Audiometrie, objektive (Objektive Hörprüfung)

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Richtig gehört? Verfahren der objektiven Audiometrie erlauben schon bei den Kleinsten eine zuverlässige Überprüfung der Hörfähigkeit.
(c) George Doyle

Die objektive Audiometrie ist eine Hörprüfung, deren Ergebnis von der Mitarbeit des Untersuchten unabhängig ist. Dazu gibt es verschiedene Verfahren, mit denen sich unterschiedliche Arten von Hörstörungen untersuchen lassen.

 Die objektive Audiometrie kommt als Hörprüfung bei Personen zum Einsatz, bei denen eine subjektive Audiometrie nicht in Frage kommt, weil sie entweder nicht aktiv mitarbeiten können oder die Gefahr des Simulierens besteht. Auch dazu gibt es verschiedene Verfahren, mit denen die unterschiedlichen physiologischen Signale, die mit dem Hörvorgang einhergehen, gemessen werden. Zu nennen sind hier unter anderem Impedanzmessungen, der Nachweis von otoakustischen Emissionen (OAE) und akustisch evozierten Potentialen (AEP), sowie die Hirnstammaudiometrie. Die Untersuchungen ergänzen sich, ein objektives Audiometrieverfahren allein genügt nicht für eine Diagnose. Eine besondere Vorbereitung ist für keines der Verfahren notwendig.

Impendanzmessungen überprüfen Mittelohr und Trommelfell

Mit Impedanzmessungen, auch als Impedanzaudiometrie bezeichnet, wird der akustische Widerstand (Impedanz) des Trommelfells gemessen, um damit die Funktionsfähigkeit des Mittelohrs zu überprüfen. Ein wichtiges Verfahren dazu ist die Tympanometrie. Dabei wird der Gehörgang mit einem Gummiballon abgedichtet. Dieser hat in der Mitte eine Öffnung, durch die eine Messsonde in den Gehörgang eingeführt wird, die mit einem so genannten Tympanometer verbunden ist. Die Messsonde besitzt drei Schläuche für drei verschiedene Funktionen:

  • Über einen Schlauch wird der Prüfton – ein Dauerton, meist mit einer Frequenz  von 220 Herz abgegeben, den ein Tongenerator im Typanometer erzeugt.
  • Ein zweiter Schlauch enthält ein Mikrofon, das mit dem Messgerät im Tympanometer verbunden ist.
  • Der dritte Schlauch gehört zu einer kleinen Druckpumpe, mit der Druck im Gehörgang verstärkt oder gemindert werden kann.

Tympanometrie misst Schallreflektion unter Druckveränderung

Wenn der Schall, den der Tongenerator erzeugt, auf das Trommelfell trifft, wird er zum Teil in das Innenohr weitergeleitet, ein Teil wird reflektiert. Veränderungen des Drucks im Gehörgang bewirken Änderungen in der Schallreflektion, wobei diese am geringsten ist bei gleichem Druck im Gehörgang und im Mittelohr, also vor und hinter dem Trommelfell. Nun wird die Schallreflektion bei unterschiedlichen, definierten Druckverhältnissen im Gehörgang gemessen und die Ergebnisse aufgezeichnet. Sie ergeben das Tympanogramm, das bei Gesunden einen typischen Kurvenverlauf nimmt. Bei verschiedenen Erkrankungen  ist diese Kurve verändert; die Form der Kurve gibt dem Arzt wichtige Hinweise auf die Erkrankung.

Stapediusreflex-Messung nach Tympanometrie

In Kombination mit der Tympanometrie wird häufig auch eine Stapediusreflex-Messung gemacht, ein weiteres Verfahren der Impedanzmessung. Der Musculus Stapedius, um den es dabei geht, verläuft durch das Mittelohr und zieht sich bei einem lauten Tonsignal zusammen. Dadurch kommt es zu einer leichten Bewegung des Trommelfells, die eine Verstärkung der Schallreflexion bewirkt: Die Empfindlichkeit des Hörsinns wird auf diese Weise bei Lärm nach unten reguliert zum Schutz des Innenohrs. Mit dem Tympanometer lässt sich der Stapedius-Reflex messen; Veränderungen des Reflexes deuten ebenfalls auf bestimmte Erkrankungen hin.

Tympanometrie bei Ohrgeräuschen und Druckgefühl im Ohr

Die Tympanometrie dauert nur wenige Sekunden, wenn die Sonde eingeführt ist, ebenso eine angeschlossene Stapediusreflex-Messung. Die Untersuchungen sind schmerz- und risikolos, werden allenfalls als unangenehm empfunden und kommen unter anderem im Rahmen des Neugeborenen-Screenings zum Einsatz.  Die Tympanometrie dient zur Diagnose von Erkrankungen des Mittelohrs und des Trommelfells wie beispielsweise einer Verschiebung des Gehörknöchelchens, Otosklerose, Tinnitus, Paukenerguss, Tubenmittelohrkatarrh  oder des sehr seltenen Glomustumors. Entsprechend ist sie angezeigt bei Symptomen, die auf diese Erkrankungen hindeuten können wie beispielsweise Hörprobleme, Ohrgeräusche oder Druckgefühl im Ohr. Die Stapediusreflex-Messung ist angezeigt bei der Anpassung eines Hörgeräts bei Kindern und ist unter anderem auch wichtig zum Nachweis einer Otosklerose.

Gesundes Innenohr macht Geräusche

Ein weiteres Verfahren der objektiven Audiometrie ist die Messung otoakustischer Emissionen (OAE). Darunter sind sehr leise Geräusche zu verstehen, die im Innenohr bei der Verarbeitung von Schallsignalen entstehen. Sie gehen von bestimmten Sinneszellen, den äußeren Haarzellen aus, die von Schallsignalen in Schwingung versetzt werden. Diese Bewegungen erzeugen die leisen Geräusche, die mit einem sehr sensiblen Mikrofon aufgefangen werden können.

Beim Neugeborenenscreening wird nach OAE gefahndet

Dazu führt der Arzt eine Sonde mit integriertem Mikrofon und Lautsprecher in den äußeren Gehörgang ein, der abgedichtet wird.  Dann werden die äußeren Haarzellen mit standardisierten Tönen durch den Lautsprecher stimuliert. Lassen sich OAE als Reaktion auf die Tonsignale messen, lässt dies darauf schließen, dass die äußeren Hörsinneszellen im Innenohr intakt sind. Die Messung der OAE ist völlig schmerz- und risikofrei und dauert nur wenige Sekunden. Sie wird im Rahmen des Neugeborenen-Screenings eingesetzt. Sie dient aber auch dazu, um den Verlauf Schwerhörigkeit zu beobachten, die ihren Ursprung im Innenohr hat, wie beispielsweise einen Hörsturz.

Hirnstammaudiometrie meldet Störungen in Nerven und Hirn

Mit der Hirnstammaudiometrie, oft als BERA nach dem englischen Fachbegriff "Brainstem Evoked Response Audiometry" abgekürzt, kann überprüft werden, ob der Hörnerv oder die für die weitere Verarbeitung akustischer Signale zuständigen Gehirnareale für eine Hörstörung verantwortlich sind. Es handelt sich dabei um eine besondere Form der Enzephalografie (EEG), mit der die durch vorgespielte Klicktöne hervorgerufenen Hirnströme (akustisch evozierte Potenziale) gemessen werden. Die Hirnstammaudiometrie gehört damit zu den elektrischen Reaktionsaudiometrien.

Hörschwelle ohne Mitarbeit des Untersuchten

Zur Hirnstammaudiometrie sollte der Untersuchte möglichst entspannt sein, die Untersuchung wird in bequemer Position, oft auf einer Untersuchungsliege vorgenommen. Je nach Gerät werden ihm drei bis vier Elektroden auf die Kopfhaut aufgeklebt, zwei davon jeweils auf den Knochen direkt hinter dem Ohr, den Warzenfortsätzen. Weitere Stellen für das Anbringen der Elektroden sind Stirn und Scheitel. Über einen Kopfhörer werden der Testperson Klicklaute vorgespielt. Die Elektroden registrieren die dadurch ausgelösten Hirnströme oder Potenziale, wie dies in der Fachsprache genannt wird, und leiten die Signale an einen Computer, der sie zu einem Kurvendiagramm verarbeitet. Auf diese Weise lässt sich nicht nur die Quelle einer Hörstörung ermitteln, die zwischen Innenohr und Hirnstamm angesiedelt ist. Auch die Hörschwelle in unterschiedlichen Frequenzen kann so angegeben werden.

Bis zu eine Stunde Untersuchungszeit einplanen

Die Untersuchung dauert zwischen 20 und 60 Minuten. Sie ist wie die beiden anderen objektiven Audiometrieverfahren risikolos und tut nicht weh.

Autor: Ruth Sharp / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 22. Juni 2012

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