Wechseljahresdepression
Der Aufbruch in eine neue Lebensphase
Die Wechseljahre markieren den Aufbruch in eine neue Lebensphase. Viele Frauen können diesen Wendepunkt im Leben allerdings nicht genießen. Sie leiden unter depressiven Verstimmungen und Traurigkeit. Aber nicht die hormonelle Umstellung des Körpers ist die Ursache, sondern soziale und familiäre Umstände.
Die Wechseljahre bedeuten einen Wendepunkt im Leben einer Frau, der begleitet wird von körperlicher Veränderung und geistiger Erneuerung. Der medizinische Begriff für Wechseljahre lautet Klimakterium. Er stammt aus dem Griechischen und bedeutet Stufe oder Treppe. Und genau das sollten die Wechseljahre für reife Frauen eigentlich sein die Stufe, die in höher gelegene Regionen führt oder die Treppe, über die Neues erreicht wird. Jedoch leiden viele Frauen in dieser Zeit unter depressiven Verstimmungen und Traurigkeit.
Depressionen sind kein typisches Wechseljahrsymptom
Die Wechseljahre sind nach der Pubertät die zweite große Phase der körperlichen Veränderungen. Die Produktion der Sexualhormone Östrogen und Progesteron geht zurück, der Wechsel zur biologischen Unfruchtbarkeit wird vollzogen. Der weibliche Körper kann darauf mit den typischen Symptomen wie Schlaflosigkeit und Hitzewallungen, aber eben auch mit depressiven Verstimmungen und Traurigkeit reagieren.
ForscherInnen und ÄrztInnen sind sich aber einig: Eine Depression ist kein typisches Symptom für die Wechseljahre. Allgemein wird darauf verwiesen, dass in der Mehrzahl soziale und familiäre Faktoren eine weitaus wichtigere Rolle in der Entwicklung einer Depression spielen, als die durch hormonelle Umstellung bedingten körperlichen Veränderungen.
Älterwerden in der westlichen Gesellschaft ein Tabu
Viele Frauen fühlen sich beim Thema Wechseljahre unweigerlich mit dem Älterwerden konfrontiert, und reagieren mit depressiven Verstimmungen und melancholischen Stimmungszuständen. Solche Reaktionen sind bei dem vorherrschenden Jugendwahn in Medien und Werbung nicht weiter verwunderlich. Allwöchentlich wartet die Kosmetikbranche mit neuen, noch wirksameren Wundercremes gegen Alterserscheinungen wie Krähenfüße, Knitterfältchen oder Zornesfalten" auf. Viele Fitnessangebote werben weniger für das körperliche Wohlbefinden als mit der Aussicht auf einen jugendlichen Körper. Und wenn nichts mehr hilft, wird der Gang zum Schönheitschirurgen empfohlen.
Während in manchen Kulturen Frauen in den Wechseljahren als weise betrachtet werden und an gesellschaftlichem Ansehen gewinnen, fühlen sich hierzulande nicht wenige aufs Abstellgleis gestellt. Es ist nur allzu verständlich, wenn Frauen mit melancholischen Stimmungsschwankungen reagieren.
Die Seele zieht Bilanz Wo steht Frau im Leben?
Die Wechseljahre sind für viele Frauen ein idealer Zeitpunkt für eine Bestandsaufnahme ihres Lebens: Wo stehe ich heute? Bin ich damit zufrieden? Fühle ich mich wohl in meiner Partnerschaft? Bin ich mit mir selbst im Einklang? Wohin möchte ich gehen? Studien belegen: Frauen mit gesundem Selbstbewusstsein und positivem sozialen Umfeld stecken Wechseljahresbeschwerden leichter weg. Dagegen neigen Frauen, die unzufrieden mit ihrer Partnerschaft und den Lebensumständen sind, zu stärkeren klimakterischen Beschwerden.
Abschied von der biologischen Rolle der Mutter
Plötzlich sind die Kinder aus dem Haus und gehen ihre eigenen Wege. Frauen fühlen sich dann häufig um die Daseinsberechtigung in der Rolle als Mutter beraubt. Experten sprechen vom empty nest"-Syndrom: Die Kinder sind flügge geworden, und besonders Frauen müssen ihren Lebenssinn neu definieren. Standen die Kinder zuvor im Mittelpunkt des familiären Lebens, werden nun häufig Partnerschaft und Lebensumstände kritisch hinterfragt. Es kann zur Sinnkrise kommen, in der die Lebensrichtung neu angepeilt werden muss. Die Schweizer Psychotherapeutin Julia Onken rät betroffenen Frauen, diese anbrechende Zeit als die der geistigen Mutterschaft anzuerkennen, in der lang schlummernde kreative Kräfte endlich in Erscheinung treten können.
Achtsamkeit für den Körper
Frauen mit starkem Übergewicht neigen ebenfalls öfters und stärker zu wechseljahresbedingten Verstimmungen und sind zudem noch einem starken Krankheitsrisiko ausgesetzt. Es gilt deshalb, allgemein auf fett- und fleischarme Ernährung zu achten und dabei für ausreichend Bewegung zu sorgen. Sport hebt bekanntlich die Stimmung und ist eine wirksame Vorbeugung gegen Osteoporose.


