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pH-Wert im Blut/Urin: Was sagt er aus?

Der pH-Wert des Bluts ist äußerst wichtig für viele Stoffwechselvorgänge und an sich recht stabil, denn den Wert kann der Körper gut selbst regulieren. Zu saure oder zu basische Werte im Blut aber können lebensbedrohlich sein. Beim pH-Wert des Urins gibt es dagegen größere Toleranzen.

pH-wert-teststreifen
Mit speziellen Teststreifen lässt sich der pH-Wert von wässrigen Lösungen wie Urin bestimmen. Der pH-Wert des Bluts wird im Rahmen einer Blutgasuntersuchung ermittelt.
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Der pH-Wert ist ein Maß für die Konzentration von Wasserstoffionen in einer wässrigen Lösung. Die Abkürzung pH steht für das lateinische "potentia Hydrogenii" und bedeutet Konzentration des Wasserstoffs in einer Lösung.

Saure Lösungen haben einen niedrigen pH-Wert (kleiner als 7) und eine hohe Wasserstoffionenkonzentration. Basische Lösungen haben einen hohen pH-Wert (größer als 7), also eine geringe Konzentration an Wasserstoffionen. Ein pH-Wert von genau 7 ist neutral.

pH-Werte in Körperflüssigkeiten: Haut, Schweiß, Magensaft und Scheidensekret sind sauer

Im menschlichen Organismus haben die Körperflüssigkeiten je nach Funktion ganz verschiedene pH-Werte. So beträgt der pH-Wert des Magensafts nur 1 bis 1,5. Das sehr saure Milieu entsteht unter anderem durch Salzsäure und ist nötig, um die Nahrung zu verdauen und aufzuspalten. Die Magenschleimhaut ist mit einem Schleim überzogen, der Bikarbonat-Ionen enthält. Diese bilden zusammen mit Kohlensäure einen basischen Puffer als Schutz vor der Magensäure.

Der Speichel im Mund hat dagegen einen fast neutralen pH-Wert, er kann auch leicht basisch sein. Durch den Rückfluss von Magensäften (zum Beispiel bei Sodbrennen oder Aufstoßen) oder durch stark säurehaltige Lebensmittel und Getränke kann sich der pH-Wert im Mund in den sauren Bereich verschieben. Normalerweise werden diese Schwankungen gut ausgeglichen. Ist jedoch das Milieu in der Mundhöhle ständig sauer, können Zahnschmelz und Zahnfleisch geschädigt werden.

Haut und Schweiß sind leicht sauer. Der Säureschutzmantel der Haut dient der Abwehr von Krankheitserregern, die in saurer Umgebung schlecht oder gar nicht gedeihen. Diese Schutzbarriere kann durch den zu häufigen Kontakt mit Wasser und alkalischer (basischen) Seife und Reinigungsmitteln gestört werden. Der Haut wird dabei Fett entzogen – und der pH-Wert so erhöht. Das trocknet sie aus und macht sie anfälliger für Krankheitserreger.

In der Scheide der Frau bilden Milchsäurebakterien im Vaginalsekret (pH-Wert etwa 4,5) eine Barriere vor aufsteigenden Infektionen. Durch den Einfluss von Hormonen kann sich in der Schwangerschaft und bei der Einnahme von oralen Verhütungsmitteln (Anti-Baby-Pille) der pH-Wert der Scheidenflora erhöhen. Die Scheide ist dann vor Pilzinfektionen unter Umständen nicht mehr so gut geschützt.

Wie und wann der pH-Wert im Blut bestimmt wird

Für die Diagnose von Erkrankungen ist jedoch im Wesentlichen nur der pH-Wert im Blut wichtig. Er kann Aufschluss über eine Störung des Säure-Basen-Haushalts geben.

pH-Veränderungen nach oben oder unten können gefährlich sein. Denn der pH-Wert des Bluts hat einen großen Einfluss auf zahlreiche Stoffwechselvorgänge im Körper, darunter die Bindung von Sauerstoff und dessen Transport, aber auch Muskeltätigkeit und Zuckerstoffwechsel.

Bestimmt wird der pH-Wert in der Regel im Rahmen einer Blutgasanalyse anhand von arteriellem Vollblut oder auch Blut aus dem Ohrläppchen. Dabei wird die Gasverteilung von Sauerstoff und Kohlendioxid, der pH-Wert, der Basenexzess, die Sauerstoffsättigung, der Sauerstoff-Partialdruck und weitere Gaswerte gemessen.

Die Blutgasuntersuchung gehört zu den Standards in Kliniken, auf Intensivstationen und in der Notfallmedizin. Sie liefert schnelle Ergebnisse und wird zum Beispiel bei akuten Atemstörungen, Herzproblemen und Stoffwechselerkrankungen (Diabetes, Niereninsuffizienz) eingesetzt.

pH-Wert des Bluts: Was ist normal und gesund?

Der pH-Wert im Blut bewegt sich normalerweise in einem recht schmalen Bereich zwischen 7,35 bis 7,45. Der Körper besitzt Puffersysteme, um den pH-Wert in einem gewissen Rahmen stabil zu halten. Das Blut selbst kann Schwankungen im pH mithilfe verschiedener Substanzen ausgleichen, sich sozusagen selbst entsäuern oder saurer machen.

Reguliert wird der Säure-Basen-Haushalt und damit auch der pH-Wert vor allem durch die Atmung und die Ausscheidung über die Nieren. Über die Lunge wird saures Kohlendioxid ausgeatmet. Die Nieren können den pH-Wert beeinflussen, indem sie vermehrt Wasserstoffionen (bei niedrigem pH-Wert) oder basische Bestandteile (bei zu hohem pH) in den Urin abgeben.

Weicht der pH-Wert des Bluts vom Normalwert ab, so ist das ein Hinweis, dass die Regulierung nicht richtig funktioniert und eine Störung an den genannten Organen vorliegt.

Ursachen und Folgen eines erhöhten pH-Werts im Blut

Liegt der pH-Wert des Bluts über 7,45, so spricht man von Untersäuerung oder Alkalose. Das Blut ist dann zu basisch. Eingeteilt wird sie in respiratorische (von der Atmung ausgehende) und metabolische (vom Stoffwechsel ausgehende) Alkalose.

Die häufigste Ursache für einen Anstieg des pH-Werts ist eine respiratorische Übersäuerung. Durch eine zu schnelle Atmung (Hyperventilation) in Folge von Panik oder Schmerzen atmen die Lungen zu viel saures Kohlendioxid ab. Auch Atemnot, etwa bei Lungenembolie oder Asthma-Anfällen, kann einen Anstieg des pH-Werts verursachen.

Ein hoher pH-Wert kann aber auch stoffwechselbedingt sein. Infrage kommen als Ursachen:

  • starkes Erbrechen (Verlust von Magensäure), chronisches Erbrechen (zum Beispiel bei Bulimie)
  • stark harntreibende Medikamente
  • eine Störung der Nierenfunktion
  • sehr hohe Aufnahme basischer (alkalischer) Substanzen, zum Beispiel Natron
  • Störungen im Hormonhaushalt (selten)

Bei einer stoffwechselbedingten Übersäuerung wird der Körper versuchen, langsamer und flacher zu atmen, um den pH-Wert zu regulieren. Dies  geht naturgemäß jedoch nur bis zu einer bestimmten Grenze. Folge eines dauerhaft zu hohen pH-Werts ist ein Verlust an wichtigen Elektrolyten, die Blutmenge verringert sich, es können Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen auftreten.

Zu niedriger pH-Wert im Blut

Liegt der pH-Wert des Bluts unter 7,35, so sprechen Mediziner von einer Übersäuerung oder Azidose. Dabei befinden sich zu viele Wasserstoffionen im Blut, es ist zu sauer. Unterschieden wird auch hier in respiratorische und metabolische Azidose.

Die Ursachen für niedrige pH-Werte im Blut sind:

  • Atemstörungen oder Atemlähmung (es wird zu wenig saures Kohlendioxid ausgeatmet)
  • Störung der Nierenfunktion (Nierenschwäche, Nierenversagen)
  • Insulinmangel bei Diabetes (Ketoazidose durch Überzuckerung)
  • starker Durchfall
  • angeborene Stoffwechselerkrankungen, bei denen vermehrt Säuren anfallen (Organoacidurien)

Eine akut auftretende Übersäuerung etwa bei einem Diabetiker ist lebensbedrohlich und muss notfallmedizinisch versorgt werden.

pH-Wert im Urin: sauer oder basisch?

Der pH-Wert des Urins kann – im Gegensatz zum Blut-pH-Wert – in einem weitaus größeren Bereich schwanken, ohne dass es große Folgen für die Gesundheit hat. Normalerweise ist der Urin leicht sauer (um 6,0), der Toleranzbereich liegt zwischen 4,8 und 7,6.

Abhängig ist der pH-Wert des Urins unter anderem von der Ernährung. Der Urin von Menschen, die sich vorwiegend vegetarisch ernähren, hat in der Regel einen höheren pH-Wert (basisch), bei Fleischessern, durch Fasten und bei Gicht ist er niedrig (sauer).

Zu hohe (das heißt basische) pH-Werte im Urin treten bei Harnwegsinfektionen auf. Auch Lebensgewohnheiten (Stress, Schlafmangel) und Medikamente können den pH-Wert des Urins beeinflussen.

In der alternativen Medizin wird oft von einer "Übersäuerung" gesprochen, die vor allem durch die Ernährung zustande kommt. Diese latente Übersäuerung wird als Ursache der meisten Zivilisationskrankheiten angesehen. Die Schulmedizin ist hier etwas zurückhaltender, weil entsprechende Studien zum Thema noch fehlen.

Blutbild: Wichtige Werte und was sie bedeuten

Autor:
Letzte Aktualisierung: 02. Dezember 2015

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