Bildgebende Verfahren

Endoskopie: Blick ins Innere des Körpers

Die Endoskopie ist eine wichtige Untersuchungsmethode, die dem Arzt einen Blick in Körperhöhlen und Organe erlaubt. Sie wird auch bei der Planung von Operationen und für minimal-invasive Eingriffe eingesetzt.

Endoskopie (Spiegelung)
Die Endoskopie macht Organe von innen, hier die Verzweigung zu den Lungenflügeln, auf dem Bildschirm sichtbar.
PantherMedia / Paco Ayala

Unter dem Begriff Endoskopie ist die innere Ausleuchtung und Inspektion von Hohlorganen und Körperhöhlen mithilfe eines Endoskops zu verstehen. Die Endoskopie wird in den Bereichen Diagnose, Operationsplanung, Therapie und Nachsorge eingesetzt.

Was ist ein Endoskop?

Ein Endoskop ist ein schlauchförmiges Instrument, welches je nach Untersuchungszweck einen Durchmesser von wenigen Millimetern bis zu knapp zwei Zentimetern hat. An der Spitze ist es mit einer Lichtquelle und optischen Geräten ausgestattet, wodurch am anderen Ende des Schlauches der Arzt die untersuchte Region direkt betrachten kann. Meist werden heute jedoch Bilder einer kleinen Videokamera auf einen Monitor übertragen. Diese liefern eine ausgezeichnete Bildqualität.

Je nach Untersuchungsbereich werden starre, flexible oder Kapselendoskope verwendet.

Ein starres Endoskop wird benutzt, um leicht zugängliche Stellen wie den Enddarmbereich oder den Hals-, Nasen- und Ohrenbereich zu untersuchen.

Flexible Endoskope können gezielt und den anatomischen Verhältnissen entsprechend durch die Organe geführt werden. Sie werden beispielsweise zur Untersuchung von Dickdarm, Luftröhre und Lunge eingesetzt. Über den Schlauch können weitere Instrumente eingeführt werden, zum Beispiel zum dosierten Einblasen von Luft, damit das Organ sich weitet, zur Entnahme von Gewebe oder zur Injektion von Medikamenten. Mit flexiblen Endoskopen werden minimal-invasive Operationen durchgeführt.

Kapselendoskopie: Was sind die Unterschiede?

Die Kapselendoskopie ist eine junge Form der Endoskopie, die im Dünndarm eingesetzt wird. Die Kapsel hat dabei die Größe einer Filmtablette, in deren Inneren sich eine kleine Kamera befindet, die durch den Verdauungstrakt wandert. Diese Untersuchung muss nicht unter ärztlicher Beobachtung stattfinden.

Während dieser Zeit nimmt die Kamera pro Sekunde zwei Bilder auf, die sie an einen Empfänger sendet, der am Körper angebracht ist. Die Bilder werden aufgezeichnet und später ausgewertet. Die Batterie hält sechs bis acht Stunden. In dieser Zeit hat die Videokapsel den Dickdarm erreicht und wird auf natürlichem Weg ausgeschieden.

Inzwischen wird sogar an intelligenten Kapseln gearbeitet. Anders als bisherige Kapselendoskope sollen diese VECTOR-Kapseln vom Arzt aktiv gesteuert werden können und ähnlich einem Käfer über Beine verfügen, mit denen sie sich in Magen und Darm fortbewegen. Für das Aufspüren von Krankheitsherden erhalten die VECTOR-Kapseln optische Sensoren, die das Gewebe analysieren können und so die Früherkennung verbessern. Auch die Behandlung von Tumorfrühformen wird mit den VECTOR-Kapseln möglich sein, da sie mit Greifern und Operationsinstrumenten ausgestattet über die Fähigkeit verfügen, erkranktes Gewebe zu entfernen oder im Körper zu zerstören.

Vorbereitung und Ablauf der Endoskopie

Die Vorbereitungen und der Ablauf einer Endoskopie unterscheiden sich je nach Untersuchungsziel und -region und sollten vom medizinischen Personal genau erklärt werden.

Allgemein gilt, dass die zu untersuchende Person nüchtern zur Endoskopie erscheinen sollte. Erfolgt die Endoskopie über den Mund, müssen herausnehmbarer Zahnersatz und Piercings in diesem Bereich entfernt werden. Eventuell sollte auch die Brille abgelegt werden.

Für Untersuchungen der Ausscheidungsorgane müssen vorher Blase und Darm geleert werden. Bei einer Magenspiegelung darf man mindestens sechs Stunden vorher nichts mehr essen und trinken. Je nach Untersuchungsumfang und Verfassung der zu untersuchenden Person wird für die Endoskopie eine lokale Anästhesie oder eine Vollnarkose durchgeführt.

Das passiert bei der Untersuchung

Das Endoskop wird über natürliche Körperöffnungen oder einen Hautschnitt eingeführt. Ein Hautschnitt ist notwendig, wenn Bauchhöhle, Brusthöhle oder Gelenke endoskopiert werden. Wichtige Befunde können farbig aufgezeichnet oder gedruckt werden und ermöglichen damit eine optimale Vergleichsmöglichkeit vor und nach einer Behandlung. Flexible Endoskope haben einen Arbeitskanal, über den Zusatzgeräte eingeführt werden können. Zusatzgeräte sind Greifer, Schlinge, Injektionsnadel oder Zange, mit denen Fremdkörper entfernt, Polypen abgetragen oder Gewebeproben entnommen werden können.

Anwendungsgebiete der Endoskopie

Die Endoskopie bietet eine Vielzahl an Untersuchungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Körperregionen.

  • Diagnostik: Die Endoskopie hat gegenüber anderen Untersuchungsmethoden, beispielsweise den bildgebenden Verfahren, entscheidende Vorteile: Krankhafte Veränderungen können direkt betrachtet werden und es lässt sich zuverlässig zwischen Funktionsstörungen und Gewebeveränderungen unterscheiden. Das genaue Ausmaß der Veränderung lässt sich bestimmen und eine gezielte Gewebeentnahme ist direkt während der Untersuchung möglich. In der Diagnose wird die Endoskopie unter anderem zur Früherkennung von Karzinomen, zum gezielten Platzieren von Röntgenkontrastmittel oder zur Beurteilung über Ausmaß und Schweregrad einer inneren Verletzung eingesetzt.
     
  • Endoskopische Operationsplanung: Die direkte Betrachtung und Entnahme von krankem Gewebe ermöglicht eine gezielte Therapie- und Operationsplanung. Vorteilhaft ist das vor allem für die Beurteilung über Lage und Ausdehnung eines Tumors.
     
  • Therapie: Eingesetzt wird die Endoskopie zur Entfernung von Sekreten, Tumoren, Polypen, Fremdkörpern sowie Gallen- oder Blasensteinen. Des Weiteren können Engstellen erweitert, Sonden und Drainagen implantiert oder Blutungen gestillt werden. Prinzipiell können durch diese Eingriffe meistens größere Operationen vermieden werden.
     
  • Nachsorge: In der Tumornachsorge ist die Endoskopie neben Sonographie und Computertomographie eine unverzichtbare Untersuchungsmethode, um mögliche Rezidive oder neue Veränderungen rechtzeitig erkennen zu können. Ein großer Vorteil gegenüber den bildgebenden Methoden liefert die Endoskopie, indem sie sehr genau den Unterschied zwischen narbigem und Tumorgewebe darstellt.
Endoskopie Fachbegriffe bedeutet
Bronchoskopie Lungenspiegelung
Ösophagoskopie Speiseröhrenspiegelung
Gastroskopie Magenspiegelung
Choledochoskopie Spiegelung des Zwölffingerdarms und der Gallengänge
Koloskopie Darmspiegelung (Dickdarm)
Rektoskopie Darmspiegelung (Enddarm)
Thorakoskopie Spiegelung der Brusthöhle
Laparoskopie Bauchspiegelung (Spiegelung der Bauchhöhle)
Nephroskopie Spiegelung des Nierenbeckens
Ureteroskopie Spiegelung der Harnleiter
Zystoskopie Blasenspiegelung
Arthroskopie Gelenkspiegelung
Duktoskopie Spiegelung der Milchgänge
ERCP Magenspiegelung kombiniert mit Röntgen
Mediastinoskopie Spiegelung der Schleimhäute der Hohlorgane
Autofluoreszenz-Endoskopie Spiegelung des Brustkorbs
Panendoskopie Spiegelung des kompletten HNO-Bereichs plus Kehlkopf, Luftröhre, Rachen, Speiseröhre

 

Bei der Ophtalmoskopie, der Augenspiegelung, wird kein Endoskop eingesetzt, der Arzt betrachtet das Organ durch die geweitete Pupille.

Standarduntersuchung ohne Risiko

Die Endoskopie ist eine Standarduntersuchung, die häufig größere operative Eingriffe ersetzt. Sie ist kaum schmerzhaft, wird jedoch meistens als unangenehm empfunden. Komplikationen treten bei einer Endoskopie selten auf. Eventuell können Reizungen oder Verletzungen an den Schleimhäuten durch das Endoskop entstehen.

Für die Diagnose und je nach Untersuchungsziel sind prinzipiell alle anderen bildgebenden Verfahren eine Alternative zur Endoskopie. So werden beispielsweise Computertomographie, Sonographie und das MRT (Magnetresonanztomographie, auch "Kernspin" genannt) ebenfalls als Untersuchungsmethoden bei einem Tumorverdacht und zur Beurteilung des umliegenden Gewebes eingesetzt. Bei therapeutischen Maßnahmen sind Operationen eine weitere Wahlmöglichkeit. Diese sind allerdings umfangreicher und belastender für die betreffende Person.

1950 entstanden die ersten endoskopischen Bilder

Die erste medizinische Endoskopie war eine Magenspiegelung, die der Arzt und Forscher Adolf Kussmaul 1868 an einem Schwertschlucker durchführte. Mit einem Eisenrohr und einer Kerze versuchte er den Magen auszuleuchten. Ein missglückter Versuch, der aber den Grundstein für die Endoskopie legte. Anfänglich wurden die Untersuchungen noch mit starren Instrumenten durchgeführt. 1932 wurden halbflexible und 1957 flexible Endoskope eingeführt, die auch mit Glasfaser zur Lichtübertragung ausgerüstet waren.

Erste endoskopische Bilder wurden 1950 mit einer Gastrokamera erzeugt. Dafür wurde ein Schlauch, an dessen Spitze eine Kamera saß, über den Rachen in den Magen eingeführt. Der Magen wurde aufgeblasen, ausgeleuchtet und fotografiert.

Seitdem hat sich die Endoskopie kontinuierlich weiterentwickelt. Entscheidende Fortschritte sind Endoskope mit Instrumentenkanal, desinfektionsfähige Fiberskope und die Videoendoskopie.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 25. Februar 2016
Durch: es
Quellen: Odar, J.: Techniken und Methoden der modernen Medizin, Steinkopff Verlag, Darmstadt 1990 Walter de Gruyter (Hrsg.): Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter, Berlin 2007 Ell, C., May, A., Nachbar, L., Plum, N.: Dünndarmendoskopie - Innovationen in Diagnostik und Therapie, Deutsches Ärzteblatt, Heft 45, November 2006

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