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Cholesterinwerte, HDL, LDL

Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose, Diabetes: Cholesterin wird vor allem mit dem Risiko für viele Zivilisationskrankheiten in Verbindung gebracht. Eine unausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Grund für erhöhte Cholesterinwerte. Doch Cholesterin (auch Cholesterol) ist zugleich ein lebenswichtiger Stoff für unseren Organismus.

Cholesterin
Zu viel Cholesterin (auch Cholesterol genannt) im Blut kann sich an den Wänden der Blutgefäße ablagern und diese verstopfen.
Getty Images/iStockphoto

Es ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen und Ausgangsstoff für die Synthese vieler Hormone. Cholesterin wird zur Herstellung von Gallensäuren, Vitaminen und Hormonen gebraucht.

Drei Viertel des gesamten Cholesterins bildet der Körper in der Leber und in der Darmschleimhaut selbst (Cholesterinsynthese). Der Rest gelangt über die Nahrung in den Körper. Durch den Verzehr von zu viel und zu fettem Essen, vor allem tierischem Fett, wird in den Industrieländern viel zu viel Cholesterin aufgenommen.

Cholesterin ist ein Blutfett. Ist die Konzentration im Blut zu hoch, so lagert sich das Cholesterin in den Blutgefäßen ab, diese können allmählich verstopfen, das Blut nicht mehr ungehindert fließen. Erhöhte Blutfettwerte stellen damit einen Risikofaktor für Krankheiten wie Arteriosklerose, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall dar.

HDL und LDL – gutes und schlechtes Cholesterin

Unterschieden wird in der Blutuntersuchung in HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin. HDL (high density lipoprotein)-Cholesterin besteht je zur Hälfte aus Eiweiß und Fett. Es wird in der Darmschleimhaut sowie in der Leber gebildet und dient dem Rücktransport von überflüssigem Cholesterin zur Leber. Gefährliche Fettablagerungen werden auf dem Weg "eingesammelt". In der Leber kann das Cholesterin abgebaut und anschließend über die Galle ausgeschieden werden.

Deshalb nennt der Volksmund HDL-Cholesterin auch gutes Cholesterin. Es hat etwa einen Anteil von 25 Prozent des gesamten Cholesterins im Körper. Frauen haben dabei einen hormonellen Vorteil: Bei ihnen sorgen Östrogene dafür, dass sie besonders viel des "guten" Cholesterins bilden, wodurch gefährliche Gefäßablagerungen weitgehend verhindert werden. Dieser Vorteil schwindet ab den Wechseljahren stetig.

LDL (low density lipoprotein)-Cholesterin ist der Gegenspieler und wird gern als schlechtes Cholesterin bezeichnet. LDL-Cholesterin ist ein in der Leber gebildetes Eiweiß mit hohem Fettanteil. Es transportiert das Cholesterin aus der Leber zu den Zellen. Zirkuliert zu viel davon im Blut, steigert dies das Risiko, dass sich dadurch sogenannte Plaques bilden und die Gefäße verkalken. Ist diese Verkalkung stark ausgeprägt, steigt das Risiko für Bluthochdruck: Ursachen und Anzeichen der Hypertonie, Angina Pectoris-Attacken, Herzinfarkten und Schlaganfällen. Das gesunde HDL hilft, die schädlichen Gefäßablagerungen zu verhindern.

Wann wird der Cholesterinspiegel im Blut bestimmt?

Das Gesamtcholesterin im Blut wird bei Vorsorgeuntersuchungen (Gesundheits-Checkup) mitbestimmt. Dabei werden die Werte von HDL und LDL (plus Triglyzeride, die dritte Blutfettgruppe) zusammengezählt ausgegeben. Mit den erhaltenen Werten wird das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Schilddrüsenfunktionsstörungen abgeschätzt.

Sind bereits entsprechende Erkrankungen diagnostiziert oder besteht Übergewicht, das verringert werden muss, so können mit den Blutfetten Therapie und Verlauf kontrolliert werden. Wichtig zu wissen: Ein hoher Cholesterinspiegel im Blut wird häufig zu spät festgestellt, denn er verursacht keine Symptome. Deshalb ist es wichtig, den Cholesterinspiegel frühzeitig und regelmäßig kontrollieren zu lassen.

Wie werden Cholesterinwerte bestimmt?

Der Anteil des Cholesterins wird aus dem Blutserum bestimmt. Die Blutabnahme soll dabei nüchtern erfolgen, der Patient darf also in den vergangenen zwölf Stunden nichts gegessen haben.

Cholesterinspiegel: Welche Richtwerte sind gesund?

Die Normwerte für Cholesterin im Blut sind abhängig vom Lebensalter und Geschlecht. Mit dem Alter nimmt  die die Konzentration der Blutfette generell zu, bei Frauen liegt der Cholesterinspiegel dann höher als bei Männern. Auch in der Schwangerschaft ist er deutlich erhöht. Ein Gesamtcholesterinwert von weniger als 200 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) gilt als gesunder Normalwert.

Als Maßeinheit für den Cholesterinspiegel ist auch Millimol pro Liter (mmol/l) gebräuchlich. 200 mg/dl entsprechen dabei 5,17 mmol/l.

Normale HDL- und LDL-Cholesterinwerte

Der LDL-Wert im Blut sollte grundsätzlich so niedrig wie möglich ausfallen. Bei der Beurteilung wird der Arzt bereits vorhandene Risikofaktoren heranziehen. Diese Faktoren sind:

  • Rauchen
  • Bluthochdurck
  • Diabetes
  • Übergewicht
  • niedriges HDL-Cholesterin
  • Herzerkrankungen in der Familie
  • Lebensalter (Männer über 45 Jahre, Frauen über 55 Jahre)

Tabelle Cholesterinwerte

Abhängig davon, wie viele Risikofaktoren jemand aufweist, gelten folgende Normalgrenzwerte für LDL-Cholesterin und Gesamtcholesterin, die nicht überschritten werden sollten:

Risiko LDL-Cholesterin Cholesterin gesamt
geringes Risiko (weniger als zwei Risikofaktoren)

unter 160 mg/dl

unter 200 mg/dl

mittleres Risiko (zwei oder mehr Risikofaktoren)

unter 130 mg/dl

unter 200 mg/dl

hohes Risiko (bereits diagnostizierte Erkrankung wie Diabetes, Arteriosklerose, KHK)

unter 100 mg/dl, Ziel unter 70 mg/dl

unter 180 mg/dl

 

Liegen die eigenen Werte für das LDL-Cholesterin über den empfohlenen, so sollte durch eine Ernährungsumstellung oder mit medikamentöser Unterstützung der LDL-Wert unter die obere Grenze des Normalwerts gesenkt werden.

Der Anteil des HDL-Cholesterins im Blut sollte grundsätzlich so hoch wie möglich sein, bei Männern größer als 40 Milligramm pro Deziliter und bei Frauen höher als 50 Milligramm pro Deziliter.

LDL-HDL-Quotient

Für die Beurteilung des Risikos für Arteriosklerose und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist das Verhältnis von LDL- zu HDL-Cholesterin wichtig. Dieser Quotient darf bei einem gesunden Menschen um die 3,5 liegen. Bei Menschen, die durch bestimmte Risikofaktoren vorbelastet sind, gelten niedrigere Werte, bei Patienten mit bereits manifestierten Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte er unter 2,5 liegen.

Ursachen für zu hohe Cholesterinwerte

Eine ungesunde Lebensweise mit viel fettreicher Nahrung und wenig Bewegung kann die Blutwerte von Cholesterin erhöhen. Daneben haben eine Reihe von Krankheiten Einfluss auf den Blutfettspiegel. So können Nierenerkrankungen oder eine Schilddrüsenunterfunktion Ursachen für einen erhöhten Wert sein.

Zu hohe LDL-Werte können auf Gallenstau oder eine Harnvergiftung (Urämie) hinweisen. Der Wert wird auch bei der Einnahme von Medikamenten beeinflusst. Dazu gehören Steroidhormoine oder Gelbkörperhormone (Gestagene).

Ursachen für zu niedrige Cholesterinwerte

Allgemein gelten ein niedriger Gesamtcholesterinwert und niedriges LDL als wünschenswert. Jedoch sollten auffallend niedrige Werte dennoch untersucht werden. Auftreten können diese unter anderem bei:

  • schweren Leberschäden
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Mangelernährung
  • chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (zum Beispiel Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)

Wenn das HDL-Cholesterin zu niedrig ist, muss das – im Gegensatz zu einem zu hohen LDL-Wert – nicht behandelt werden. Ein zu niedriger Wert an gutem Cholesterin beeinflusst jedoch den LDL-HDL-Quotienten ungünstig und erhöht so das Risiko für eine Herzkrankheit oder einen Schlaganfall.

Cholesterinsenkung reduziert Risiko für Gefäße

Die Zusammensetzung der Blutfette lassen sich vor allem durch eine bewusste Ernährung beeinflussen - und so das Risiko für Gefäßerkrankungen senken. Dabei wird pauschale Empfehlung, möglichst überhaupt kein sichtbares Fett zu verwenden, heute nicht mehr vertreten.  Für eine gesunde Ernährung ist es viel wichtiger, welche Art von Fett gegessen wird. Um den HDL-Cholesterinwert zu erhöhen, sollte man auf tierisches Fett verzichten und dafür pflanzliches Fett mit ungesättigten Fettsäuren zu sich nehmen. Auch sogenannte Transfette sind gefährlich und sollten gemieden werden. Diese finden sich hauptsächlich in Produkten mit gehärteten Pflanzenfetten (z.B. Margarine, Fritierfett, Backfett)  Darüber hinaus sollte Übergewicht abgebaut werden, auch regelmäßiger Sport kann zur Cholesterinsenkung beitragen.

Bei bereits diagnostizierten Erkrankungen der Gefäße (KHK, Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose)  können Medikamente (Cholesterinsenker, Statine) helfen, das Cholesterin auf weniger gefährliche Werte zu drücken.

Blutbild: Wichtige Werte und was sie bedeuten

Autor:
Letzte Aktualisierung: 26. November 2015
Durch: es
Quellen: Internisten im Netz, Informationen zu Cholesterin, HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin, www.internisten-im-netz.de, abgerufen September 2015; Dr. C. Schottdorf-Timm/Prof. Dr. V. Maier: GU-Kompass Laborwerte, Gräfe Unzer 2015

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