Besonders bei Diabetes wichtig

Blutzuckermessung

Die Blutzuckermessung ist eine Momentaufnahme der Zucker- beziehungsweise Glukosekonzentration im Blut. Sie ist insbesondere zur Diagnose eines Diabetes sowie zur Verlaufskontrolle dieser Erkrankung wichtig.

Blutzuckermessung
Eine Stechhilfe erleichtert die Blutentnahme zur Blutzuckermessung.
Getty Images/iStockphoto

Die Blutzuckermessung ist eine Diagnose- und Überwachungsmethode, die von Patienten selbst vorgenommen werden kann. Bei Diabetikern, die mit Insulin behandelt werden, gehört sie zum täglichen Programm.

Zucker, in der Fachsprache Glukose (oder Glucose), ist der Hauptenergielieferant des Körpers und wird hauptsächlich in Form von Kohlenhydraten mit den Mahlzeiten aufgenommen. Daher steigt die Glukosekonzentration auch nach dem Essen. In der Bauchspeicheldrüse wird dann das Stoffwechselhormon Insulin gebildet, das dafür sorgt, dass die Zuckermoleküle von den Körperzellen aufgenommen werden können. Die Folge: Die Glukosekonzentration, der Blutzuckerspiegel, sinkt wieder. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes bildet der Körper kein Insulin mehr. Bei der häufigeren Form der Zuckerkrankheit, dem Typ-2-Diabetes, wird das Stoffwechselhormon nicht mehr in ausreichender Menge produziert und/oder die Körperzellen reagieren nicht mehr richtig auf das Hormon (Insulinresistenz). Der Blutzucker wird nicht beziehungsweise nicht ausreichend abgebaut, der Blutzuckerspiegel steigt, was langfristig zu lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen führt.

Ob der Blutzuckerwert im Normbereich liegt oder therapeutische Maßnahmen notwendig sind, lässt sich mit einer Blutzuckermessung überprüfen. Dazu ist ein Tropfen Blut notwendig, der sich mit einer Stechhilfe am besten an der Seite der Fingerkuppe gewinnen lässt. Dieser wird auf einen Teststreifen aufgebracht und vom Gerät analysiert.

Blutzucker richtig messen: So gehts

Gemessen wird in der Regel vor dem Essen. Um exakte Ergebnisse zu erhalten, sind ein paar kleine Vorbereitungen zu treffen. Punkt 1 ist das Händewaschen mit Wasser, da insbesondere zuckerhaltige Rückstände auf der Haut das Ergebnis verfälschen könnte. Aber auch Wasser und Alkohol können den gemessenen Wert beeinträchtigen.

Saubere und trockene Hände!

Deshalb sollte man die Hände nach dem Waschen sorgfältig trocknen auch nicht desinfizieren. Im nächsten Schritt wird der Teststreifen in das Gerät eingelegt. Hier ist zu beachten, dass bei Anbruch einer neuen Packung bei einigen Messgeräten die Codierung eingestellt werden muss. Dann heißt es "Lanzette wechseln", damit der Einstich zur Blutentnahme möglichst schmerzarm ist. Denn die Lanzette verliert schon beim ersten Gebrauch einiges von ihrer Schärfe.

Jetzt die Stechhilfe seitlich der Fingerkuppe ansetzen und den Auslöser betätigen, den Teststreifen an den austretenden Blutstropfen halten, sodass dieser aufgesaugt werden kann, den Messwert ablesen und ins Blutzuckertagebuch eintragen – fertig.

Alternativ zur Fingerbeere, die bei jeder Messung gewechselt werden sollte, kann auch am Handballen oder dem Unterarm gemessen werden. Der Vorteil: Diese Stellen sind weniger schmerzempfindlich. Sie sind aber auch weniger gut durchblutet, was den Aufsatz einer speziellen Kappe auf das Gerät erforderlich macht. Auch schlagen sich kurzfristige Änderungen des Blutzuckerspiegels, etwa durch Sport oder Essen, schneller an der Fingerkuppe nieder, dort lässt sich also der "aktuellere" Wert ermitteln.

Stechhilfe richtig einstellen

Wenn nicht genügend Blut hervortritt, kann der Blutfluss durch leichtes Reiben, aber keinesfalls heftiges Drücken und Pressen angeregt werden. Wird zu sehr auf dem Finger herumgedrückt, tritt möglicherweise Gewebeflüssigkeit mit aus und verdünnt das Blut. Dies wiederum kann das Messergebnis beeinträchtigen.

Wichtig ist auch die richtige Einstellung der Stechhilfe. Zu tiefe Einstiche sind unnötig schmerzhaft. Ist der Einstich nicht tief genug, tritt zu wenig Blut aus. Es empfiehlt sich, die optimale Stechtiefe auszuloten, indem man zunächst mit einer mittleren Stechtiefe beginnt. Tritt ausreichend Blut hervor, kann bei den nächsten Messungen jeweils eine niedrigere Stufe gewählt werden. Kommt zu wenig Blut, geht man auf die nächsthöhere Stufe.

Fehlerquellen vermeiden

Neben Rückständen auf der Haut gibt es einige weitere Faktoren, die zu einem verfälschten Messergebnis führen können. Hier sind an erster Stelle alte oder verunreinigte Teststreifen zu nennen. Deshalb: Mindesthaltbarkeitsdatum der Teststreifen beachten und die Teststreifen in der verschlossenen Originalpackung an einem trockenen Ort aufbewahren.

Der Blutzucker kann im Vollblut oder aber im Plasma beziehungsweise Serum gemessen werden mit unterschiedlichen Werten. Deshalb sollte man überprüfen, wie das Messgerät eingestellt (kalibriert) ist und dies entsprechend dokumentieren. Beachtet werden muss auch die Maßeinheit, in der das Messgerät den Blutzuckerwert angibt. Sie kann bei manchen Geräten eingestellt werden. In Deutschland ist als Maßeinheit sowohl Millimol pro Liter, kurz mmol/l, als auch Milligramm pro Deziliter, kurz mg/dl, gebräuchlich. Wird der Wert, den das Blutzuckermessgerät anzeigt, auf die falsche Einheit bezogen und die Insulindosierung danach ausgerichtet, kann dies schlimme Folgen haben.

Auch die Einnahme von Medikamenten kann das Messergebnis verfälschen. Dazu gehören unter anderem Vitamin C, die Wirkstoffe Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Heparin. Das sollte man bei ungewöhnlichen Messwerten bedenken und den Arzt darauf ansprechen.

Blutzuckermessung: Für Insulinpflichtige ein Muss

Für Diabetiker, die mit Insulin behandelt werden, ist die richtige Dosis entscheidend: Wird zu wenig verabreicht, ist der Blutzuckerspiegel zu hoch. Dadurch steigt das Risiko für gefährliche Folgeerkrankungen wie beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall, den Diabetischen Fuß oder eine Retinopathie. Ist die Insulin-Dosis zu hoch, kann der Blutzucker in gefährliche Bereiche absinken. Werden nicht umgehend Gegenmaßnahmen eingeleitet, drohen Koma und sogar Tod.

Deshalb ist insbesondere zu Therapiebeginn eine engmaschige Überwachung des Blutzuckerwertes wichtig. Auch im weiteren Behandlungsverlauf sind regelmäßige Blutzuckerkontrollen nötig, um auf Schwankungen, etwa durch Infektionen, Stress oder Sport, rechtzeitig reagieren zu können oder zu erkennen, wann die gewählte Therapieform nicht (mehr) den gewünschten Erfolg bring. Auch für nicht-insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker werden regelmäßige Messungen, allerdings in größeren Abständen, von den meisten Experten empfohlen, auch wenn der Arzt ihnen Teststreifen nur noch unter bestimmten Umständen verordnen darf. Zeitpunkt und Häufigkeit der Blutzuckermessungen wird in jedem Fall mit dem Arzt gemeinsam festgelegt.

Blutzucker messen ohne Blut

Inzwischen gibt es auch Systeme, die eine Blutzuckermessung ohne Stechen möglich machen. Dazu wird an einer geeigneten Körperstelle, zum Beispiel den Oberarm ein Sensor unter einem Pflaster platziert. Mit einem dazu passenden Scanner können die aktuellen Glukosewerte nach Bedarf abgelesen werden. Das System nennt sich Flash-Glucose-Monitoring, kurz FGM. Zusätzlich können auch vergangene Messdaten ausgelesen werden, der Arzt kann daraus Durchschnittswerte, bestimmte Zuckerspitzen oder Unterzuckerung auswerten.

Neben dem FGM-System gibt es auch noch Geräte, die den Blutzucker nicht nur bei Bedarf, sondern kontinuierlich messen. Diese CGM-Geräte (von Continuous Glucose Monitoring) können zusätzlich bei Abweichungen von bestimmten Blutzuckerwerten einen Alarm abgeben.

Das Messen des Blutzuckers ohne Teststreifen und ohne Pieks in die Fingerbeere kann für viele Zuckerkranke eine große Erleichterung sein. Für wen die Geräte geeignet sind, sollte zusammen mit dem Arzt  beraten werden. Die Kosten dafür werden nicht in jedem Fall von der Krankenkasse übernommen.

Zehn Tipps, um Diabetes vorzubeugen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 21. Dezember 2015
Durch: es

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