
Ursachen einer Depression
Das komplexe Zusammenspiel von Körper und Psyche
Einfache Erklärungen für Seelenkrisen gibt es nicht - dafür aber viele Vorurteile. Für manche sind Depressionen eine Frage von Disziplinlosigkeit oder emotionaler Schwäche; andere glauben an erbliche Ursachen, die keine Behandlung zulassen. Doch die Dinge liegen anders. Dafür haben Erkenntnisse der Hirnforschung gesorgt.
Dünnhäutigkeit und Stress sind Hauptfaktoren
Vulnerabilität und Stress sind nach Ansicht vieler Forscher die Hauptauslöser einer Depression. Danach ist die Vulnerabilität für eine Depression im Wesentlichen durch eine Störung der Stressverarbeitung gekennzeichnet. Das Alarmsystem des Körpers entgleist gewissermaßen, wenn innere Faktoren (z.B. Veränderungen in der Konzentration bestimmter Nervenbotenstoffe) oder äußere Belastungen (z.B. eine Lebenskrise) die Toleranzgrenze bei Menschen mit einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur überschreiten.
Man weiß heute, dass genetische, beziehungsweise biologische Faktoren einerseits sowie psychosoziale und biografische Krisen andererseits zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Lebens verschiedene Hirnareale stark beeinflussen und sie verändern. Erst in ihrem Zusammenwirken jedoch wird die Psyche verletzbar - vulnerabel - gegenüber belastenden Einflüssen, also Stress. Entsprechend spricht man vom Vulnerabilitäts-Stress-Modell. Vulnerabilität lässt sich auch mit "Dünnhäutigkeit" übersetzen: Die Haut wird durchlässig, die Psyche empfindsam.
Um die Depression zu verstehen, müssen die engen Verflechtungen von Genen, Körper, Kopf, Lebenserfahrungen und Lebensgeschichte entwirrt werden. Das Zusammenspiel von biologischen und sozialen Mechanismen ist entscheidend. Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell integriert verschiedene Theorien und Aspekte über Ursachenfaktoren, die bei jeder Depression wichtig sind.





