Laktoseintoleranz feststellen

Laktose-Toleranz-Test

Bei Verdacht auf eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) kann ein einfacher Test Klarheit bringen. Beim sogenannten Laktose-Toleranz-Test werden Blut und/oder Atemluft untersucht.

Laktose-Toleranz-Test
Wiederholte Blutzuckermessungen nach Einnahme einer Laktoselösung sind Kern des Tests auf Laktoseintoleranz.
(c) Getty Images/iStockphoto

Zu einem Laktoseintoleranz-Test (korrekt: Laktose-Toleranz-Test, da das Maß der Milchzuckerverträglichkeit bestimmt wird) rät der Arzt, wenn typische Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall nach dem Genuss von Milchprodukten auf eine Laktoseintoleranz hinweisen.

Laktose wird im Dünndarm aufgespalten

Laktose ist der Fachbegriff für Milchzucker, der in Milch und Milchprodukten enthalten ist. Es handelt sich um ein sogenanntes Disaccharid oder Zweifachzucker, einer Verbindung von zwei Zuckermolekülen also. Nur Monosaccharide oder Einfachzucker wie Traubenzucker (Glukose), Fruchtzucker (Fruktose) und Schleimzucker (Galaktose) können durch die Darmwand ins Blut gelangen. Die Laktose muss deshalb im Dünndarm in ihre Bestandteile – jeweils ein Glukose- und ein Galaktosemolekül – aufgespalten werden, damit der Körper sie verwerten kann. Dazu ist das Enzym Laktase notwendig. Die aufgespaltenen Zuckermoleküle gelangen dann ins Blut und erhöhen den Zuckeranteil im Blut, den Blutzuckerspiegel.

13 fiese Laktosefallen

Laktase-Mangel verursacht Beschwerden

Ist der Körper nicht in der Lage, genügend Laktase zu bilden, kann der Milchzucker nicht im Dünndarm abgebaut werden und ins Blut gelangen. Der Blutzuckerspiegel steigt also nicht an. Statt dessen steigt der Wasserstoffgehalt im Atem des Betroffenen an. Denn der Milchzucker wandert unverdaut weiter in den Dickdarm, wo er von Darmbakterien zersetzt wird. Dabei entstehen Gase, unter anderem Wasserstoff, die auch für die Beschwerden verantwortlich sind. Der Wasserstoff (chemische Formel H2) gelangt durch die Darmwand ins Blut und wird über die Lunge mit der Atemluft ausgeschieden.

Diese Vorgänge machen sich Ärzte beim Laktose-Toleranz-Test zu Nutze. Der Arzt prüft, ob beziehungsweise wie sich die Einnahme von Milchzucker auf den Blutzuckerspiegel des Untersuchten auswirkt. Oft wird daneben auch die Atemluft auf einen Anstieg des Wasserstoffgehalts hin überprüft, eine Untersuchung, die als H2-Atemtest bezeichnet wird.

Vor dem Test auf Laktoseintoleranz wird gefastet

Damit der Laktoseintoleranz-Test ein verwertbares Ergebnis liefert, muss er nüchtern durchgeführt werden. Das bedeutet, dass man mindestens zwölf Stunden vor dem Test nichts essen und nichts trinken darf außer reinem Wasser. Auch Medikamente dürfen nicht eingenommen werden, was gegebenenfalls mit dem Arzt besprochen werden muss. Beim H2-Atemtest ist die einzuhaltende Fastenzeit noch länger, sie wird mit dem Arzt abgestimmt.

In der Arztpraxis wird zunächst der Nüchtern-Blutzuckerspiegel bestimmt durch eine Blutentnahme, meist aus der Armvene. Wird gleichzeitig ein H2-Atemtest vorgenommen, überprüft der Arzt auch den Wasserstoffgehalt in der Atemluft. Dies geschieht in der Regel mit mithilfe eines Handtestgeräts ähnlich dem, das die Polizei bei Alkoholkontrollen verwendet. Der Untersuchte nimmt tief Luft und atmet dann gründlich in das Testgerät aus. Zu beachten ist, dass vor und während des Untersuchungszeitraums nicht geraucht werden darf.

Laktoseintoleranz-Test: 50 Gramm Milchzucker auf nüchternen Magen

Dann trinkt die Testperson Lösung aus 400 ml Wasser mit 50 Gramm Laktose. Bei Kindern richtet sich die Dosierung nach dem Köpergewicht: Pro Kilogramm werden zwei Gramm Laktose in Wasser aufgelöst, wobei der maximale Milchzuckermenge auf 100 Gramm beschränkt ist.

Jeweils 30, 60, 90 und 120 Minuten nach Einnahme der Milchzuckerlösung wird Blut abgenommen und der Blutzuckergehalt bestimmt. Wird gleichzeitig der H2-Atemtest gemacht, überprüft der Arzt zusätzlich in kürzeren Intervallen von etwa 15 Minuten die Ausatemluft auf den Wasserstoffanteil.

Nach dem Test: Kein Blutzucker-Anstieg bei Laktoseintoleranz

Kann der Körper die Laktose verwerten, steigt der Blutzuckerspiegel in dieser Zeit stetig um insgesamt mehr als 20 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) im Blut aus der Vene an. Wird das Blut aus den Kapillaren – das sind kleinste Blutgefäße – beispielsweise an den Fingerkuppen entnommen, liegen die Blutzuckerwerte noch etwas höher (Anstieg um 25 mg/dl und dl und mehr). Besteht dagegen eine Laktose-Unverträglichkeit, steigt der Blutzuckerspiegel nicht beziehungsweise nur geringfügig an, während in der Regel auch gleichzeitig die typischen Symptome einer Laktoseintoleranz auftreten. Beim H2-Atemtest wird der Wasserstoffgehalt in der Einheit ppm (parts per million) gemessen, also Anzahl der Wasserstoffteile pro eine Million Teile Atemluft). Steigt dieser Wert um mehr als 20 ppm, deutet dies auf eine Laktoseintoleranz hin.

Blut- und Atemwerte geben Sicherheit bei der Diagnose

Weisen sowohl Blutzuckermessungen wie Atemlufttest auf eine Laktoseunverträglichkeit hin und treten dabei die typischen Symptome auf, gilt die Diagnose als gesichert. Bei nicht eindeutigen Ergebnissen müssen die Untersuchungsverfahren wiederholt werden. Sie sind für den Patienten völlig gefahrlos, wenn auch insbesondere durch die ausgelösten Symptome unangenehm. Allerdings ist die gesicherte Diagnose notwendig, um gezielt gegen die Beschwerden vorgehen zu können.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2016
Durch: es

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