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Schilddrüsenwerte: TSH, T3 und T4

Die Blutwerte für die Schilddrüsenhormone TSH, T3 und T4 geben Auskunft darüber, wie gut die Schilddrüse arbeitet oder ob Funktionsstörungen des Organs vorliegen.

Schilddrüsenwerte tsh, t3, t4
Wie geht es der Schilddrüse? Wichtige Informationen dazu kann der Arzt aus den Blutwerten der Schilddrüsenhormone TSH, T4 und T3 ablesen.
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Die Schilddrüse ist zwar ein kleines, aber überaus wichtiges Organ. Sie ist an der Produktion verschiedener Hormone beteiligt, beeinflusst wichtige Stoffwechselvorgänge, die Psyche, Fruchtbarkeit und Wachstum.

Wenn die Drüse nicht richtig funktioniert, kann das weitreichende Folgen haben. Schilddrüsenerkrankungen sind dementsprechend ein ernstzunehmendes Problem. Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland leidet unter krankhaften Veränderungen des Organs.

Wie die Hormone TSH, T3 und T4 zusammenspielen

Die Drüse produziert aus Jod und Eiweißbausteinen das Hormon Thyroxin. Dieses gibt sie in zwei Formen, dem  Tetrajodthyronin, auch L-Thyroxin oder abgekürzt T4, und Trijodthyronin (T3) an das Blut ab. Mit den beiden Botenstoffen lenkt das Mini-Organ fast alle wichtigen Funktionen im Körper: den Stoffwechsel, Herz und Kreislauf, Magen und Darm, Nerven und Muskeln. Sie beeinflusst mit ihren Hormonen auch Persönlichkeit und Psyche, Sexualität und Fruchtbarkeit und sogar das Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln.

Wie viel oder wie wenig T3 und T4 die Schilddrüse produziert, wird von einem weiteren Hormon, dem Thyreoidea-stimulierenden Hormon TSH (auch Thyreotropin) bestimmt. Dieses wird in der Hirnanhangdrüse produziert und über das Blut zur Schilddrüse transportiert. Ist der Spiegel der beiden Hormone T3 und T4 ausreichend, so wird die Ausschüttung von weiterem TSH gehemmt; fallen die Werte, wird wieder mehr TSH ausgeschüttet. Diesen Vorgang nennt man auch thyreotropen Regelkreis, der – wenn alles wie gewünscht funktioniert – für das Gleichgewicht der drei wichtigen Botenstoffe sorgt.

Fakten zur Schilddrüse – das sollten Sie wissen

 

An den einzelnen Werten für TSH, T3 und T4 kann der Arzt erkennen, ob dieserMechanismus normal abläuft und wie die Schilddrüse selbst arbeitet. Am wichtigsten ist dabei der TSH-Wert, ihn nennt man auch den primären oder zentralen Schilddrüsenwert. Wenn er stimmt, kann man davon ausgehen, dass die Schilddrüse normal arbeitet.

T3 und T4 liegen im Körper in gebundener und freier Form vor. Nur als freies Tetrajodthyronin (fT4) und freies Trijodthyronin (fT3) haben sie Bedeutung als Botenstoffe und sind für die Diagnose wichtig.

Bestimmung von TSH, T3 und T4 bei der Diagnose

Immer, wenn bestimmte Symptome auf eine Störung der Schilddrüsenfunktion hinweisen, sollten die Werte für die Schilddrüsenhormone TSH, T3 und T4 bestimmt werden.

So können gesteigerte Aktivität, hoher Blutdruck, Herzklopfen, Haarausfall, vermehrter Appetit und Gewichtsabnahme auf eine Überfunktion (Hyperthyreose) hinweisen. Eine Unterfunktion (Hypothyreose) kann sich zeigen durch Müdigkeit und Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, Muskelschwäche, brüchige Nägel und trockene Haut, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis, Gewichtszunahme und Verstopfung. Auch beim Verdacht auf eine akute oder chronische Schilddrüsenentzündung, Morbus Basedow sowie bei vergrößerter Schilddrüse werden die Werte bestimmt. 

Schilddrüsenwerte zur Therapiekontrolle

Bei einer bereits diagnostizierten Schilddrüsenerkrankung werden TSH, T3 und T4 zur Überprüfung der Medikamentengaben und Kontrolle des Therapieverlaufs bestimmt. Vor einer Operation mit Narkose oder radiologischen Untersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel wird zudem der TSH-Wert überprüft, um festzustellen, ob die Schilddrüse mit der Jodzufuhr zurechtkommt.

Die Blutwerte für TSH, T3 und T4 werden im Blutserum bestimmt. Es ist keine Standarduntersuchung beim kleinen oder großen Blutbild. Bei Neugeborenen werden im Rahmen des Neugeborenenscreenings am dritten Lebenstag auch die Schilddrüsenwerte im Blut gemessen, um eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion zu erkennen und gegebenenfalls frühzeitig zu behandeln und so Entwicklungsstörungen am Gehirn und den Organen vorzubeugen.

Normale Werte für TSH, T3 und T4

Die Normalwerte für Schilddrüsenhormone sind bei Männern und Frauen gleich. Folgende Werte geben den Normalbereich bei Erwachsenen an:

Hormon Messwert Messwert in pmol/l
TSH 0,4 bis 2,5 µU/L  
Trijodthyroxin T3 ( fT3) 2,2 bis 5,5 pg/ml 4,5 bis 8,8
Thyroxin T4  (L-Thyroxin; fT4) 8 bis 18 ng/l 10 bis 23

Bei einer Hormonersatztherapie beziehungsweise zur Strumabehandlung (Therapie des Kropfs) liegt der Normalwert für TSH bei 0,3 bis 1,2 mU/l. Bei Kindern gelten höhere TSH-Normalwerte. Sie liegen bei Neugeborenen bei bis zu 25 µU/l. Auch bei Schwangeren können Werte geringfügig über den Referenzwerten vorkommen.

Wichtig zu wissen beim Laborbefund: Werte können je nach Alter und Geschlecht des Patienten vom angegebenen Normalwert abweichen. Auch je nach Labormethoden können die Werte variieren.

Was bedeuten zu hohe oder zu niedrige Schilddrüsenwerte?

Weichen die Schilddrüsenwerte vom Normalwert ab, kann das unterschiedliche Ursachen haben. Nachfolgende Tabelle zeigt die wichtigsten Gründe für erhöhte und zu niedrige Werte von TSH, T3 und T4.

Schilddrüsenwert

Mögliche Ursachen für niedrige Werte

Mögliche Ursachen für hohe Werte

TSH

  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Schilddrüsenknoten
  • Morbus Basedow
  • Struma (Schilddrüsenvergrößerung durch Jodmangel)
  • Krebserkrankung der Schilddrüse

Trijodthyronin, (T3, fT3)

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • generell bei schweren Erkrankungen
  • Medikamentöse Behandlung von Schilddrüsenüberfunktion
  • Jodmangel
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Morbus Basedow

Thyroxin (L-Thyroxin, T4, fT4)

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • generell bei schweren Erkrankungen
  • Medikamentöse Behandlung von Schilddrüsenüberfunktion
  • Jodmangel
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Morbus Basedow 
  • Schilddrüsenkrebs

Weitere Diagnose und Behandlung bei abweichenden Schilddrüsenwerten

molekülmodell thyroxin t4
Eine synthetische Nachbildung von T4, das L-Thyroxin, wird bei Schilddrüsenunterfunktion häufig in Tablettenform verschrieben.
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Wenn bei einer Blutuntersuchung veränderte Werte für TSH, Thyroxin und Trijodthyronin festgestellt werden, können mit weiteren Werten die genauen Ursachen eingegrenzt werden. Mit einer Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) der Schilddrüse wird die Beschaffenheit des Organs und eventuelle Veränderungen im Gewebe in Augenschein genommen. Mit der Szintigrafie stellt der behandelnde Arzt fest, wie gut die einzelnen Bereiche des Organs Jod aufnehmen und verarbeiten können.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion wird der Mangel an den Hormonen in der Regel mit Medikamenten ausgeglichen. Ein häufig eingesetzter Wirkstoff ist Levothyroxin (L-Thyroxin), der dem Schilddrüsenhormon Tetrajodthyronin (T4) entspricht. Um die richtige Dosierung der Schilddrüsenhormone zu bestimmen, müssen die Blutwerte regelmäßig von einem Arzt überprüft und die Thyroxin-Dosis gegebenenfalls angepasst werden.

Blutuntersuchung: Wichtige Werte und was sie bedeuten

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. Dezember 2015
Durch: sw
Quellen: Dr. C. Schottdorf-Timm/Prof. Dr. V. Maier: GU-Kompass Laborwerte, Gräfe Unzer 2015; Internisten im Netz: Online-Informationen zu Blutbild, T3, T4 und TSH sowie Schilddrüse, http://www.internisten-im-netz.de/ abgerufen: Oktober 2015

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