplikationen durch Nervenwasserentnahme selten

Zu den seltenen Komplikationen, die auftreten können, zählen Infektionen an der Einstichstelle, die sich aber mit Antibiotika oder Salben gut behandeln lassen. Wird ein Nerv bei der Punktion getroffen, können Lähmungserscheinungen oder ein taubes Gefühl die Folge sein. Desweiteren kann es zu vorübergehenden Störungen einzelner Hirnnerven, Hirnhautblutungen oder Flüssigkeitsansammlungen unterhalb der harten Hirnhaut kommen, die sich aber in der Regel wieder völlig zurückbilden.

Anhaltende Schädigungen, beispielsweise durch Entzündungen der Rückenmarkshäute oder Einblutungen, sind dagegen extrem selten. Kreislaufprobleme mit Atemstörungen treten nur in Ausnahmefällen auf, beispielsweise bei einem nicht erkannten erhöhten Hirndruck, der an sich ein Ausschlusskriterium für eine Lumbalpunktion wäre.

Wichtiges Diagnose-Instrument bei Nervenerkrankungen

Zum Nachweis oder Ausschluss einiger Erkrankungen ist die Lumbalpunktion jedoch ein wichtiges Diagnose-Instrument. Dazu gehören entzündliche Erkrankungen des Gehirns, bestimmte Formen von Hirnblutungen oder Krebserkrankungen. Im Einzelnen sind dies unter anderem

Am häufigsten wird die Lumbalpunktion eingesetzt, um eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung nachzuweisen. Sie gehört außerdem zum Standard in der MS-Diagnostik.

Das Verfahren kann aber auch therapeutisch genutzt werden. So werden bestimmte Medikamente über das Nervenwasser eingebracht. Beispielsweise verabreicht man das Narkosemittel bei einer Spinalanästhesie, bei der im Gegensatz zur Vollnarkose nur bestimmte Körperregionen betäubt werden, mittels einer Lumbalpunktion.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. Februar 2016
Durch: es

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