Betreuung
Psychisch schwerst Kranke schlecht versorgt
Experten kritisieren die schlechte psychotherapeutische Versorgung von Menschen, die von einer schweren oder chronischen psychischen Erkrankung betroffen sind.
Obwohl sie eine adäquate Behandlung durch einen Psychologen oder Psychiater am nötigsten haben, scheinen schwer psychisch Kranke bei der psychotherapeutischen Behandlung häufig zu kurz zu kommen. Experten sind der Einladung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zum 8. Hauptstadtsymposium zum Thema „Ärztliche Psychotherapie: Warum, wie und für wen? Aktuelle Fragen der Psychotherapieversorgung in Deutschland“ gefolgt und haben sich unter anderem über die soziale Benachteiligung von schwer psychisch Kranken unterhalten. Sie sind darin übereingekommen, dass es dringend spezieller Behandlungsprogramme für chronisch Kranke bedarf.
Die DGPPN kritisiert die mangelhafte psychotherapeutische Betreuung von Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen und hat sich auf die Spurensuche begeben. Ein Grund für das Missverhältnis seien die starken Reglementierungen der im Rahmen der Richtlinienpsychologie erbrachten Leistungen. Fachärzte für Psychiatrie und Psychologie bekommen nur Therapien für einen bestimmten zeitlich begrenzten Raum von den Krankenkassen bezahlt. Die Bedürfnisse von psychisch schwer Kranken kommen dabei zu kurz, da sie in der Regel eine langfristige Behandlung benötigen. In vielen Fällen sind außerdem begleitende Medikamentengaben oder weiterreichende unterstützende Maßnahmen nötig.
Die Experten fordern, dass mehr geeignete psychotherapeutische Programme für Menschen entwickelt werden, die an schweren oder chronischen psychischen Erkrankungen leiden. Weiterhin würden Forschungsinvestitionen für die Evaluation benötigt, die sich mit medikamentösen und sozialtherapeutischen Maßnahmen kombinieren lassen. Die Fachgesellschaft fordert außerdem, dass die vom Psychiater erbrachte Leistung angemessen honoriert wird. Obwohl Psychiater und Nervenärzte stolze 72 Prozent der psychiatrischen Fälle behandeln, erhalten sie lediglich ein Viertel der Gesamtausgaben.


