Laborwerte A - Z

Immunglobuline

Immunglobuline sind die Gesundheitswächter im menschlichen Organismus, sie spielen eine zentrale Rolle im Immunsystem. Sie sind darauf programmiert, jeweils ganz spezielle Krankheitserreger zu erkennen und abzuwehren. Die Konzentration der Immunglobuline im Blut gibt Hinweise auf bestimmte Erkrankungen und wie gut das Abwehrsystem funktioniert.

immunglobin.jpg
Immunglobuline kann man sich als ypsilonförmige Eiweißmoleküle vorstellen. Mit ihren Armen können diese Antikörper körperfremde Stoffe und Krankheitserreger erkennen und an ihnen andocken.
iStock

Immunglobuline werden auch Antikörper genannt und sind Teil unseres Immunsystems. Es handelt sich um Eiweiße, deren Funktion es ist, verschiedene Krankheitserreger und Stoffe, die in den Körper eindringen, aufzuspüren. Die Immunglobuline können dabei ganz verschiedene körperfremde chemische Strukturen erkennen: Bakterien, Viren, Gifte oder auch Pollen und andere Allergene

Die Immunglobuline werden in Klassen eingeteilt – je nachdem, wo im Körper und in welchem Stadium des Kontakts sie wirken. Beim Menschen sind vier Klassen von Immunglobulinen wichtig:

Wie Immunglobuline wirken

Die Immunglobuline sind ypsilonförmige Eiweiße. Wegen ihrer Form nach dem griechischen Buchstaben Gamma werden sie auch Gamma-Globuline genannt. Gebildet werden sie von speziellen weißen Blutkörperchen, den B-Lymphozyten. Jedes Immunglobulin ist dabei auf ganz bestimmte Krankheitserreger geschult und passt wie ein Schlüssel in nur ein Schloss. Es kann jeweils die spezifische chemische Struktur erkennen und mit seinen Ypsilon-Armen an diese andocken. Das dritte Ende des Ypsilons verbindet sich mit körpereigenen Abwehrzellen, welche die fremden Stoffe schließlich vernichten.

Der Großteil der Antikörper wird zunächst beim "Erstkontakt" also einer Erstinfektion mit Bakterien oder Viren, zusammengebaut. Ist die Infektion überstanden, bleiben die Immunglobuline gegen den jeweiligen Erreger dem Körper erhalten, er ist dann immun gegen ihn.

  • zum Test

    Impfungen gibt es schon seit über hundert Jahren. Wie gut kennen Sie sich aus? Überprüfen Sie Ihr Wissen zu Impfungen und nehmen Sie am Quiz teil!

Dieses Prinzip macht man sich bei vielen Schutzimpfungen zunutze. Dabei wird ein Kontakt mit krank machenden Keimen (Viren oder Bakterien) simuliert: Abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger oder auch nur Teile davon werden gespritzt. Das Immunsystem wird dadurch angeregt, die jeweils passenden Immunglobuline zu bilden. Bei einer späteren, echten Infektion hat der Körper bereits die passenden Antikörper parat und kann sie gleich zur Abwehr ins Feld schicken.

Antikörper können jedoch auch fehlprogrammiert sein und sich gegen körpereigene Stoffe richten. Dadurch kommt es zu Entzündungen; körpereigenes Gewebe wird geschädigt und zerstört. Typische Beispiele für solche Autoimmunerkrankungen sind Rheuma, Diabetes vom Typ 1, Morbus Crohn oder Multiple Sklerose.

Immuntherapie: Wenn Antikörper heilen

Antikörper können auch künstlich hergestellt und zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. Solch eine Immun- oder Antikörpertherapie kommt mittlerweile bei bestimmten Krebsarten, bei Autoimmunerkrankungen sowie bei chronisch entzündlichen Darmleiden zum Einsatz. Bei der spezifischen Immuntherapie oder Hyposensibilisierung von Allergien wird versucht, das Immunsystem zu trainieren, damit es unempfindlicher auf bestimmte Allergene reagiert.

Wann Immunglobulin-Werte bestimmt werden

Immunglobuline sind im Blut, in der Lymphe sowie zum Teil auch in Speichel, Tränenflüssigkeit, dem Schleim aus Magen und Darm und anderen Sekreten zu finden. Labordiagnostisch werden die Ig-Werte vorwiegend im Blut bestimmt.

Die Blutwerte für Immunglobuline sind keine Standard-Parameter in der Diagnose. Ihre Konzentration im Blut kann jedoch Auskunft darüber geben, wie gut das Immunsystem aufgestellt ist und ob jemand gegen bestimmte Erkrankungen bereits immunisiert ist.

Im Einzelnen kann der Arzt die Immunglobulin-Werte bestimmen lassen bei/zur

  • erhöhter Neigung zu Infekten und Infektionen
  • Verdacht auf Autoimmunerkrankungen
  • Diagnose von Infektionskrankheiten wie HIV, Syphilis, Chlamydien und anderen
  • Überprüfung, ob ein Kontakt mit einem Krankheitserreger stattgefunden hat
  • Überprüfung der Immunität gegenüber bestimmten Krankheitserregern, zum Beispiel, ob eine Impfung wirksam war
  • Diagnose von Allergien
  • Kontrolle der konventionellen Therapie oder Antikörpertherapie und des Verlaufs bei einer Infektionskrankheit oder Autoimmunkrankheit
  • zum Symptom-Check

    Fieber, Schmerzen, Atemnot: Suchen Sie gezielt nach Symptomen und deren möglichen Auslösern

Bei der Diagnose bestimmter Infektionskrankheiten (zum Beispiel HIV) wird oft nur nach den spezifischen Antikörpern für die jeweilige Erkrankung gesucht. Bei Schwangeren kann zum Beispiel das Blut gezielt nach Antikörpern gegen Toxoplasmose und Röteln (bei fehlender Röteln-Schutzimpfung) untersucht werden.

Kompletter Immunstatus keine Kassenleistung

Manche Labore und Arztpraxen bieten auch die Überprüfung aller Immunglobuline in einem kompletten Immunstatus oder Basis-Immun-Check an – oft in Verbindung mit einem großen Blutbild. Als IgeL-Leistung muss diese Laboruntersuchung selbst bezahlt werden.

Zwar kann solch ein Immunstatus Hinweise auf Immundefekte und Immunschwächen geben. Bei beschwerdefreien Menschen kommt es dabei jedoch höchstens zu Zufallsfunden für ganz wenige Erkrankungen.

Als Routine- oder Vorsorgeuntersuchung wird der Immunstatus deshalb von Fachleuten nicht empfohlen. Anders bei genetisch vorbelasteten Menschen: Hier übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei bestimmten Indikationen die Kosten für die Bestimmung der Immunglobulin-Werte.

Immunglobulin A (IgA)

Immunglobulin A (IgA) ist für die Abwehr von Krankheitserregern an den Eintrittspforten des Körpers, zum Beispiel an den Schleimhäuten im Nasen- und Rachenraum sowie im Verdauungssystem verantwortlich. Immunglobulin A macht rund zehn bis 15 Prozent aller Antikörper aus und kommt im Magen-Darm-Trakt, im Genitalbereich oder auch in der Tränenflüssigkeit vor. Über die Muttermilch werden die IgA-Antikörper auf das Neugeborene übertragen und schützen den Säugling so vor Infektionen über die Schleimhäute.

Leidet ein Patient häufig an Infektionen, kann der Arzt zur Sicherheit den Immunglobulin-A-Wert bestimmen lassen. Auch Autoimmunkrankheiten können mit diesem Immunglobulin-Wert diagnostiziert werden.

Normbereich für IgA-Wert

Liegt der Immunglobulin-A-Wert zwischen 0,7 und 4,0 g/l (Gramm pro Liter), ist der Wert im Normalbereich.

Ursachen für einen zu hohen IgA-Wert

Ist der Immunglobulin-A-Wert angestiegen, kann das ein Hinweis auf eine Lebererkrankung (Leberzirrhose), übermäßigen Alkoholgenuss oder eine Autoimmunerkrankung sein. Auch bei akuten Infektionen kann der Immunglobulin-A-Wert erhöht sein.

Ursachen für einen zu niedrigen IgA-Wert

Der selektive IgA-Mangel (auch IgA-Antikörpermangelsyndrom) ist der häufigste vorkommende Immundefekt. Dabei liegen die IgA-Werte unter dem Normalbereich. Diese Erbkrankheit geht meist mit vermehrten Atemwegsinfektionen einher. Auch bei Nierenerkrankungen kann der Immunglobulin-A-Wert zu niedrig ausfallen.

Immunglobulin G (IgG)

Die größte Gruppe der Antikörper bilden die Immunglobuline G (IgG). Sie schützen den Körper gegen Viren und Bakterien. IgG machen etwa 60 bis 80 Prozent der Antikörper aus. Sie werden recht spät bei einem Infekt gebildet – sind jedoch für das "Gedächtnis" des Immunsystems äußerst wichtig. Denn sie kommen später, bei einem erneuten Kontakt mit Krankheitserregern (Bakterien, Viren), zum Einsatz. Auch bei chronischen Infektionen, zum Beispiel Hepatitis, und chronisch-entzündlichen Prozessen sind sie von Bedeutung.

Mit Immunglobulin G wird ein Embryo bereits während der Schwangerschaft über die Plazenta versorgt. Dieser "Nestschutz" hält jedoch nur drei Monate. Danach muss das Immunsystem des Neugeborenen selbst Antikörper produzieren.

Normale Werte für IgG

Der Immunglobulin-G-Wert liegt zwischen 7 und 16 g/l im Normbereich.

Ursachen für einen zu hohen IgG-Wert

Besonders für akute oder chronische Infektionen ist der erhöhte IgG-Wert ein Indikator. Aber auch Lebererkrankungen (Leberzirrhose, Hepatitis) lassen den Spiegel ansteigen. Patienten, die an Multipler Sklerose leiden, weisen ebenso desöfteren einen erhöhten Immunglobulin-G-Wert auf.

Ursachen für niedrige IgG-Werte

Liegt bei dem Patienten eine Nierenerkrankung vor, kann sich dies am geringen Immunglobulin-G-Wert zeigen. Auch bei einer Leukämie lässt sich oft ein zu niedriger IgG-Wert feststellen.

Immunglobulin E (IgE)

Antikörper der Klasse Immunglobulin E (IgE) schützen gegen Darmbakterien und Parasiten. Darüber hinaus ist IgE für allergische Reaktionen verantwortlich. Es stellt den kleinsten Teil der Antikörper mit etwa 0,1 Prozent. Immunglobulin E spielt bei der Parasitenbekämpfung eine große Rolle. Auch im Zusammenhang mit Allergien wird der Wert im Blut gemessen.

Normaler Bereich für den IgE-Wert

Befinden sich die Werte des Immunglobulin E zwischen 12 µg/l und 240 µg/l, liegen sie im Normalbereich. 

Ursachen für einen zu hohen IgE-Wert

Wird ein Immunglobulin-Wert über dem Normalbereich gemessen, kann das für eine Allergie wie etwa Heuschnupfen, für Asthma oder Neurodermitis sprechen.

Ursachen für einen zu niedrigen IgE-Wert

Liegt der Immunglobulin-E-Wert bei der Laboruntersuchung unter dem Normalwert, ist das ein Anzeichen, dass beim Patienten keine Allergie und kein Parasitenbefall vorliegen. Zu niedrige Werte können jedoch auf eine Nierenerkrankung hindeuten.

Immunglobulin M

Immunglobulin M (IgM) stellt die vierte Gruppe der Antikörper. Sie werden als erste bei einem Kontakt mit Krankheitserregern oder anderen körperfremden Stoffen gebildet und stellen die wirksame erste Abwehrlinie gegen Mikroorganismen im Organismus dar. Nach der akuten Phase sinkt die IgM-Konzentration wieder ab, dann übernehmen die IgG-Antikörper die weitere Arbeit. Anhand des Immunglobin-M-Werts lässt sich so eine akute Infektion bestimmen.

Normale Werte für IgM

Der Immunglobulin-M-Wert liegt zwischen 0,4 und 2,4 Gramm pro Liter (g/l) im normalen Bereich.

Ursachen für einen zu hohen IgM-Wert

Steigt der Immunglobulin-M-Wert über den Normalbereich, kann eine Leukämie-Erkrankung oder eine akute Infektion die Ursache sein. Auch Lebererkrankungen und Autoimmunkrankheiten lassen den IgM-Spiegel ansteigen.

Ursachen für einen zu niedrigen IgM-Wert

Zu niedrige Immunglobulin-M-Werte können ein Hinweis auf eine Nierenerkrankung sein.

Blutbild: Wichtige Werte und was sie bedeuten

Autor: / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 27. Oktober 2015

Hören Sie zu - reden Sie mit

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Laborbefund verstehen
  • Laborbefund verstehenAlbumin bis Thrombozyten

    Verstehen Sie die Abkürzungen und Fachausdrücke Ihrer Laborergebnisse nicht? Einen roten Faden durchs Fachchinesisch bietet unser Lexikon. mehr...

Ausführliche Informationen zu ...
  • DiagnoseDiagnose

    Wir erklären Ihnen medizinische Untersuchungen einfach und verständlich. Damit Sie Bescheid wissen, was der Doktor mit Ihnen vorhat. mehr...

  • Therapien

    Von A wie Akupressur bis Y wie Yoga - in unserem Lexikon finden Sie die wichtigsten Therapiemethoden. mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr

Mit dem kostenlosen Lifeline-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang