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HbA1c-Wert (Langzeitblutzucker)

Der HbA1c-Wert ist ein wichtiger Laborwert bei der Diagnose und Behandlung von Diabetes. Er wird auch "Langzeitblutzucker" oder Blutzuckergedächtnis genannt und zeigt an, wie gut der Blutzuckerspiegel in den vergangenen Wochen eingestellt war.

Blutzuckermessung
Die Messung des Blutzuckers gibt lediglich Auskunft über den momentanen Wert, der stark schwanken kann. Zur Langzeitkontrolle ist der HbA1c-Wert heute ein Standard-Parameter. Er wird im Vollblut bestimmt.
iStock

Unter HbA1c versteht man eine spezielle Form des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, bei dem sich ein Molekül Glukose (Traubenzucker) angelagert hat. Dieses Hämoglobin wird auch "glykiertes Hämoglobin" oder eben HbA1c genannt.

HbA1c dient als "Blutzuckergedächtnis"

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Diese normale Reaktion des Anhaftens der Glukose an das Hämoglobin findet auch bei gesunden Menschen statt – und ist abhängig davon, wie hoch Blutzuckerkonzentration ist. Sinkt diese, so lösen sich auch die Zuckermoleküle wieder von Hämoglobin. Erst wenn sich der Spiegel nach sechs bis acht Stunden nicht normalisiert hat, bleiben immer mehr Glukoseteilchen unumkehrbar am Hämoglobin "kleben".

Wie viel Hämoglobin dauerhaft "überzuckert" ist, sagt der HbA1c-Wert aus. Dabei macht man sich die Lebenszeit der Erythrozyten oder roten Blutkörperchen als Transporteur des Hämoglobins zunutze: Diese werden alle 100 bis 120 Tage erneuert.

Der HbA1c-Wert dient so faktisch als Blutzuckergedächtnis und gibt Aufschluss darüber, in welchem Bereich sich die durchschnittlichen Blutzuckerwerte in den vergangenen drei Monaten bewegt haben. Nachfolgende Werte können dabei als grober Anhaltspunkt dienen:

HbA1c in Prozent

mittlerer Blutzucker in mg/dl

mittlerer Blutzucker in mmol/l

126

7,0

7

154

8,6

8

183

10,2

9

212

11,8

10

240

13,4

11

269

14,9

12

298

16,5

 

HbA1c-Wert-Bestimmung alle drei Monate

Die kurzzeitige Konzentration von Glukose im Blut schwankt sowohl bei gesunden Menschen als auch bei Diabetikern und ist abhängig davon, wie zuckerhaltig eine Mahlzeit war, aber auch vom Zeitpunkt der Messung sowie von weiteren Faktoren wie Stress oder Bewegung. Der aktuell gemessene Wert ist deshalb immer nur eine Momentaufnahme. Der HbA1c-Wert dagegen wird vom aktuellen Blutzuckerspiegel kaum beeinflusst. Er kann wichtige Hinweise geben, wie gut er in den letzten drei Monaten eingestellt war.

Diese Lebensmittel sorgen für stabile Blutzuckerwerte

 

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Der HbA1c-Wert ist seit 2010 ein Standard-Laborparameter bei der Therapie und Langzeitkontrolle der Zuckerkrankheit. Er wird bei Diabetikern (Typ 1 und Typ 2) regelmäßig alle drei Monate während der Behandlung bestimmt. Mit dem HbA1c-Wert schätzt der Arzt den Verlauf der Erkrankung ein, kontrolliert den Stoffwechsel und prüft, ob die Behandlung mit Medikamenten oder Insulin-Gaben optimal ist.

Für die Bestimmung des HbA1c-Werts ist eine Laboruntersuchung des Bluts nötig, er kann nicht selbst gemessen werden. Im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen bei Gesunden oder des kleinen und großen Blutbilds wird der HbA1c-Wert nicht bestimmt. Er ist eine IGeL-Leistung und kostet zwischen zwölf und 14 Euro. Es sei denn, ein HbA1c-Test wird zur Abklärung anderer abweichender Blutwerte benötigt. Dann übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Laboranalyse.

Normale Werte bei Gesunden und Zuckerkranken

Für den HbA1c-Wert ist sowohl die Prozent-Angabe als auch die Einheit mmol/mol gebräuchlich. Letztere ist der Standard nach der internationalen Arbeitsgruppe IFCC (International Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine).

Nachfolgende Tabelle zeigt die Normwerte für gesunde Menschen, bei Diabetesverdacht und den Zielkorridor für an Diabetes Erkrankten:

Gesunde 4 bis 6 Prozent 28 bis 38 mmol/mol
Verdacht auf Diabetes > 6 Prozent > 38 mmol/mol
HbA1c-Zielwerte bei Diabetes 6,5 bis 7,5 Prozent 48 bis 58 mmol/mol

 

Die Messwerte können je nach Labor und Messmethode in einem gewissen Rahmen schwanken. Zur Therapiekontrolle sollte der Arzt zur optimalen Vergleichbarkeit immer auf das gleiche Labor zurückgreifen.

Werte am oberen Ende des Normalbereichs können bereits ein Anzeichen für eine beginnende Diabetes-Erkrankung sein oder bedeuten, dass der Patient mit hoher Wahrscheinlichkeit die Stoffwechselkrankheit entwickeln wird. Zusätzliche Tests wie die regelmäßige Bestimmung des Blutzuckerwerts oder ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) dienen in diesem Fall zur Kontrolle oder Absicherung des Verdachts.

Erhöhte HbA1c-Werte: Hohes Risiko für Folgeschäden

Liegt der HbA1c-Wert über 6,5 Prozent, so weist dies darauf hin, dass der durchschnittliche Blutzuckerspiegel in den vergangenen sechs bis zwölf Wochen zu hoch lag. Das ist ein Signal dafür, dass der Organismus den  im Blut nicht richtig verwerten kann – ein deutliches Symptom von Diabetes. Unbehandelt steigt damit das Risiko für Folgeerkrankungen an Blutgefäßen, Nieren, Augen und Nerven sowie die Wahrscheinlichkeit von Herzinfarkt und Schlaganfall.

Falsch hohe Werte kommen darüber hinaus auch bei einer Eisenmangelanämie vor.

Was sagen niedrige HbA1c-Werte aus?

Auch zu niedrige HbA1c-Werte sind nicht optimal. Sie sind ein Anzeichen dafür, dass der Blutzuckerspiegel in den zurückliegenden sechs bis zwölf Wochen unter den gesunden Werten lag. Falsch-niedrige Werte werden zudem gemessen bei:

  • Nierenerkrankungen
  • bestimmten Formen von Anämien (Blutarmut), etwa dem gestörten Abbau der roten Blutkörperchen (hämolytische Anämie)
  • hohen Blutverlusten

Vor allem bei Patienten mit Typ-1-Diabetes sind niedrige HbA1c-Werte ein Alarmsignal: Wenn der Blutzuckerspiegel bei ihnen dauerhaft oder häufig zu niedrig ausfällt, steigt das Risiko von schweren Unterzuckerungen (Hypoglykämie).

HbA1c-Wert und Diabetes mellitus

Die Einstellung des Langzeitblutzuckers auf einen Bereich von 6,5 bis 7,5 Prozent (48 bis 58 mmol/mol) ist ein wichtiges Therapieziel, um Folgeerkrankungen der Zuckerkrankheit zu minimieren oder zu vermeiden. Der HbA1c-Wert wird dabei individuell festgelegt und ist abhängig von bereits diagnostizierten Folgeschäden (zum Beispiel an den Nieren), vom Lebensalter und dem jeweiligen Wohlbefinden. So kann der Zielwert bei älteren Patienten durchaus leicht über acht Prozent liegen.

Eine zu drastische Senkung des HbA1c-Werts unter 6,5 Prozent wird heute nicht mehr angestrebt – vor allem bei Typ-2-Zuckerkranken mit einer langen Krankengeschichte, einem erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko. Denn diese Senkung ist dann oft nur mit hohem Medikamenteneinsatz erreichbar und mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden. Bei solch vorbelasteten Patienten sollte neben der moderaten Senkung des HbA1c-Werts Augenmerk auf die Kontrolle der Blutfettwerte, des Blutdrucks und eine Gewichtsreduktion gelegt werden.

Zur Senkung des HbA1c-Werts wird der Arzt dem Diabetes-Patienten deshalb zunächst eine Änderung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten empfehlen. Diese Faktoren können den HbA1c-Wert bereits um ein bis zwei Prozentpunkte senken. Erst wenn diese Maßnahmen keinen Erfolg zeigen, sollte der HbA1c-Wert mit Medikamenten und/oder Spritzen gesenkt werden.

Bei Diabetes-Typ-1-Erkrankten, die kaum noch oder gar kein körpereigenes Insulin mehr produzieren, müssen Medikamenten- und Insulingaben sehr genau auf den HbA1c-Wert eingestellt werden. Ein dauerhaft zu niedriger HbA1c-Wert erhöht bei Ihnen das Risiko für eine akute Unterzuckerung.

Symptome für eine Unterzuckerung

Autor:
Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2016
Quellen: Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes –Langfassung, 1. Auflage. Version 4.2013, zuletzt geändert: November 2014. Abruf unter: www.dm-therapie.versorgungsleitlinien.de; DOI: 10.6101/AZQ/00021; Deutsche Diabetes Gesellschaft: S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes, Version 1.0, September 2011; American Diabetes Association, Diabetes Care, Standards of Medical Care in Diabetes 2014, online abgerufen Oktober 2015, http://care.diabetesjournals.org/

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